Fernwärmenetz: „Eine Riesenchance für die ganze Stadt“

Geretsried - Innerhalb der nächsten zehn Jahre soll in Geretsried eine Fernwärmeversorgung aufgebaut werden. Darüber sprach unsere Zeitung mit Jan Dühring. Der 34-Jährige ist Vorstand der Stadtwerke Geretsried und Geschäftsführer der Energie Geretsried GmbH.

- Herr Dühring, in Geretsried soll innerhalb der nächsten zehn Jahre ein Fernwärmenetz entstehen. Welchen Rat geben Sie Bürgern, die jetzt neu bauen beziehungsweise ihre Heizung erneuern müssen?

Pauschale Aussagen sind zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht möglich. Deshalb rate ich jedem, vor einer Entscheidung mit den Stadtwerken oder der Energie Geretsried GmbH Kontakt aufzunehmen. Dann können wir die Situation am konkreten Einzelfall besprechen. Bis ein zusammenhängendes Fernwärmenetz entsteht, planen wir so genannte Insellösungen. Wer innerhalb einer solchen liegt, für den kann sich relativ zeitnah die Möglichkeit eines Anschlusses ergeben. Andere brauchen vielleicht noch für ein paar Jahre eine Übergangslösung. Auch hier beraten wir gerne, was die wirtschaftlichste Lösung ist.

- Die erste Insellösung soll es für das Viertel um den Neuen Platz geben.

Das ist richtig. Unser Fernwärmenetz soll sich später vor allem aus Geothermie speisen. Weil das Kraftwerk in Gelting liegt, wird der Anschluss von Norden nach Süden erfolgen. Das heißt, je weiter im Norden desto früher erfolgt der Anschluss. Deshalb bieten sich südliche Bereiche für Insellösungen an, die später in den Verbund integriert werden. Hier können wir die Grundlagen schaffen und die ersten Kunden für die Fernwärme gewinnen. Der Neue Platz bietet sich auch deshalb als Startpunkt an, weil er im Rahmen des Programms Soziale Stadt umgebaut werden soll.

- Was werden die nächsten Schritte sein?

Wir wollen dort bereits im nächsten Monat Kontakt mit den Grundstücks- beziehungsweise Gebäudebesitzern aufnehmen. Das heißt, wir werden Termine mit ihnen vereinbaren, um ihnen die Möglichkeiten und Vorteile einer Fernwärmeversorgung aufzuzeigen und den Bedarf abzuklären. Wenn alles gut läuft, könnten wir schon im nächsten Jahr in die Planung oder gar in die Umsetzung gehen.

- Noch hat die Firma Enex auf dem Hofgut Breitenbach nicht gebohrt. Was ist, wenn das Geothermie-Projekt platzt?

Für diesen mittlerweile sehr unwahrscheinlichen Fall bieten wir mit unseren Insellösungen immer noch eine zukunftsweisende Wärmeversorgung an. Natürlich setzen wir vor allem auf die Geothermie, und Enex betreibt das Projekt sehr solide. Aber auch Biomasse und Erdgas, wenn es durch Kraft-Wärme-Kopplung effizient ausgenutzt wird, kommen als Energieträger in Frage.

- Die Kosten teilen sich Geretsried und Bad Tölz. Warum ist eigentlich Wolfratshausen nicht im Boot?

Wir beschäftigen uns seit fünf Jahren mit dem Thema Fernwärme. Als die Pläne im vergangenen Jahr konkreter wurden, haben wir einen regionalen Partner gesucht, der bereits Erfahrung im Energiebereich hat. Weil die Stadtwerke Wolfratshausen im Prinzip so aufgestellt sind, wie wir es waren - also bislang nur im Bereich Wasser und Abwasser tätig sind -, haben wir uns für eine Zusammenarbeit mit Bad Tölz entschieden. Keinesfalls darf das als Abgrenzung gegenüber der Nachbarstadt verstanden werden.

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