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Die Bahn verbindet: Die Kreisräte sowie die Stadträte aus Wolfratshausen und Geretsried trafen sich am Dienstagabend in der Loisachhalle. Zentrales Thema war die Gleistieferlegung an der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen.

„Ein historischer Augenblick“

Finanzierungsvorschlag für S-Bahn-Trog/Tunnel

Wolfratshausen – Die Katze ist aus dem Sack: Landrat Josef Niedermaier hat einen konkreten Vorschlag zur Mitfinanzierung der Gleistieferlegung im Bereich der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen gemacht. Demnach soll der Landkreis rund 11,9 Millionen Euro zahlen, die Städte Wolfratshausen und Geretsried jeweils etwa 2,6 Millionen Euro. Den Zahlen zugrunde liegt die Kostenschätzung aus dem Jahr 2009.

Ein solches politisches Gipfeltreffen gab’s im Landkreis laut Josef Niedermaier noch nie. Es sei „ein historischer Augenblick“, stellte der Landrat am Dienstagabend zu Beginn der gemeinsamen Sitzung des Kreistags sowie der Stadträte aus Wolfratshausen und Geretsried in der Loisachhalle fest. Angesichts von knapp 100 Zuhörern ergänzte Wolfratshausens Rathauschef Klaus Heilinglechner mit einem Augenzwinkern: „Es ist selten, dass wir bei unseren Stadtratssitzungen so einen Andrang haben.“

Einziger Tagesordnungspunkt war am Dienstag die „Verlängerung S 7 nach Geretsried mit Tieferlegung der S-Bahn im Bereich Wolfratshausen“. Wie berichtet wird seit März laut über den Bau eines Trogs/Tunnels im Bereich der Sauerlacher Straße nachgedacht. Der kostet laut Bahn unterm Strich rund 44 Millionen Euro (Preisstand 2009). 27 Millionen Euro legen Bund, Bayern und Bahn auf den Tisch – die restlichen 17 Millionen Euro müssen der Kreis sowie die Städte Wolfratshausen und Geretsried schultern.

Daran erinnerte Frank Kutzner, Vertreter der Obersten Baubehörde im bayerischen Innenministerium, die rund 100 Mandatsträger in der Loisachhalle. Warum übernehmen Bund und Land nicht die kompletten Trog-/Tunnelkosten? Weil der Bauherr unter Berücksichtigung des Eisenbahnkreuzungsgesetzes eine Lösung bezahle, „die den Bahnübergang an der Sauerlacher Straße auflöst – aber die kostengünstigste ist“, antwortete Kutzner. Und dies sei nicht die Trog/Tunnel-Variante, sondern die Absenkung der Sauerlacher Straße. Diese Maßnahme schlägt laut Bahn mit etwa 27 Millionen Euro zu Buche.

Doch die „von allen Seiten gewünschte Lösung“ sei die Tieferlegung der Gleise, fasste der Vertreter der Obersten Baubehörde die Debatten der vergangenen Jahre zusammen. „17 Millionen müssen aus der Region kommen, es muss ein klares Signal aus der Region kommen“, betonte Kutzner.

Ein Infrastrukturprojekt in dieser Größenordnung eröffne großartige Zukunftschancen für den gesamten Landkreis, urteilte Niedermaier. 123 Millionen Euro (Preisstand 2009) sind laut Bahn für die 9,2 Kilometer lange neue Strecke veranschlagt. Der Landrat sprach von einer „Mega-Investition“ in die Region, die dem in den kommenden Jahren weiter zunehmenden Verkehrsdruck entgegenwirken werde. Eine Reduzierung des Individualverkehrs bedeute ein Plus an Umweltschutz und Lebensqualität. Zudem rechnet Niedermaier mit einem kräftigen Impuls für den Wirtschaftsraum Bad Tölz-Wolfratshausen. Der Landrat appellierte an die Kreis- und Stadträte, nach 40 Jahren Diskussion einen Schlussstrich zu ziehen: „Wir müssen jetzt die Weichen stellen“, das heißt, „das Angebot des Freistaats annehmen“, „die Chance jetzt ergreifen“.

Niedermaiers Vorschlag, die Trog/Tunnel-Mehrkosten im Verhältnis 70:30 zwischen dem Kreis und den beiden Kommunen zu splitten, quittierte das Gros der Bürger auf den Zuhörerplätzen mit Beifall. Zur Diskussion stellte der Landrat den Kostenschlüssel am Dienstagabend nicht, sondern bat die Kommunalpolitiker, ihn in den entsprechenden Gremien zu erörtern. Die Entscheidungen fallen am 22. Juli im Kreistag sowie am 28. Juli zeitgleich im Stadtrat in Wolfratshausen sowie in Geretsried. Sollten sich die Mandatsträger für die Gleistieferlegung entscheiden und ihre Mitfinanzierungsbereitschaft manifestieren, wird der Trog/Tunnel-Bau als Tektur in den Gesamtplan der S 7-Verlängerung eingearbeitet. Das bedeutet laut Kutzner eine Verzögerung des Projektes um zwei bis zweieinhalb Jahre. Für den Freistaat und die Bahn kein Beinbruch, denn: Sollte die Gleisverlängerung vom Bauherrn mit Schrankenvariante durchgeboxt werden, rechnet (nicht nur) Kutzner mit langwierigen Rechtsstreitigkeiten.

Konrad Daxenberger, Geschäftsführer der Ingenieurgesellschaft Lahmeyer in München, machte aus seinem Herzen jedoch keine Mördergrube. Wenn sich die Beteiligten nicht auf den Bau eines Trogs/Tunnels an der Sauerlacher Straße verständigen sollten, „werden wir die Straßenabsenkung durchsetzen“.

Niedermaier hält den 70:30-Kompromiss, der mit den Vorsitzenden der Kreistags- und Stadtratsfraktionen vorbesprochen ist, für mehrheitsfähig. „Das ist zu stemmen“, kommentierte ein Geretsrieder Stadtrat das Gehörte im Anschluss an die Loisachhallen-Sitzung. Ähnlich äußerte sich ein Wolfratshauser Rat. Er allerdings ist der Meinung, dass die Flößerstadt für ihren Kostenanteil eine Maximalgrenze festschreiben sollte. Der Grund: Die Kosten werden sich bis zum Baubeginn der S 7-Verlängerung nach Angaben von Daxenberger und Niedermaier pro Jahr um zwei bis fünf Prozent erhöhen. Carl-Christian Eick

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