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Vor 2020 wird er nicht gebaut, der langersehnte Radweg entlang der Unterherrnhauser Straße. 

Kein Geld vom Landkreis

Der Radweg rückt in weite Ferne

Dass ein Radweg nach Baierlach wichtig und richtig ist, darüber besteht im Eurasburger Gemeinderat Einigkeit. Trotzdem wird es mit der Realisierung schwierig. Jetzt ist bekannt geworden: Vom Landkreis kommt kein Geld. Es fehlt ein wichtiges Kriterium. 

Eurasburg – Es hat etwas von einer Neverending-Story: Seit rund 17 Jahren diskutieren Lokalpolitiker und betroffene Anwohner in schöner Regelmäßigkeit über die Notwendigkeit eines Geh- und Radwegs von der Staatsstraße 2370 entlang der Unterherrnhauser Straße bis zum Ortsteil Baierlach. Ein Brief aus dem Landratsamt brachte das Thema am Dienstagabend erneut auf die Tagesordnung des Gemeinderats. „Vom Landratsamt gibt’s kein Geld“, fasste Bürgermeister Moritz Sappl den Inhalt des unerfreulichen Schreibens kurz und bündig zusammen.

Um in den Genuss von Fördermitteln des Kreises zu kommen, müsse der Weg einen „überörtlichen Netzverbindungscharakter“ haben. Den vermochte man in Bad Tölz jedoch nicht erkennen. Somit könne eine Investitionskostenförderung nicht in Aussicht gestellt werden. Die Gemeinde müsste die veranschlagten Kosten in Höhe von rund 950 000 Euro (rund 400 000 Euro davon entfallen auf eine neue Brücke über den Loisach-Isar-Kanal) allein stemmen. Im aktuellen Haushalt wurde der Radweg jedoch nicht berücksichtigt. „Der Investitionsplan bis 2010 sieht das nicht vor“, machte Sappl deutlich. „Was tun?“

Nach Ansicht der Grünen sollte die Gemeinde den Bau des Weges zeitnah in Angriff nehmen. Sie stützen ihre Forderung unter anderem auf ein positives Abstimmungsergebnis im Gemeinderat vor etwa eineinhalb Jahren. „Was zählt eigentlich ein Beschluss? Dazu sollte man stehen“, argumentierte Petra Epp. „Wir haben Rücklagen, wenn wir einen Teil davon auf diese Weise wieder an die Bürgerinnen und Bürger zurückgeben, ist das nur fair.“ Dass der Radelweg „richtig und wichtig sei, stehe außer Frage“, sagte Alexander Sebald (Herrnhauser Liste). Deshalb gehörte das Projekt auch zu den sogenannten Meilensteinen, die der neugebildete Gemeinderat vor zweieinhalb Jahren erstellte. „Aber wir haben uns vor einem halben Jahr noch mal getroffen und gesagt: Wir stellen den Radelweg zurück“, erinnerte Sebald an die letzten Haushaltsberatungen. Grund dafür war vor allem die in der Zwischenzeit bekannt gewordene Wassersituation. Die Gemeinde darf wie berichtet künftig kein Trinkwasser mehr aus der Münchner Wasserleitung entnehmen und muss voraussichtlich einen weiteren Brunnen bauen. Die Kosten dafür sind derzeit noch nicht absehbar. Zudem steht vorrangig die Erweiterung des Friedhofs in Berg auf der Agenda. „Wenn ich kein Geld habe, kann ich nicht bauen“, stellte Zweiter Bürgermeister Roland Grünwald (Eurasburger Liste) kurz und trocken fest. „Wir wollen den Weg seit 15 Jahren, aber in der Zwischenzeit sind andere Dinge passiert. Wir müssen es auch stemmen können“, meinte Peter Goepfert (Unabhängige Wähler).

Wenn gebaut wird, dann sicher nicht vor dem Jahr 2020

CSU-Gemeinderat Peter Furtner, dessen Fraktion mit dem Antrag einer neuen Kostenschätzung vor zwei Jahren das Projekt wieder in Fahrt brachte, forderte seine Ratskollegen auf, Farbe zu bekennen. „Wir sollten entscheiden: Nehmen wir das in die Hand oder nicht? Wir verzetteln uns mit den vielen Projekten und müssen mal Fakten schaffen.“ Die Grünen sehen die Wasserproblematik nicht als Hinderungsgrund. „Das wird doch letztlich auf die Bürger umgelegt“, rechnete Epp die Refinanzierung vor. „Aber wir gehen damit auf Jahre in Vorleistung“, mahnte Goepfert. „Wir vergleichen Äpfel mit Birnen“, monierte Grünwald. Die Trinkwasserversorgung sei schließlich eine gemeindliche Aufgabe, Radwege seien es jedoch nicht. Klaus Koch (Die Grünen) regte angesichts des „alten Beschlusses“ an, zu überlegen, wie man mit den einst festgelegten „Meilensteinen“ umgehe. Sein Vorschlag: „Alle Projekte an eine Perlenkette aufreihen, beschließen, welche Maßnahmen umgesetzt werden sollen und diese folgerichtig in eine Investitionslinie einbinden. „Der Wille ist da, das spürt man. Aber vor 2020 wird nicht gebaut“, sagte Moritz Sappl – auch mit Blick auf die Baierlacher Bürger in den Zuschauerreihen.

Als Fazit der Diskussion bleibt festzuhalten: Im Haushalt 2018 soll dem Projekt „Radweg nach Baierlach“ das nächste Kapitel gewidmet werden. Rudi Stallein

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