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Einsätze gehen an Feuerwehrleuten nicht spurlos vorbei. Auch sie brauchen Unterstützung nach traumatisierenden Erlebnissen.

PEER

Hilfe für Helfer! Wer hilft Feuerwehrleuten bei der Verarbeitung belastender Einsätze?

Bei Einsätzen wird von den Kräften der Feuerwehr viel gefordert – und das oft bis an die Grenzen der psychischen Belastung.

Um Warnsignale so früh wie möglich zu erkennen und darauf zu reagieren, stehen den Freiwilligen seit rund zehn Jahren die Fachkräfte der PEER ("Gleichgestellte") zur Seite.

Unverzichtbar: das Kriseninterventionsteam

Ende November 2009 ereignete sich in einem Waldstück zwischen Achmühle und Eurasburg ein furchtbarer Unfall. Ein Porsche Cayenne kam gegen vier Uhr früh von der Straße ab und prallte mit voller Wucht gegen einen Baum. Alle drei Insassen im Alter zwischen 23 Jahren und 40 Jahren starben noch an der Unfallstelle.

"Das sind Bilder, die einen nicht mehr schlafen lassen. Bilder, die unter die Haut gehen", sagte damals Einsatzleiter Paul Wenus. Er bestand darauf, dass sich die Kameraden nach dem fünfstündigen Einsatz im Gerätehaus trafen um zu reden, um das Erlebte so ein bisschen verarbeiten zu können – und um im Notfall das Kriseninterventionsteam (KIT) hinzuzuziehen.

Dieser ehrenamtliche Fachdienst wurde 1998 im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gegründet. Seine Aufgabe ist es, Angehörigen im Bereich der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) zur Seite zu stehen. Doch wer kümmert sich um die Mitglieder der Feuerwehr? Ganz besonders um die noch unerfahrenen Kräfte, die nun mit so einer Situation zurechtkommen müssen?

PEER hilft den Helfer: Auch Feuerwehrleute brauchen Unterstützung

Der grausame Unfall von Eurasburg gab den Anstoß, die PEER zu gründen. "Es handelt sich hier um erfahrene, speziell geschulte Kräfte aus den Reihen der Feuerwehr", sagt Dr. Christoph Preuss, Leiter der Gruppe. "Jemand, der auf andere zugehen kann, aber auch Erfahrung mit Einsätzen hat, einer, der weiß, wie es vor Ort ist."

Die derzeit dreizehn Mitglieder kommen aus dem gesamten Landkreis. "Unser Ziel ist es, in jedem KBM-Bereich einen unserer Mitarbeiter zu stationieren", sagt Preuss. Der Grund liegt auf der Hand: Kurze Wege, um schnell Unterstützung leisten zu können.

Die Ausbildung erfolgt an der Feuerwehrschule und in Kursen, die beispielsweise von den Diözesen angeboten werden. Die PEER werden unter anderem auch darauf geschult, Warnsignale zu erkennen, die auf eine Traumatisierung hindeuten.

"Jeder Betroffene reagiert anders, zieht sich zurück oder reagiert völlig überdreht." Dabei muss nicht einmal ein schwerer Unfall der Auslöser sein. "Es reicht schon der sprichwörtliche kleine Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt", gibt Preuss zu Bedenken.

Als Beispiel nennt der Notarzt einen Vater, der mit seinem Kind ein schreckliches, noch nicht verarbeitetes Erlebnis hatte. "Hört er bei einem Unfall ein anderes Kind schreien, kommt alles wieder hoch. Er durchlebt die Situation noch einmal." Daher ist es auch wichtig, dass Einsatz- oder Gruppenführer, sobald sie eine ungewöhnliche Verhaltensweise bei ihren Kameraden entdecken, die PEER informieren.

PEER ist jederzeit für Feuerwehrleute da

Idealerweise werden die Fachkräfte noch während des laufenden Einsatzes informiert, um sich sofort ein Bild machen zu können, das zu sehen, was auch die Feuerwehrleute im Einsatz vor Augen haben. Allerdings: Gezwungen werden kann keiner, mit den PEER zu reden.

"Aber wir sind jederzeit da." Preuss' Vorgänger als Leiter der Gruppe, Martin Lambl, zitierte in diesem Kontext einmal einen Feuerwehrkameraden: "Der Einsatz ist nicht zu Ende, wenn das Fahrzeug wieder in der Halle steht, sondern, wenn auch der Helfer versorgt ist."

SH

Kontakt

Kreisfeuerwehrverband Bad Tölz - Wolfratshausen e.V.
Untermurbach 28
83661 Lenggries
Tel.: 08042 2537
Web: www.kfv-toelz-wor.de

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