Das wiederentdeckte barocke Fresko in der Grünwinkelkapelle.
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Unter der derzeitigen Malerei kommt in kleinen „Fenstern“ schon das wiederentdeckte barocke Fresko zum Vorschein.

„Eine relativ brillante Malerei“

Restauratoren der Grünwinkelkapelle entdecken ein vergessenes Kunstwerk

  • vonRudi Stallein
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Die Grünwinkelkapelle in Eurasburg wird derzeit restauriert. Bei den vorbereitenden Arbeiten machten die Experten eine überraschende Entdeckung.

  • In der Gemeinde Eurasburg steht die Grünwinkelkapelle
  • Das Kirchlein wurde 1760 errichtet
  • Bei den Restaurierungsarbeiten wurde eine barocke Malerei freigelegt

Ihr Auftrag lautete, die Grünwinkelkapelle in Eurasburg zu restaurieren. Keine große Sache für Kirchenmalermeister Wolfgang Reitschuster und Stuckaturmeister Winfried Schindele. Doch als die zwei erfahrenen Spezialisten kurz vor Weihnachten die vorbereitenden Arbeiten ausführten, um die „gepflegt bäuerliche Barockausstattung“ der 1760 errichteten Kapelle wieder herstellen zu können, machten sie eine überraschende Entdeckung: Unter dem aktuellen Deckenbild kam eine alte, barocke Malerei zum Vorschein. Sie soll nun wieder freigelegt werden.

Bereits 2014 sollte die Kapelle renoviert werden

Schon lange sollte die Restaurierung der Kapelle in Angriff genommen werden. Ein Auszug aus dem Gemeindeblatt vom Dezember 2013 belegt, dass sich der Gemeinderat schon damals dafür ausgesprochen hatte, „die Fassade der Grünwinkelkapelle 2014 zu renovieren“ und entsprechende Haushaltsmittel bereitzustellen. Zudem sollte ein Hinweisschild über das Stifter-Ehepaar angebracht werden.

Das hat zeitnah funktioniert. Seither kann jeder Besucher nachlesen, dass die Kapelle im Jahr 1760 errichtet wurde. Sie ist eine Stiftung des Ehepaares Ferdinand Freiherr von Schrenck und Maria Anna Freifrau von Schrenck (geborene Reichsgräfin von Hörwarth zu Steinach), der damaligen Eigentümerin von Schloss und Hofmark Eurasburg. Das Ehepaar ist beerdigt in der Klosterkirche von Beuerberg, und zwar vor dem Altar der Vierzehn Nothelfer.

Nun konnte endlich mit den Restaurierungsarbeiten begonnen werden. Zum letzten Mal war das in den 1980er-Jahren der Fall, weiß Stuckateurmeister Winfried Schindele (51), der für die „plastischen Arbeiten, die Kosmetik“, wie er es nennt, zuständig ist – „Putz abtragen und Kalk glätten“. Innen wie außen hat sich seit der letzten Kosmetik der Sockelbereich wieder mit Salz vollgesogen, weshalb zunächst mit Bohrhämmern der Putz vom Mauerwerk geschlagen wurde. Den Winter über können die Wände austrocknen, im Frühjahr werden sie neu verputzt.

Inschriften kommen zum Vorschein

Im Innern der Kapelle wurden dabei interessante „Wandmalereien“ freigelegt. „Viele Leute haben sich in altdeutscher Schrift im Putz verewigt“, erläutert der im Raum Kaufbeuren beheimatete Stuckateurmeister die für Laien wie blasse Kritzeleien anmutenden Sprüche. „Vielleicht waren das Leute, denen geholfen worden ist“, mutmaßt Schindele. „Eine Inschrift von 1765 ist wieder zum Vorschein gekommen, eine ist von 1799. Das hat uns fasziniert“. Wenn die Arbeiten fortgesetzt werden, sollen die alten Inschriften kenntlich gemacht werden.

Bei der Arbeit: Kirchenmalermeister Wolfgang Reitschuster (li.) und Stuckateurmeister Winfried Schindele entfernen den salzhaltigen Putz im Sockelbereich der Kapelle.

Noch mehr Staunen weckte eine Entdeckung, die Wolfgang Reitschuster (61) machte. Er sollte das Deckengemälde „konservieren“. „Das heißt: reinigen, Malschichten festigen und retuschieren, wo es nötig ist.“ Das habe sich aber als etwas schwierig herausgestellt, weil die Malerei sich schwer reinigen lasse, erläutert der Kirchenmalermeister aus Walleshausen im Landkreis Landsberg am Lech. Dann habe er jedoch an einigen Rissen bemerkt: „Darunter befindet sich eine relativ brillante Malerei.“ Die alte, barocke Malerei sei seinerzeit in den nassen Putz gemalt worden und untrennbar damit verbunden, erklärt Reitschuster.

Auf seinen Vorschlag hin wird nun die Übermalung abgetragen und das alte Fresko, welches bereits in ein paar kleinen, freigelegten „Fenstern“ zu erahnen ist, wieder zum Strahlen gebracht.

rst

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