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Im Team in die Luft (v. li.): Christian Ponradl, Simone Wagner (künftige Luftbeobachterin) und Michael Alt.

An Bord mit den Luftbeobachtern

Die fliegenden Feuermelder

Bad Tölz-Wolfratshausen - Um Waldbrände möglichst früh zu erkennen und im Keim zu ersticken, heben sie regelmäßig ab: die Beobachter vom Katastrophenschutz. Die Heimatzeitung ist bei einem Beobachtungsflug mit an Bord gewesen.

Behalten den Überblick: Pilot Christian Ponradl (34) und Michael Alt (43) vom Landratsamt halten aus rund 600 Metern Höhe Ausschau nach Rauch. Die Beobachtungsflüge werden von der Regierung von Oberbayern angeordnet.

Michael Alt sitzt entspannt im kleinen Tower am Königsdorfer Segelflugplatz und bereitet die Flugunterlagen vor. Blaues Polohemd, Jeans, rundes, bärtiges Gesicht. Er wirkt gelassen, macht zum Einstieg einen Scherz. „Ihr wisst schon: Bei jedem dritten Flug stürzt die Maschine ab. Wir machen gleich Flug drei“, sagt der 43-jährige Mitarbeiter des Tölzer Landratsamts und lacht herzhaft. Seit acht Jahren sitzt er regelmäßig in einem Flugzeug und trägt Sorge dafür, dass mögliche Brände frühzeitig erkannt und im Notfall schnellstmöglich gelöscht werden können.

Pilot Christian Ponradl schaut zur Tür herein: „Ich tanke eben noch, dann starten wir. Und wer noch schnell muss, sollte das jetzt machen. Wir sind eine ganze Weile in der Luft.“ Ponradl trägt Karohemd, Jeans, Baseballkappe und Sonnenbrille. Der 34-jährige Lenggrieser liebt die Fliegerei, ist quasi auf Start- und Landebahn aufgewachsen und hat fast 1000 Stunden im Cockpit verbracht. Ehrenamtlich nimmt er die Luftbeobachter mit, wann immer die Regierung von Oberbayern wegen erhöhter Waldbrandgefahr einen Flug anordnet.

Ponradl verriegelt die Fenster, weist die Mitflieger noch auf die Spucktüten in den Sitztaschen hin. „Bei der Hitze kann da schon mal was passieren.“ Dann wirft er die Robin DR 400, Baujahr 1987 an. Sofort dreht der Rotor, kurz zieht der Geruch von verbranntem Benzin durchs Flugzeug. Über die Graspiste hoppelt die Maschine zur Startbahn. Ponradl notiert die Abflugzeit, beschleunigt, und nur Sekunden später hebt der Viersitzer unter Getöse mit einem sanften Ruckeln ab.

Michael Alts Blicke schweifen sofort in alle Richtungen, jetzt ist aufmerksames Beobachten gefragt. Eine Routenkarte auf dem Schoss zeigt den Verlauf der heutigen Tour. Die Instrumente signalisieren: 600 Meter über Grund und Tempo 200. Über Penzberg und den Starnberger See fliegt Hobby-Pilot Ponradl in Richtung der Stadt Geretsried. Unten das glitzernde Wasser, die winzigen Segelboote und die gepflegten, wohlgeordneten Felder – fast wie ein Schachbrett. Dazwischen flauschig wirkende Waldabschnitte. Es ist brütend heiß in der Maschine, der Schweiß tropft. Nur kleine Luftdüsen kühlen den Innenraum. Alt lockert den Sicherheitsgurt und dreht sich nach hinten. „Ganz besonders müssen wir immer an der Isar schauen – wegen der Lagerfeuer. Erst letztes Jahr hat es bei Geretsried gebrannt.“

„Sollten wir etwas entdecken, fliegen wir sofort tiefer“, erklärt Ponradl, der den Steuerknüppel ganz sachte nach rechts drückt, während die Maschine über den Ebersberger Forst schwebt. „Auch die Forste sind besondere Gefahrenschwerpunkte“, sagt Alt. Und plötzlich – der Tegernsee taucht gerade vor der Flugzeugspitze auf – stocken Alt und Ponradl. Rauchschwaden ziehen vom Boden gen Himmel. Doch ein geschulter Blick, und Alt gibt rasch Entwarnung. „Das ist ein Laster, der über einen Kiesweg fährt. Der Staub täuscht oft.“

Bis auf einige thermische Turbulenzen verläuft der Flug ruhig. Und vor allem erfolgreich. „Die Lage sieht sehr gut aus“, freut sich Alt, während die Robin an Bad Tölz und dem Blomberg vorbeischnurrt und wieder Kurs auf den Heimatflugplatz nimmt. Ponradl drosselt die 235 PS- Maschine, die sich etwa 50 Liter Sprit pro Flugstunde genehmigt und geht in den Sinkflug. Konzentriert lässt er den Flieger kurz darauf sanft aufsetzen und ausrollen.

In rund eineinhalb Stunden haben die Beobachter heute eine Strecke von über 200 Kilometern überprüft, „und glücklicherweise nichts entdeckt“, sagt Alt, der ebenfalls ehrenamtlich abhebt. Unbewachte Feuer findet das Team sonst regelmäßig und alarmiert dann sofort die Rettungsleitstellen. Heute aber war ein guter Tag. „Allein, dass die Leute wissen, dass geflogen wird, ist immens wichtig.“

Von Andreas Huber

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