39 700 Stufen rauf und wieder runter: Der 37-jährige Andreas Allwang (vorne re.) stellte beim „Sächsischen Mount Everest Treppen-Marathon“ in Radebeul einen neuen Streckenrekord auf. Foto: Treppenlaufteam Radebeul

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Extremläufer Allwang gewinnt in Radebeul

Egling/Radebeul - Beim „Sächsischen Mount Everest Treppen-Marathon“ geht's (wie der Name sagt) im Rundlauf 39.700 Stufen rauf und wieder runter. Mit dabei war Andreas Allwang.

An normalen Werktagen verkauft Andreas Allwang Trachten in Egling. Aber was ist schon normal bei dem Extremläufer aus München? 2013 wurde er in der Schweiz „König der Alpen“. Kürzlich gewann der 37-Jährige den „Sächsischen Mount Everest Treppen-Marathon“ in Radebeul. Die 8848 Höhenmeter und 84,39 Kilometer lief er in 13:26:53 Stunden - neuer Streckenrekord!

„Mission erfüllt“ hieß es, als Allwang von den Weinbergen an der Elbe zurückkehrte: Vor zwei Jahren war er mit 13:55:06 Stunden nur Zweiter - diesmal hatte er sich den Sieg vorgenommen. Nur die gewünschte Zeit von unter 13 Stunden erreichte er nicht. „Ich bin das Rennen zu schnell und zu euphorisch angegangen“, sagt Allwang. Schon nach etwa 30 Runden habe er erste Krämpfe gehabt. Die restlichen 70 Runden sei es dann darum gegangen, locker zu bleiben. Eine durchschnittliche Rundenzeit von knapp über acht Minuten reichte allerdings, um mit einer Minute und 40 Sekunden Vorsprung durchs Ziel zu laufen. Zehn Minuten seiner Zeit gehen auf das Konto seiner beiden Begleiter, davon ist Allwang überzeugt: Ob Getränk oder Powerriegel, Wechsel-T-Shirt oder Stirnlampe - alles sei sofort dagewesen.

Einer seiner liebsten Trainingsorte ist die Benediktenwand in der Jachenau. Doch auch in der Ebene ist Allwang oft im Landkreis unterwegs: von Egling über Aufhofen und Holzhausen um den Deininger Weiher und zurück. Rund 20 Kilometer querfeldein. Sein täglicher Weg in die Arbeit bei Trachten Fröstl in Egling ist da fast schon Entspannung. Die 15 Kilometer radelt er von der S-Bahn-Haltestelle in Deisenhofen. „Im Sommer fahr’ ich auch mal mit dem Motorrad, im Winter bin ich auf’s Rad angewiesen“, sagt Allwang. „Und wenn ganz viel Schnee liegt, steh’ ich eben eine Stunde früher auf und laufe.“

Negativ aufgefallen ist der Schneidermeister bei seinem Arbeitgeber aufgrund seines Extremsports nur einmal: Nach den 201 Kilometern beim Swiss Iron Trail, den er 2013 überraschend gewann. Allwangs Füße waren im Ziel zwei große Blasen, und er konnte tagelang nur Lauf- statt Haferlschuhe tragen. „Ansonsten hab ich das Gefühl, dass ich ein paar Kollegen in letzter Zeit zum Laufen animiert habe“, sagt Allwang und lacht. Spaß ist dem Ex-Baseballer (1. Bundesliga für die Disciples München-Haar) beim Laufen besonders wichtig. So kann er es nicht verstehen, dass Konkurrenten vor dem Treppenlauf immer wieder nach Radebeul gefahren sind, um dort zu trainieren. Zwar seien die Treppen dort wirklich höher als anderswo, aber: „Da geh’ ich doch lieber in die Berge und freu’ mich an der schönen Aussicht.“

Seinen nächsten großen Lauf hat Allwang Anfang Juli: Er startet bei den „4Trails“ von Garmisch-Partenkirchen nach Samnaun. 160 Kilometer und 10 000 Höhenmeter in vier Tagen. „Es wäre ein riesiger Erfolg, unter die ersten 20 zu kommen, wenn’s die ersten 50 werden, bin ich auch glücklich“, sagt der Hobbyläufer angesichts der bezahlten Konkurrenz.

In Radebeul bekam Allwang einen Siegerzweig mit Kirschblüten. Die Mutter des Treppenmaskottchens Klara hatte ihrer Tochter extra den Wecker gestellt. Verpasst haben sich der 37-Jährige und Klara trotzdem: „Ich hab’ leider verschlafen“, gab die Kleine zu. Diese Randgeschichte ist ein Grund, warum Allwang den sächsischen Treppenlauf so mag. Allerdings hat sich der Münchner erst wieder für 2016 angekündigt: „Mal sehen, wo bis dahin der Rundenrekord steht.“ Im Moment liegt er für 24 Stunden bei 144 Runden.

von Alexander Bestle

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