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Überzeug von Bio: Josef Urban war einer der größten Biofleisch-Produzenten Oberbayerns.

Abschied von einem Öko-Pionier

Nachruf: Packlhof-Gründer Josef Urban ist tot

Eurasburg – Eine Frage hat Josef Urban anfangs oft zu hören bekommen: „Kann man das auch essen?“ Die Zeiten haben sich gewaltig geändert. Aus dem belächelten Öko-Pionier von einst wurde einer der größten Biofleisch-Produzenten Oberbayerns. Am 12. Oktober ist Packlhof-Inhaber Josef Urban gestorben.

Immer mehr düngen, immer mehr Medizin im Stall, alles immer billiger verkaufen: Dass dies nicht sein Weg der Landwirtschaft sein kann, war Josef Urban, der die konventionelle Landwirtschaft von Kindesbeinen an auf dem elterlichen Hof in Oberherrnhausen erlebt und gelernt hatte, früh klar geworden. Anfang der 1980er Jahre, als die Bio-Bewegung noch in den Kinderschuhen steckte, diskutierte er nächtelang mit Bauern aus der Gegend, Idealisten, angetrieben von der der Vision einer ökologischen Wirtschaftsweise.

1982 wurde der Naturlandverband gegründet. Damit konnte sich Josef Urban identifizieren. Er beschloss: Wir stellen um. Allen Widrigkeiten, die die ökologische Landwirtschaft damals begleiteten, zum Trotz. Er vermarktete seine Produkte selbst. So fuhr er mit Zehn-Kilo-Fleischpaketen im Kofferraum nach Gräfelfing, wo Robert Dax, Gründer der Biomarkt-Gemeinschaft, sein „Grünes Zentrum“ betrieb. Urban verteilte seine Fleischpakete vom Auto weg. „Da war alles drin, Rind, Kalb, Suppenfleisch, Gulasch, Rouladen“, erinnert sich Ehefrau Regina Urban. „Das war der Anfang.“

Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 stieg die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Produkten rasant. Am Hof in Oberherrnhausen entstand ein erster kleiner Bauernladen. Parallel dazu versuchte sich der Landwirt als Metzger. Die ersten Versuche scheiterten. Ohne Nitritpökelsalz fehlte die Konsistenz, die Lyoner vertrocknete im Darm. Urban musste sich am Schlachthof den Hohn und Spott der traditionellen Metzger anhören. „Das war eine ganz schwierige Phase. Zu der Zeit war einfach jeder, der Bio machte, schon ein bisserl verrückt“, sagt Sohn Hans Urban, der heute den landwirtschaftlichen Betrieb führt.

Hilfe kam von einem jungen Metzger aus der Beuerberger Klostermetzgerei, der mit alten Rezepten aus Ur-Großmutters Zeiten anfing, die Wurst zu verbessern. Die Produktpalette wuchs. Kaminwurzen, Rindersalami und Pfefferbeißer überzeugten Alnatura-Gründer Götz Rehn. Urban belieferte dessen damals drei Läden direkt.

Die Ökokette wuchs, und der Oberherrnhauser Biobetrieb wuchs mit. Heute ist Alnatura mit 110 Filialen der größte Kunde der Packlhof-Metzgerei, die seit 2006 ihren Standort im Eurasburger Industriegebiet hat. Mit dem Umzug wurde die Metzgerei auf einen Schlag von 300 Quadratmetern Produktionsfläche auf 1500 Quadratmeter vergrößert. Ein Quantensprung. Begleitet war der Aufstieg von einem herben Schicksalsschlag. Sohn Tobias, der den Betrieb übernehmen sollte, starb wenige Monate vor der Eröffnung. „Das war noch mal eine ganz schwierige Zeit. Aber es gab kein Zurück. Für den Sepp hat es immer nur nach vorn gehen können“, erzählt Regina Urban. „Er war von Natur aus kämpferisch und immer positiv.“

Und er steckte voller Ideen. Als er Metzgerei und Laden mit inzwischen 45 Mitarbeitern bei Schwiegersohn Florian Holzmayr und Tochter Kathrin in guten Händen wusste, entdeckte Josef Urban die Imkerei. Mit zwei Bienenvölkern fing der Hobbyzüchter an, unterstützt von seinen Enkeln Benedikt, Simon und Jakob, die er gleich mit Imkeranzügen ausgestattet hatte. Inzwischen ist der Bestand auf sechs Völker gewachsen. Diesen Sommer konnten die Enkel, die das süße Erbe ihres Opas fortführen, zum ersten Mal den eigenen Honig kosten. Josef Urban erlag am 12. Oktober in Alter von 59 Jahren einem Sekunden-Herztod.

von Rudi Stallein

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