Verheerender Anschlag in Ägypten: Zahl der Toten auf 155 gestiegen

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Plaudert von der Kanzel aus dem Nähkästchen: Hansi Kraus (re.) alias Lausbub Ludwig Thoma beim Filmabend im ehemaligen Refektorium des Beuerberger Klosters. Der Besucherandrang war so groß, dass rund 50 Interessierte wieder nach Hause geschickt werden mussten.

Im Kloster Beuerberg

Lausbuben-Geschichten: Hansi Kraus genießt Filmabend

Eurasburg – Hansi Kraus genießt beim Filmabend im Kloster Beuerberg die Rückkehr an den Schauplatz berühmter Geschichten.

Das Haupthaar ist längst grau meliert, genauso wie der gepflegte Dreitagebart. Aber aus den Augen des inzwischen 64-Jährigen blitzt noch immer der freche Witz des Lausbuben. Wie damals, als er mit spitzbübischem Grinsen dem hochnäsigen Geheimrat Bischof und seiner Gemahlin durch die Lamellen-Fensterläden eine Schar weißer Mäuse ins Schafzimmer schubste – oder mit seinen Streichen die nörgelnde Tante Frieda verzweifeln ließ. Hansi Kraus alias Lausbub Ludwig Thoma bereitete es sichtlich Freude, am Freitagabend als Gast beim Kinoabend im Kloster Beuerberg die Erinnerungen an jene Wochen und Monate in den Sechzigerjahren zu beleben, als rund ums Kloster die „Lausbubengeschichten“ gedreht wurden.

Das zum Kinosaal umfunktionierte ehemalige Refektorium ist rappelvoll – 50 Interessierte mussten wegen Überfüllung nach Hause geschickt werden –, als der Kinderstar von einst von der Kanzel herunter einige „Geschichten hinter den Lausbubengeschichten“ erzählt. Zum Beispiel, wie er Dank einer guten Portion Frechheit überhaupt erst zu der Rolle gekommen war und wie er mit anderen Kindern beim Spielen in einer Drehpause die Pokalsammlung des Schützenvereins als Zielscheibe benutzt und mächtig durcheinander gewirbelt hatte. „Ich habe gedacht, das ist altes Klump.“ Das Publikum lacht schallend.

Gar nicht lustig fand er hingegen, wie aus Hans Krause (der Name steht in seinem Pass) der Hansi Kraus wurde. „Ich hab’ mich gewundert, als ich bei der Premiere das Filmplakat gesehen habe: Kraus stand da. Der Produzent hatte entschieden: Einer der Krause heißt, kann nicht Ludwig Thoma spielen. Das klingt zu preußisch.“ Aus Protest habe er Autogrammkarten jedoch fein säuberlich mit seinem richtigen Namen gezeichnet. „Da hat mich der Aufnahmeleiter ordentlich zusammengeschissen. Seitdem bin ich der Hansi Kraus.“

Texte seien ihm damals ein Gräuel gewesen, plaudert der 64-Jährige aus dem Nähkästchen. Und zwölf Stunden täglich am Set seien auch kein Vergnügen gewesen. „Irgendwann habe ich gesagt: ,Lasst mich in Ruhe, da geh’ ich lieber in die Schule, da hab’ ich den Nachmittag frei.‘“ Woraufhin der Regisseur bestimmt habe, dem Jungen „die lange Leine“ zu geben. „Dann war’s ganz lustig. Ab da hab’ ich gemacht, was ich wollte.“

Neben der Creme der damaligen Volksschauspieler wie Beppo Brehm, Michel Lang, Georg Thomalla, Elisabeth Flickenschildt und vielen anderen hatten auch Bürger aus der Gemeinde Eurasburg das Vergnügen, in den Lausbubengeschichten als Statisten mitzuspielen. „Das war eine schöne Zeit. Im Dorf hat sich mal was gerührt“, erinnert sich Maria Leicht im Publikum an die Tage, als sie als Kommunionkind bei Szenen in der Schule und am Bahnhof mitwirken durfte. Fünf Mark Gage habe sie damals pro Tag bekommen. „Das war ja Ausnutzung“, ruft der Hauptdarsteller von der Kanzel. Er selbst habe 3000 Mark erhalten – für den ganzen Film, der in 31 Tagen abgedreht war. Auch Franz Zimmer hat noch beste Erinnerungen an den Sommer 1964: „Ich habe mir von der Gage, die ich mit zwei Folgen verdient hatte, ein Kofferradio gekauft. 320 Mark hat das gekostet.“

Das ehemalige Salesianerinnenkloster sah Kraus am Freitag zum ersten Mal von innen. „Wir haben nur im Klosterhof gedreht. Alle Innenaufnahmen entstanden im Studio in München.“ Inmitten der rund 200 Fans von sechs bis 80 Jahren schaute sich der Hauptdarsteller den ersten Teil der Lausbubengeschichten „zum ersten Mal seit bestimmt 20 Jahren“ in voller Länge an. „Ich hab’ mich früher nicht sehen können. Die Leute, die mich gelobt haben, waren für mich Pharisäer, die mich nur trösten wollten“, erzählt er, als die meisten Zuschauer das Klosterkino schon verlassen haben. „Aber wenn ich das heute sehe, muss ich sagen: So schlecht war ich nicht.“

Einmal Lausbub, immer Lausbub. „Damit bin ich groß geworden, die Rolle hat mich berühmt gemacht. Aber das ist Fluch und Segen zugleich“, sagt der Kinderstar, der diesen Status trotz anderer Filme wie „Forsthaus Falkenau“ und „Löwengrube“ nicht ablegen konnte. „Aber man kommt nicht los davon.“ Ab Ende August steht Hans Krause neun Abende in der Geschichte vom Räuber Kneissl beim Garmischer Kultursommer auf der Bühne.

von Rudi Stallein

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