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Was die Farbpalette hergibt, verwendet die Tölzer Künstlerin Jeannine Rücker. Dabei sind ihre Bilder alles andere als nur banal bunt.

(Farb)Explosionen im Amtsgericht

Wolfratshausen - Sonnenuntergänge und stürmische Gewitter zeigen Jeannine Rückers Bilder, die in reinen Grundfarben gehalten worden sind. Bis zum 31. Mai ist die Austellung im Wolfratshauser Amtsgericht noch zu sehen.

Mit reinen Grundfarben zu experimentieren und sie dann so zu platzieren, dass eine enorme Spannung und Dynamik im Bildaufbau entsteht, das ist Jeannine Rückers Intention. Wer sich dieser Tage im Obergeschoss des Wolfratshauser Amtsgerichts die neue Ausstellung anschaut, wird die Farbexplosionen, die dort auf riesigen Leinwänden zu sehen sind, mit Sicherheit genießen.

Reine Grundfarben-Darstellungen können leicht in die Banalität abgleiten. Nicht so bei der Tölzer Malerin. Ihr gelingen durch gezieltes Platzieren von Komplementärfarben – also Gelb zu Blau oder Rot zu Grün – extreme Kontraste und harmonische Farbstimmungen. Bilder, die den Blick magisch auf sich ziehen. Rücker malt stets großflächig, teils abstrakt, teils an die Natur angelehnte Motive, ohne sie eins zu eins zu kopieren. Dabei verwendet sie ganz impulsiv, was die Farbpalette hergibt, ohne dabei banal bunt zu werden.

Die Tölzerin, die seit 2013 Mitglied des Kunstvereins ist, versteht es intuitiv mit der Komposition von Farben umzugehen. Zwar bezeichnet sie sich als Autodidaktin, besitzt jedoch durch die Wahl des Hauptfaches Kunst in ihrem Studium zur Grundschullehrerin reichlich künstlerisches Grundwissen. Rücker wurde 1972 in Waldsieversdorf, einem kleinen Ort in der Nähe von Berlin, geboren. Sie studierte in Berlin und Frankfurt, lebte eine Weile in Hessen und zog 2004 nach Fürstenfeldbruck. Seit 2009 lebt die naturbegeisterte Freizeitsportlerin mit ihrer Familie in Bad Tölz. „Hier ist es einfach besonders schön“, sagt sie. Rücker malt in Acryl, setzt Akzente in Aquarell und Kreide und trägt Farbe meist in Kombination mit Modelliermasse auf, weil sie dadurch „reliefartige Strukturen herausarbeiten will“.

Die Ideen für ihre Bilder nimmt Rücker aus der Natur. Sie fotografiert ein blühendes Sonnenblumenfeld, eine dramatische Wolkenformation oder einen stimmungsvollen Sonnenuntergang. Aber sie kopiert ihre Fotografien nicht, sondern lässt die Bilder der Natur in sich wirken und gibt das Motiv rein emotional auf der Leinwand wieder. So kann aus einer Idee eines Sonnenblumenfelds durchaus ein Bild mit riesigen Tulpenkelchen entstehen. Oder Rücker macht aus einem blutroten Sonnenuntergang zwei abstrakte großformatige Versionen eines stürmischen Gewitterhimmels, vor dem sich ein Vogel mit weitgeöffneten Schwingen abhebt.

Zweimal beteiligte sich Rücker bisher an der Gemeinschaftsausstellung des Tölzer Kunstvereins im Kunstturm. Die Ausstellung im Wolfratshauser Amtsgericht ist ihre erste eigene Präsentation in der Öffentlichkeit.

von Andrea Weber

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