Das Kraft-Bier ist unfiltriert und bio.

Erste BIO-zertifizierte Brauerei der Landeshauptstadt

Das Kraft-Bier-Brauer-Paar aus Eurasburg

Eurasburg/Oberambach – Marta und Thomas Girg aus Eurasburg haben eine kleine Brauerei in München aufgebaut, in der sie ihr Kraft-Bier herstellen. Es handelt sich um die erste BIO-zertifizierte Brauerei der Landeshauptstadt.

In seiner Garage zuhause in Eurasburg hat der 38-jährige Thomas Girg, von Beruf Veranstaltungsmeister (er organisiert unter anderem die technische Umsetzung der Ausstellung „Körperwelten“), schon früher selbst gebraut. Craft Beer, also handwerklich gebrautes, qualitativ hochwertiges Bier jenseits des Mainstreams, ist aktuell sehr begehrt. Marta Girg (39) leitet seit 15 Jahren das Marketing für das Bio-Hotel Schlossgut Oberambach in Münsing am Starnberger See. Es sei eine glückliche Fügung gewesen, sagt das Ehepaar, dass die halb fertige Brauerei in München zum Verkauf stand. Sie befand sich gerade im Aufbau. Aus persönlichen Gründen trennten sich die Eigentümer jedoch von der im Entstehen begriffenen Bauerei, noch bevor der erste Sud in den Kesseln blubberte.

Die neuen Besitzer entschieden sich, in dem von ihnen passenderweise „Münchner Kraftbräu“ getauften Betrieb naturtrübe, unfiltrierte Biere nach alter Brauart und nach dem bayerischen Reinheitsgebot in Bio-Qualität herzustellen. Das bedeutet, dass nur Wasser, Malz, Hopfen und Hefe verwendet werden. „Mit Zimt und ähnlichen Zusätzen zu experimentieren, überlassen wir anderen Tüftlern“, sagen die Girgs. Ihr Bier werde weder maschinell gefiltert noch mit künstlich zugegebener Kohlensäure versetzt, erklärt Thomas Girg. Man verzichte zudem auf Behandlungsmethoden wie Pasteurisierung oder die Beschleunigung der Gärprozesse. Die Zutaten seien frei von Gentechnik, die Rohstoffe ökologischen Ursprungs. Vor Kurzem erhielt das „Kraft-Bier“ offiziell die Bio-Zertifizierung, die nicht so leicht zu bekommen ist. Hopfen und Malz aus biologischem Anbau etwa finde man selten, erklärt Thomas Girg.
 
Die beiden Branchen-Neulinge haben zwar sehr viel Ahnung von der Materie, herstellen wird ihr Produkt jedoch ein erfahrener Bio-Braumeister: Nikolaus Starkmeth hat beim bekannten Neumarkter Lammsbräu gelernt und das Hermannsdorfer Schweinsbräu mit aufgebaut. In traditionellen Kupferkesseln kocht er in seiner neuen Wirkungsstätte die Zutaten auf. Zehn Hektoliter können aus einem Sud gewonnen werden. Pro Jahr peilt die Kraftbräu GmbH eine Menge von 2000 bis 3000 Hektolitern an.

Starkmeth hat vier Probesude gebraut, jetzt ist das Helle so, wie es sein soll. „Wir haben ja nicht nur einen hohen Anspruch an die Qualität, es muss in erster Linie auch schmecken“, sagt die Wein-Sommelière Marta Girg. Mehrere Spezialisten hätten das Ergebnis getestet, alle seien begeistert gewesen. Nachdem der naturtrübe Gerstensaft bereits lange genug in Flaschen gegärt hatte, steht einer baldigen Vermarktung nichts mehr im Weg. Am 3. Juni wollen die Girgs zwischen 15 und 18 Uhr erstmals direkt ab Hof – die Brauerei befindet sich in München in der Großhaderner Straße 16 – ihr Kraft-Getränk im schwungvollen schwarz-roten Design verkaufen.

Außer Hellem wollen sie künftig auch Weißbier und Dunkles produzieren. „Unsere Zielgruppe sind Bio-Hotels in und um München, Restaurants sowie Bio-Märkte“, sagt Marta Girg. An ihrem Arbeitsplatz, dem Schlossgut Oberambach, wird am 12. Juni der erste Kraft-Biergarten mit 100 Litern Freibier für die Gäste eröffnen. Der Preis für den edlen Stoff steht noch nicht fest. „Wir werden ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten und alles daran legen, unsere Kunden zufriedenzustellen“, betont Thomas Girg.

Für ihr mit Liebe und besten Zutaten gemachtes Produkt sehen die beiden Eurasburger einen breiten Markt. Mehr als 43 Prozent aller Münchner würden regelmäßig Bio-Lebensmittel kaufen, im Landkreis München seien es sogar 45 Prozent, sagt Marta Girg. Der Wunsch der Eltern von zwei Buben wäre es, wenn aus der Leidenschaft irgendwann einmal eine Haupterwerbsquelle werden würde.

Der Kraft-Biergarten

im Schlossgut Oberambach öffnet am Sonntag,12. Juni, pünktlich zum ersten DFB-Spiel der Fußball-Europameisterschaft, um 15 Uhr seine Pforten. Auf die ersten Besucher warten 100 Liter Kraft-Freibier.

von Tanja Lühr

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