+
Der geplante neue Nahversorger in Eurasburg gefällt nicht allen in der Gemeinde. Die Besitzer der letzten kleinen Läden im Ort fürchten um ihr Fortbestehen. 

Neuer Supermarkt in Eurasburg?

Starke Konkurrenz

In Eurasburg soll ein neuer, großer Supermarkt das Angebot verbessern. Nicht alle in der Gemeinde sind darüber glücklich.

Eurasburg – Ein Supermarkt mit 1200 Quadratmeter Verkaufsfläche mitten in Eurasburg. Freie Auswahl zwischen rund 20 000 Artikeln, einschließlich einer üppigen Fleischtheke und regionalen Produkten. Bei dieser Aussicht kommt bei vielen Bürgern in der Einkaufs-Diaspora Eurasburg Freude auf. Doch die bestehenden kleinen Läden in der Gemeinde sehen dem geplanten Rewe-Markt mit gemischten Gefühlen entgegen. „Die Aussage des Herrn von Rewe bei der Bürgerversammlung war doch: Neben denen hat keiner Platz. Das sehe ich genauso: Wenn der Markt kommt, werden wir die Segel streichen“, bringt Michael Huber von „Nah & Gut Metzgerei Huber“ in Beuerberg seine Befürchtungen unumwunden auf den Punkt.

Gleichwohl sei ihm das Problem bewusst. „Es ist völlig klar: Die Gemeinde Eurasburg braucht irgendwas“, sagt der gebürtige Beuerberger. Aber idealerweise „etwas, das mit Beuerberg verträglich ist“. Er vermutet: „So wie es geplant ist, stopft man zwar eine Lücke in Eurasburg, dafür reißt man in Beuerberg eine neue auf.“

Huber, dessen Hauptgeschäft der Loisachtaler Bauernladen in Penzberg mit 43 Beschäftigten ist, appelliert an die Verantwortlichen, sich nochmal Gedanken zu machen, „ob es wirklich ein Markt in dieser Größe sein muss“. Die Renovierungspläne für seinen Beuerberger Laden, der ihm am Herzen liegt, habe er angesichts der neuen Situation jedenfalls vorerst ad acta gelegt.

Starke Konkurrenz bedeute ein Laden in der geplanten Größenordnung auch für den Raiffeisen-Markt in Beuerberg, vermutet Christian Glasauer. „Ich befürchte schon Auswirkungen auf unser Geschäft“, sagt der Bankvorstand. „Wir sperren nicht gleich zu, aber wir werden unseren Markt auf den Prüfstand stellen müssen. Das wird nicht spurlos vorübergehen.“ Seit einer Neugestaltung im Frühjahr 2008 bietet der bis dahin auf den landwirtschaftlichen Bereich konzentrierte Markt einen großen Getränkebereich mit Schnäpsen, Bieren, Likör und Wein. Viele dieser Produkte stammen von Erzeugern aus der Region, das gilt auch für Honig, Kartoffeln und andere Lebensmittel. Womöglich müsse man sich noch mehr spezialisieren, um Umsatzeinbußen, die ein Vollsortimenter im Nachbardorf unweigerlich mit sich bringe, aufzufangen.  „Es gibt hier eine funktionierende Nahversorgung“, behauptet Florian Holzmayr. In seine Bestandsanalyse bezieht er neben den bekannten Läden den Bäcker, der zweimal in der Woche seinen Verkaufswagen öffnet, ebenso ein, wie den fahrenden Obst- und Gemüsehändler und den Grillhendlwagen. „Diese bestehenden Strukturen werden mit dem Supermarkt kaputt gemacht“, befürchtet der Packlhof-Betriebsleiter. Er sieht in erster Linie in der offenen Fleischtheke des Vollsortimenters eine „starke Konkurrenz“ für den Packlhof-Laden und eine Gefahr für die Arbeitsplätze von 15 Mitarbeiterinnen. Er malt ein düsteres Szenario: „Wenn es sich nicht mehr rentiert, müssen wir den Laden zumachen.“ Das Schlimmste fürchtet er für den Fall, dass „der Rewe in fünf Jahren wieder zumacht, weil er sich nicht rechnet. Dann ist hier gar nichts mehr.“ Beispiele für solche Entwicklungen gebe es in anderen Gemeinden genug. „Solche Fehler wurden oft gemacht“, sagt Holzmayr. Er regt an, sich Gedanken zu machen „über eine kleinere Alternative, die sich langfristig trägt“.

Dieser Meinung kann Josef Grünwald nur beipflichten. Er hält einen Supermarkt in der geplanten Größe für einen Ort wie Eurasburg für viel zu groß, sagt der Bäcker aus Beuerberg. „Ein kleiner Dorfladen, so wie in Gelting, würde völlig ausreichen“, sagt seine Verkäuferin Renate Putzhammer. Seit 35 Jahren arbeite sie als Verkäuferin, unter anderem bei Tengelmann, und hat in dieser Zeit viele Schließungen erlebt. Ein ähnliches Schicksal befürchtet die 51-Jährige nun für ihren aktuellen Arbeitsplatz. „Wenn’s blöd ausgeht, werden wir draufgehen.“

Rudi Stallein

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Ein Nilpferd am Badestrand
Vor rund drei Wochen kamen Vorstandsmitglieder des Ostuferschutzverbands (OSV) überraschend in die Werkstatt des Bildhauers Hans Neumann nach Münsing. Sie hätten gerne …
Ein Nilpferd am Badestrand
Centrum 20: Zwei Klagen zurückgezogen
Acht Anwohner haben Klage gegen die Bebauungspläne im Geretsrieder Zentrum eingereicht. Zwei davon wurden nun zurückgezogen.
Centrum 20: Zwei Klagen zurückgezogen
Schwerer Verkehrsunfall auf St 2064: Mehrere Menschen verletzt
Bei einem Zusammenstoß von Pkw und Motorrad sollen am Mittwochnachmittag mehrere Menschen verletzt worden sein. Der Unfall ereignete sich zwischen Beuerberg und St. …
Schwerer Verkehrsunfall auf St 2064: Mehrere Menschen verletzt
Bootfahrverbot auf der Isar aufgehoben
Boote dürfen die Isar wieder befahren. Das Landratsamt hat das Verbot nun auch im Nordlandkreis aufgehoben.
Bootfahrverbot auf der Isar aufgehoben

Kommentare