Film gegen Mobbing an Schulen

Icking - Seelische und körperliche Gewalt unter Schülern nimmt zu. Der Film „Mobber’s End“ greift das Thema auf. Er wird an Schulen im Nordlandkreis gezeigt.

Dr. Birgit Rätschs Tochter wurde schon mit sieben Jahren in der Grundschule zum Mobbing-Opfer. Weil die Filmemacherin etwas gegen die zunehmende seelische und körperliche Gewalt unter Schülern unternehmen wollte, drehte sie einen Film darüber. Herausgekommen ist „Mobber´s End", ein 105-minütiger „didaktischer Anti-Mobbing-Krimi“, der Kinder und Jugendliche zu mehr Zivilcourage ermutigen soll. Seit Ende 2014 wird er an Schulen und Bildungseinrichtungen in ganz Deutschland vertrieben.

Im Nordlandkreis konnte Rätsch den Lions Club Wolfratshausen-Geretsried als Unterstützer gewinnen: Er erklärte sich bereit, für vier Schulen im Nordlandkreis die Kosten für die Doppel-DVD und die zugehörigen Unterrichtsmaterialien zu übernehmen. Sechs Schulen waren am Donnerstagabend bei der Vorstellung des Films im Ickinger Gasthof Klostermaier vertreten - die Mittelschulen Geretsried, Königsdorf, Dietramszell und Waldram, die Realschule Geretsried und das Gymnasium Kloster Schäftlarn. „Von den Gymnasien in Geretsried und Icking kam leider keine Reaktion auf unsere Einladung“, bedauerte Organisator Dirk Brüderl vom Lions Club.

Filmproduzentin Rätsch, die selber in Icking aufgewachsen und zur Schule gegangen ist, betonte: „In jeder Schule mit mehr als 300 Schülern passiert Mobbing.“ Jede Woche würden eine halbe Million Schüler und Schülerinnen gemobbt, jeder fünfte Selbstmordversuch in Deutschland sei eine Folge von Mobbing. Die Zielgruppe des Films sind Neun- bis 16-Jährige sowie Pädagogen und Eltern. „Am aufmerksamsten und diszipliniertesten waren bei unserer Deutschlandtour immer die sechsten bis achten Klassen“, berichtete Rätsch. Die Story soll die Schüler „mit Spannung und Emotionen ins Boot holen“ und Empathie für die Protagonisten wecken. Ziel sei es, dass „Kinder und Jugendliche alarmiert sind, wenn sie auf ähnliche Situationen treffen, und richtig reagieren“.

Der Film spielt in zwei parallelen Handlungssträngen an einer weiterführenden und einer Grundschule. Gedreht wurde in Münchner Schulen mit gecasteten Schülern und Lehrern, aber auch mit Profischauspielern. Das gesamte Filmteam arbeitete „aus sozialem Engagement ohne Gage“, betonte Rätsch. Für die Produktionskosten kamen Sponsoren auf, unter anderem die Dominik-Brunner-Stiftung. Birgit Rätsch, die hauptberuflich als Fernsehjournalistin beim Bayerischen Rundfunk arbeitet, schrieb auch das Drehbuch. „Die Dialoge habe ich teilweise selbst so erlebt“, erklärte sie in Icking. Auch viele Erzählungen von betroffenen Kindern, deren Eltern und Lehrern gingen ein. Aus eigener Erfahrung weiß die Filmautorin, dass es „völlig sinnfrei ist, mit Eltern mobbender Kinder zu diskutieren - die streiten alles ab oder gehen zum Gegenangriff über“. Auch dass Lehrer sagen: „Wir halten uns da raus“, oder nur raten, das Kind von der Schule zu nehmen, passiere leider tatsächlich. Trotzdem rät Rätsch allen Betroffenen, zunächst zu ihrem Lehrer zu gehen: „Normalerweise helfen die.“ Schulpsychologen und Beratungslehrer seien im Ernstfall ebenfalls gute Ansprechpartner.

Clara Wildenrath

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