Landwirt Klaus Urban hat die toten Rabenkrähen aufgehängt.
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Landwirt Klaus Urban hat die toten Rabenkrähen aufgehängt. Unbekannte haben sie entfernt.

„Ich bin nicht scharf drauf“

Tierschützer zerstören Galgen mit toten Krähen und zertrampeln Saatgut: Nun spricht der Bio-Landwirt

  • vonRudi Stallein
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Ein Landwirt aus Eurasburg hat tote Rabenkrähen an einen Galgen gehängt. Anwohner sind entsetzt. Tierschützer übten nun Selbstjustiz - mit hohem Schaden.

  • Landwirt knüpft tote Rabenkrähen an einen Galgen am Wegesrand auf.
  • Ein Nachbar findet das Vorgehen „brutal“ und geht zur Polizei.
  • Tierschützer verurteilen die Aktion und bezeichnen sie als „geschmacklos“.
  • Unbekannte entfernen tote Rabenkrähen
  • Landwirt klagt über 1000 Euro teuren Schaden
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Update 8. Juni: Unbekannte üben Selbstjustiz: Drei auf einem Feld in Eurasburg aufgehängte Rabenkrähen beschäftigen weiterhin die Polizei. Die ermittelt nun wegen Sachbeschädigung: Unbekannte haben die hölzernen Gestänge zerstört und dabei auch Saatgut zertrampelt.  „Wir gehen von einem Schaden durch Rabenfraß von zirka 1000 Euro aus“, sagt der betroffene Landwirt Klaus Urban. Er könne kein Verständnis aufbringen für „die Reaktion gewisser Mitbürger, die sich in Selbstjustiz verwirklichen“. 

Drei tote Rabenkrähen hat ein Landwirt in Eurasburg aufgehängt und sich damit den Unmut von Tierschützern zugezogen.

Raben-Galgen in Eurasburg: Tote Krähen sollen frische Saat schützen

Um zu verhindern, dass die frische Saat von Krähen gefressen wird, hatte Urban wie berichtet zu der aufsehenerregenden Maßnahme gegriffen, die Vögel durch tote Artgenossen abzuschrecken. „Es ist nicht schön anzuschauen“, räumt er ein, „aber es gibt im Biobereich relativ wenig wirksame Möglichkeiten.“ 

Seit ein paar Jahren baut der Biobauer Mais als Winterfutter für seine Kühe an. Bis vor vier Jahren habe er das Getreide bei einem Lieferanten aus München zugekauft, wegen der Maisknappheit im Biobereich dann jedoch probiert selbst anzubauen. Doch kaum war die Saat aufgegangen, hätten Raben 70 Prozent der Pflanzen rausgezogen und das Korn abgepickt. „Wirtschaftlich war das eine Katastrophe“, berichtet Urban. 

Raben-Galgen in Eurasburg: Bio-Landwirt sieht keine andere Möglichkeit

Deshalb habe er sich nach Möglichkeiten, den Rabenfraß einzudämmen, umgeschaut. Ohne Erfolg. „Es gibt eigentlich nichts gegen Raben“, habe er zu hören bekommen. Anders als im konventionellen Anbau könne die Bio-Landwirtschaft nicht auf chemisch gebeiztes Saatgut – wodurch der Fraß reduziert wird – zurückgreifen. 

Der Versuch, die Körner tiefer in die Erde zu setzen, damit sie nicht so leicht rausgezogen werden können, sei ebenfalls erfolglos geblieben. Von einer anderen „natürlichen“ Methode, der sogenannten Ablenkungsfütterung mit Schlachtabfällen am Feldrand habe er abgesehen. „Das fängt bald an zu stinken.“ 

Versuche mit Vogelscheuchen und im Wind flatternden CDs seien fehlgeschlagen. Auch Bioverbände hätten ihm nur den Tipp geben können: „Häng mal einen toten Raben hin.“ Im vorigen Jahr hatte er das zum ersten Mal ausprobiert. Schon damals gab es eine Anzeige. Die Polizei ermittelte und kam zu dem Ergebnis: „Alles korrekt. Er hat nichts Verbotenes getan“. Die toten Raben waren während der Jagdzeit im Winter geschossen und eingefroren worden. 

Landwirt ist sich bewusst: „Das ist nicht schön und sieht wirklich makaber aus“

„Das ist nicht schön und sieht wirklich makaber aus“, ist sich der Biobauer bewusst, welche Wirkung seine Aktion auf Teile der Öffentlichkeit hat. Deshalb habe er heuer die drei toten Raben, nachdem er zuvor die Polizei informiert hatte, erst am Pfingstmontagabend montiert, „mitten ins Feld, möglichst weit weg vom Weg“. Das Feld liegt nahe eines häufig von Spaziergängern und Radfahrern genutzten Weges. 

14 Tage hätten die Raben hängen sollen. „Dann wären die Pflanzen etwa 15 Zentimeter hoch und könnten nicht mehr so leicht rausgezogen werden“, erklärt Urban. Das ist nun hinfällig. Unbekannte rissen eine Stange aus dem Feld, eine zweite brachen sie ab, von der dritten wurde der Rabe abgetrennt. 

Nächstes Jahr wird Urban auf dem Feld keinen Mais anbauen. Für die Saat auf anderen Flächen hoffe er auf pflanzliche Öle. „Es scheint neuerdings etwas zu geben, mit dem man Maiskörner benetzen kann“, sagt Landwirt. Ob das wirke, sei zwar fraglich. Aber einen Ärger wie dieses Jahr brauche er nicht noch einmal. „Ich bin nicht scharf drauf.“

Erstmeldung: Tierschützer fassungslos: Landwirt hängt tote Krähen an Galgen - Nachbar geht zur Polizei

Ursprünglicher Artikel vom 3. Juni: Eurasburg Der Mann ist empört. „An drei galgenartigen Holzgestängen auf dem Feld sind in mittelalterlich anmutender Weise drei tote Rabenkrähen brutal aufgeknüpft worden“, teilte der Eurasburger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, in einer E-Mail an die Redaktion mit. „Ich finde einen solchen Umgang mit Tieren, noch dazu an einem von vielen in der Natur Erholungsuchenden genutzten Weg völlig inakzeptabel“, macht der Familienvater seinem Unmut Luft.

Die aufgehängten Rabenkrähen sollen Artgenossen von den Feldern fernhalten

Die „Galgen“, an denen die toten Vögel baumeln, stehen unweit eines Feldwegs, der rege von Spaziergängern und Radfahrern frequentiert wird. Mit den toten Krähen sollen augenscheinlich lebende Artgenossen abgeschreckt werden, die frische Saat aus der Erde zu picken. Das bestätigt das Landratsamt auf Anfrage: „Landwirte versuchen mit dieser Methode, die Rabenkrähen abzuwehren, die sich an der Einsaat zu schaffen machen oder in Folie gepackte Siloballen anpicken und beschädigen könnten.“ Nach Auskunft der Polizei Wolfratshausen war die Aktion, die auf manchen Betrachter verstörend wirkt, von dem Eurasburger Landwirt ein paar Tage vorher angekündigt worden.

In der Schweiz wird ebenfalls so vorgegangen.

Tierschützer sind entsetzt von der Aktion des Landwirts

Über Sinn und Zweck haben Landwirte und Vogelschützer jedoch recht konträre Ansichten. „Wir lehnen diese Praktik selbstverständlich ab“, betont Sabine Tappertzhofen vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). „Auch wenn Krähen keine bedrohte Art sind, darf man doch keine Tiere ohne zwingenden Grund töten. Sie tot aufzuhängen, ist geschmacklos“, sagt die Leiterin der Wolfratshauser LBV-Geschäftsstelle.

Landwirt hat die Rabenkrähen rechtmäßig abgeschossen

„Es gibt immer noch Bauern, die zu martialischen Mitteln greifen. Ein schöner Anblick ist das nicht“, meint Dr. Manfred Fleischer. Sollten die Krähen in den letzten Wochen geschossen worden sein, läge zudem eine Reihe von Verstößen vor. „Aus meiner Sicht ist das ein Verstoß gegen das Jagdgesetz und ein Schonzeitverstoß. Das gilt es zu klären“, so der Vorsitzende des Tierschutzvereins Wolfratshausen–Geretsried und Umgebung. Nach Auskunft des Landratsamtes hat der Landwirt die Krähen bereits im Vorjahr geschossen (in der Zeit vom 16. Juli bis 14. März ist dies erlaubt), dann eingefroren und im Frühjahr aufgehängt. „Somit ist dies auch kein Verstoß gegen das Jagdrecht“, teilt Behördensprecherin Sabine Schmid mit.

Krähenabwehr geht auch anders.

Laut Polizei eine „ökologisch korrekte Aktion“

Dennoch steht dem Landwirt womöglich weiterer Ärger ins Haus. „Das ist wohl eine ökologisch korrekte Aktion“, sagt Steffen Frühauf, Vize-Chef der Polizeiinspektion Wolfratshausen. „Aber nachdem von einem Anwohner offiziell Anzeige erstattet worden ist, werden wir prüfen, ob in irgendeiner Weise ein strafbares Handeln vorliegt.“

Anfang des Jahres fand die Polizei eine gefesselte Katze in einer Sporttasche. Die Tierquäler konnten inzwischen geschnappt werden. Tierquäler aus Österreich die eine kleine Katze als Fußball missbraucht haben, konnten bisher noch nicht ermittelt werden. In Ebersberg wurde vor kurzem ein Landwirt von der Tierschutzorganisation PETA angezeigt, weil er eine Kuh schwer misshandelt haben soll. 

Ein schauriges Schauspiel: Nach Öffnung des Krüner Wehrs verschwindet die Isar in Teilbereichen im Kies. Das Todesurteil für unzählige Wasserlebewesen.

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