"Scheiben haben gewackelt"

Feuerwerk - Wunderschön oder Tierquälerei?

Egling – Feuerwerke polarisieren. Die einen empfinden sie als wunderschön, die anderen als Lärmbelästigung und Tierquälerei. Zu letzterer Gruppe zählt Peter Solloch vom Deininger Schnuckenhof.

Der Jurist hat die Staatsanwaltschaft eingeschaltet: Er geht gegen ein privates Feuerwerk „in ungewöhnlicher Lautstärke“ vor, das ein ausgebildeter Pyrotechniker zu seiner Hochzeit abgebrannt hat. Das war am 30. August bei einer ehemaligen Raketenstellung in Schönberg bei Deining.

Sollochs Vorwurf: Der Veranstalter habe damit zahlreiche Tiere gequält. Insgesamt gehe es ihm aber nicht um den privaten Konflikt, betont der Anwalt. Er frage sich viel mehr, bis zu welcher Grenze „sich eine rücksichtslose Spaßgesellschaft“ über den Naturschutz und „die Belange der Nachbarschaft“ hinwegsetzen darf.

Der Anwalt berichtet, dass in Folge des Feuerwerks die örtlichen Viehherden in Panik geraten sind. Seine Schafherde vom Schnuckenhof und eine Rinderherde aus Hornstein seien aus ihren Koppeln ausgebrochen, „um vor diesem Lärm- und Feuerwerksregen zu entkommen“. Untersuchungen des Landesbund für Vogelschutz hätten ergeben, dass Feuerwerke „zum Tod von zahllosen Lebewesen führen“. Insbesondere in der warmen Jahreszeit, wenn sich die meisten Kleintiere und Zugvögel noch nicht in ihren Winterquartieren befinden würden.

„Ein derartig großes Feuerwerk habe ich noch nie erlebt“, sagt Solloch. „Auch nicht zu Silvester.“ In seinem Wohnhaus, rund 1500 Meter von der Abschussstelle entfernt, hätten durch die Kanonenschläge die Scheiben gewackelt.

Die Regierung von Oberbayern teilt auf Nachfrage mit, dass das Feuerwerk beim Gewerbeaufsichtsamt ordentlich angezeigt wurde. Das Amt habe keine „Verstöße gegen sicherheitstechnische Regelungen des Sprengstoffrechts“ erkannt. Dadurch habe das Feuerwerk nicht untersagt werden können. „Insbesondere fand im Vorfeld eine Abstimmung mit der Naturschutzbehörde statt“, so ein Regierungsmitarbeiter. Dennoch habe seine Behörde inzwischen den Kontakt zum Feuerwerksveranstalter aus Egling gesucht. Dieser habe „zugesichert, dass er noch mehr auf die Umgebungsbedingungen achten wird“. Bislang seien die Nachbarn durch Wurfzettel und Aushänge über seine Feuerwerke informiert worden. In Zukunft werde der Informationsradius um den Abbrennplatz stark erweitert, so der Beamte.

Die zuständige Staatsanwaltschaft München II hat die Vorwürfe untersucht. Der Strafanzeige von Rechtsanwalt Solloch werde „keine Folge gegeben“, teilt Staatsanwalt Matthias Enzler mit. Der Grund: Es gebe keinen Anfangsverdacht. Es sei nicht zu erkennen, dass das viertelstündige Feuerwerk den Tieren langanhaltende Leiden zugefügt hat. „Der Sachverhalt wird allerdings dem zuständigen Veterinäramt übersandt“, so der Staatsanwalt. Dort geht man laut einem Schreiben vom 11. November nicht davon aus, dass Tieren „langanhaltende oder sich wiederholende Schmerzen zugefügt worden wären“.

Rechtsanwalt Solloch gibt sich mit der Absage der Justiz nicht zufrieden. Die Qual der Tiere sei offensichtlich. Zudem sind laut dem Deininger Rechtsanwalt auch kleinere Kinder aus Schönberg durch die hohe Lautstärke des Feuerwerks verstört worden. „Wer sich all diesen Dingen gegenüber gleichgültig verhält, legt ein Zeugnis ab für eine verrohte Gesellschaft und für Rücksichtslosigkeit“, sagt Solloch.  Sebastian Dorn

Rubriklistenbild: © Red (Symbolbild)

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