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So oder ähnlich könnte der Gebäudekomplex mit Nahversorger aussehen. Es handelt sich um einen Vorentwurf der Firma Ten Brinke.

Beide Seiten sammeln Unterschriften

Pro und Kontra Supermarkt

Es scheint, als würde der geplante Supermarkt in Eurasburg die Gemeinde spalten. Es kursieren Unterschriften sowohl dafür, als auch dagegen. Der Bürgermeister sagt: Es besteht keine Eile. 

Eurasburg Er existiert bisher nur auf dem Papier, aber er sorgt für reichlich Diskussionsstoff. Seit bekannt wurde, dass in einem geplanten Bauvorhaben im Zentrum von Eurasburg auch ein 1200 Quadratmeter großer Supermarkt einziehen soll, erhitzt die Frage nach Sinn, Notwendigkeit und Gefahren eines Nahversorgers in dieser Dimension die Gemüter. Derzeit kursieren gleich zwei Unterschriftenlisten, auf denen die Bewohner ihren Willen kundtun können.

Zuerst lag in Beuerberger Läden eine Liste aus, die als „Offener Brief an den Gemeinderat“ gerichtet ist. Darin fordern die Unterzeichner den Gemeinderat auf, „für eine Nachversorgung im Ortsteil Eurasburg zu sorgen. Diese muss aber so entwickelt werden, dass die bestehenden Strukturen nicht gefährdet werden“. Insbesondere dürfe es nicht sein, „dass mit Bau des Rewe-Marktes in Eurasburg der Nachversorger in Beuerberg (Huber) schließt.“ Denn dadurch würde die Lösung in Eurasburg das Problem Nahversorgung nur nach Beuerberg verlagern.

„Eurasburg braucht ein Geschäft, das stellen wir nicht in Abrede. Aber die Gemeinde muss da mit Fingerspitzengefühl vorgehen“, betont Grünen-Sprecher Franz Epp, der die Beuerberger Unterschriftenliste vorangetrieben hat. Das Ziel sei, „ein einvernehmliches Konzept für die ganze Gemeinde“ zu entwickeln. Anders als ein Handwerker, der sich bei wachsender Konkurrenz im Ort seine Kunden auch im Umland suchen könne, sehe er bei einem Lebensmittelgeschäft die Gefahr der Verdrängung.

Epp bemängelt, dass „die Geschäfte, die über Jahrzehnte mit großem Engagement hier Nahversorgung betreiben, nicht gefragt wurden, wie sie die Situation einschätzen“. Seine Besorgnis teilen bis dato 412 Bürger mit ihrer Unterschrift.

„Wir plädieren für eine vernünftige Planung für beide Ortsteile“, ergänzt Grünen-Gemeinderat Hans Urban. „Deshalb ist die Fragestellung ganz bewusst nicht, ob jemand gegen oder für einen Supermarkt ist.“ Das ist ein wesentlicher Unterschied zur Unterschriftensammlung, mit der Vertreter der Eurasburger Liste von Haus zu Haus gegangen sind. Hier lautet die Frage ganz klar: Wer befürwortet einen Nahversorger, sagt Roland Grünwald, der einräumt, dass die Umfrage eine Reaktion auf die in Beuerberg ausgelegte Liste ist. „Die, die gegen das Projekt waren, waren laut. Die hat man gehört. Die anderen waren eher leise“, so der Zweite Bürgermeister.

Manche fürchten, der Investor springt ab

„Wir wollen dem Investor gegenüber ein Zeichen setzen und deutlich machen, dass in Eurasburg ein großes Interesse an einem Nahversorger besteht“, sagt Grünwald. Wobei eine leise Befürchtung durchklingt, der Bauwerber könne womöglich angesichts der aufgekommenen Diskussion von seinem Vorhaben Abstand nehmen. 700 bis 800 Unterschriften („Wir müssen mal Kassensturz machen“) seien bei der aufwendigen Befragung bislang zusammen gekommen. Eventuell schon in der Gemeinderatssitzung im Juli wolle man die Unterschriftenliste dem Bürgermeister überreichen. Er persönlich sei von der Notwendigkeit eines Nahversorgers im Ort überzeugt, so Grünwald. Aber er glaube auch, „dass die Umsatzeinbußen für die bestehenden Läden nicht so eklatant sind.“

Letztlich regle das der Verbraucher selbst, argumentiert Bürgermeister Moritz Sappl. „Wir haben eine freie Marktwirtschaft. Jeder kann selbst entscheiden, wo er einkauft. Wenn die, die heute beim Huber einkaufen, das weiterhin tun, wird er keine Existenzprobleme haben“, vermutet das Gemeindeoberhaupt. „Auch heute fahren die Leute doch für Großeinkäufe nach Wolfratshausen oder Geretsried.“ Zudem sei es ohnehin noch ein weiter Weg und bisher nichts entschieden. Als nächster Schritt stehe der städtebauliche Vertrag mit dem Investor an. „Bevor der nicht vorliegt, brauchen wir nicht weitermachen“, so der Bürgermeister. Rudi Stallein

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