Rund 200 Hochzeitsgäste amüsierten sich am gestrigen Sonntag bei der Bettelhochzeit in Deining. Foto: Hans Lippert

Bis Aschermittwoch ein Herz und eine Seele

Deining - Bis dass der Suff oder der Aschermittwoch sie wieder scheidet: Sonntagmittag schlossen Michaela Lattenhengst und Laurenzius Schwarzwuidjaga den Bund fürs Faschingsleben und rund 200 narrische Gäste feierten mit.

Doch ganz in Weiß, das war die Braut nicht alleine bei der Deininger Bettelhochzeit: Heftiger Schneefall setzte justament ein, als die Hochzeitsgesellschaft zur Tat schreiten wollte.

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Von solchen Widrigkeiten aber ließen sich die Deininger ihre deftige Faschings-Gaudi nicht verhageln: Wacker trotzte die „Damenwelt“ in Strapsen und Netzstrumpfhosen Frau Holle, nur die behaarten Beine und die üppigen Damenbärte wärmten etwas. Besser hatten es da die angeblichen Mannerleit: Sie hatten es in Trachtenjoppen samt wattebauschigem Bierbauch ungleich wohliger. Für alle anderen half nur, vorzuglühen, was immerhin den Spaßpegel in den roten Bereich drehte.

In einer handgeklöppelten Rostlaube fuhren Laurenzius Schwarzwuidjaga, Knecht vom Burggrabens Hornstoa (Laura Demmel), und seine ihn um drei Köpfe überragende Braut Michaela Lattenhengst, dritte Aushilfbreznsoizerin vom örtlichen Feinkostlodn (Michael Daude), vor. Faschingspfarrer Sebastian Repert, der Segen mit der Klobürste spendete und hinter dessen Rücken die Ministranten Leistungstrinken übten, folgte lautstark der Wagen der „Fensterlweiberl vom Bräutigam“ und der örtliche Chor „Die Luderlichen“.

Der Misthaufen des Feichtmoar-Anwesens dampfte frisch und roch extra streng, als ihn die Hochzeiter über eine handgeschnitzte Treppe bestiegen. Der rabiate Pfarrer Repert, der zwischendurch gerne zu Messwein der Marke Bacardi-Cola griff, dankte aber auch dem örtlichen Bierheiligen „Josefi von Reutberg“, während der Kirchenchor im höchsten Diskant „Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unser Maibaum nicht“ sang.

Doch die nachfolgende Predigt des Dekans „Hurax Dax Schnacklsmax“ kam nicht gegen den eisigen Wind an, der über den Misthaufen pfiff: Auch wenn er dem Paar wünschte, seine Kinder „im Sinne des Burschenvereins zu erziehen: trinkfest, fleißig und für jeden Sch... zu haben“, nutze so mancher Zuhörer die zähe Litanei, sich als „Wildbiesler“ zu demaskieren - kein leichtes Unterfangen bei Minustemperaturen und im leichten Rock.

(cjk)

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