Lieblingsplatz: Auf dieser Anhöhe in der Nähe seines Elternhauses entspannt sich Moritz Sappl von seiner Arbeit als Bürgermeister. „Eine halbe Stunde reicht, dann ist der Akku wieder aufgeladen.“
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Lieblingsplatz: Auf dieser Anhöhe in der Nähe seines Elternhauses entspannt sich Moritz Sappl von seiner Arbeit als Bürgermeister. „Eine halbe Stunde reicht, dann ist der Akku wieder aufgeladen.“ 

„Ich bin eher der klassische Macher“

Kommunalwahl 2020: Moritz Sappl im Porträt

  • vonRudi Stallein
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Moritz Sappl will Bürgermeister von Eurasburg bleiben. „Ich bin eher der klassische Macher“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Eurasburg Als klar war, dass er in seiner Heimatgemeinde für das Bürgermeisteramt kandidieren würde, haben ihm seine Chefs und Kollegen „alle erst mal einen Vogel gezeigt“, erinnert sich Moritz Sappl. „Die haben natürlich nachgeschaut, was ein Bürgermeister verdient“ – was nicht dazu beigetragen habe, mehr Verständnis dafür aufzubringen, warum ein erfolgreicher Prokurist eines weltweit agierenden mittelständischen Unternehmens so einen Job freiwillig gegen die Amtsstube eintauschen will.

Das war im Herbst 2013. Damals änderte sich der berufliche Aktionsradius des Landwirtssohnes gravierend. Zuvor hatten seine Geschäftsreisen den gelernten Elektriker und Projektingenieur, der sich nebenbei zum Energieeffizienz-Auditor ausbilden ließ, in 125 Länder rund um den Globus, so nach Brasilien, China, Indien und Vietnam geführt.

Heute agiert er zwischen Achmühle, Berg und Maierwald. Wenngleich der 47-Jährige selbst seinen Aktionsradius „irgendwo um dieses Eck zwischen Miesbach, München, Weilheim und Garmisch“ zieht. „Aber das war’s wert“, sagt Sappl, sechs Jahre später bei einer Tasse Kaffee am rustikalen Esstisch seiner kleinen Dachgeschosswohnung in Beuerberg, nachdem er zuvor den Arbeitstag mit zwei Trauungen beendet hat. „Ich bereue es nicht, den Schritt getan zu haben. Es war eine unheimlich interessante Zeit, in der man was hat bewegen können, auch in Räumen, die man zur Wahl noch gar nicht gesehen hat.“

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Damit meint Sappl vor allem die Entwicklung des Klosters, dessen Schwestern ihn kurz vor seinem offiziellen Dienstantritt über ihren Auszug informierten, aber auch „die Radlwege, die Sportanlage“. „Das waren alles Schlüsselsituationen, die die Gemeinde Eurasburg in den nächsten Jahren prägen werden.“ Daran mitzugestalten, sei heute wie damals sein Antrieb, sagt der derzeitige Rathauschef, der sich selbst nicht als „Verwalter“ sieht. „Ich bin eher der klassische Macher, der versucht, was auf den Weg zu bringen, aber auch in der Lage ist, dass durchzuziehen und umzusetzen“, so Sappl. „Anschieben und dranbleiben – das sind immer noch zwei Paar Stiefel.“

Dass er irgendwann in der Lokalpolitik kräftig mitmischen würde, war wohl vorgezeichnet. Das älteste von drei Geschwistern, er hat noch einen Bruder und eine Schwester, hatte sich, wie er sagt, schon als Kind für die Zusammenhänge in der Gemeinde interessiert. „Dann wächst man da rein, ist beim Spielmannszug dabei, im Burschenverein, bei der Jugendfeuerwehr.“ Dort habe er schnell gemerkt: Wenn man mitmacht, seine Position vertritt, dann kann man etwas bewegen. Aber er habe auch früh erkannt, „dass das nicht immer so einfach ist. Es gibt ja auch andere Interessen.“ In der Gemeinde engagierte er sich auch, als er beruflich noch in der ganzen Welt unterwegs war. Seit 2002 saß er für die Gemeinsame Wählervereinigung im Gemeinderat, ehe er 2014 zum Nachfolger von Michael Bromberger („Der hat mich zur Politik gezogen“) ins Bürgermeisteramt gewählt wurde. Er habe sich irgendwann entscheiden müssen: „Welches Gleis will ich künftig nehmen?“ Heimatverbundenheit („Da bin ich aufgewachsen“), die Tatsache, beruflich einige Jahre „über den Tellerrand und auch weit über Berg und Maierwald hinausgeschaut“ zu haben sowie „positiver Zuspruch aus dem Umfeld“ erleichterten ihm seinerzeit die Entscheidung. Im eigenen Bett zu schlafen, statt wie früher ständig in einem anderen Hotelbett, genieße er noch immer.

Alle Kandidaten in der Region Geretsried-Wolfratshausen im Überblick

Außer zum Schlafen ist der Junggeselle auch in seinem neuen Job kaum zu Hause. Vielleicht entwickelte er so seine spezielle Fähigkeit, rasch zu entspannen. Bei einem Glas Wein, im Konzert, in der Sauna oder auch bei der Feuerwehr, die er wie ein „großes Interesse an geschichtlichen Dingen“ zu seinen Hobbys zählt, könne er „schnell den Schalter umlegen“. Wenn es die Zeit zulasse, gehe er auch gerne mal in die Berge. Nicht hochalpin, „nur den Rucksack packen, ein paar Stunden Laufen, um das Hirn frei zu kriegen“, zum Beispiel auf den Jochberg oder die Sonntraten. „Ich finde meine Ruhezeiten in mir selber“, sagt Sappl.

Am besten funktioniert das an seinem Lieblingsplatz in der Gemeinde. Von einer kleinen Anhöhe in der Nähe seines Elternhauses genießt er regelmäßig den Blick auf Jochberg, Herzogstand, Heimgarten und die ganze Alpenkette. „Hier hast du total Ruhe“, schwärmt der Rathauschef. „Eine halbe Stunde reicht, dann ist der Akku wieder aufgeladen.“

Dass die Partei der Grünen ihm mit ihrer Kandidatin Carola Belloni die Wiederwahl durchkreuzen wollen, sieht er pragmatisch. „Damit hatte ich fast gerechnet. Der Wähler wird das am 15. März entscheiden“, sagt Sappl und ergänzt schmunzelnd.: „Dann soll noch einer sagen, dass es in Eurasburg keine demokratischen Verhältnisse gibt.“

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Fragen über Fragen

Lieblingsplatz in Ihrer Gemeinde? 

Eine Anhöhe in der Nähe meines Elternhauses mit Blick Richtung Jochberg und Herzogstand. 

Blasmusik oder Rock/Pop? 

Beides gleich!  Hätte Klassik zur Wahl gestanden, hätte ich das gewählt. 

Wann waren Sie zuletzt in Tracht? 

Bei der letzten Geburtstagsfeier eines Gemeindebürgers. 

Mögen Sie Haustiere? 

Ja. 

Ordnungsfan oder locker drauf?

Ordnungsfan. 

Bierfreund oder Weinliebhaber? 

Bierfreund. 

Strandurlaub oder Städtetrip? 

Städtetrip. 

Nachtragend oder verzeihend? 

Eindeutig verzeihend! 

Drei Dinge für die Insel? 

Taschenmesser, zwei Trinkflaschen und, sollte dies als ein Ding gelten, noch ein großes Tuch. 

Schweinshaxn oder Gemüseauflauf? 

Schweinshaxn. 

Als Chef streng oder gutmütig? 

Gutmütig, der Situation angepasst. 

Haben Sie ein Vorbild? 

Nein 

Ihr Motto? 

Leben und leben lassen – und es gibt für alles einen Weg.

Alle Infos rund um die Kommunalwahl im Landkreis Bad Tölz Wolfratshausen auf unserer Themenseite.

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