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Feucht-fröhliches Vergnügen: Mit einer gewaltigen Bugwelle schießen die Flöße durch Europas längste Floßgasse beim Kraftwerk Mühltal an der Isar. Auf einer Länge von 360 Metern wird ein Höhenunterschied von 17 Metern bewältigt. Die tonnenschweren Flöße erreichen am Ende der Gasse bis zu Tempo 40.

Start in die Saison

Floßfahrt statt Billigflieger

Bad Tölz-Wolfratshausen - Am 1. Mai wird nicht nur vielerorts der Maibaum aufgestellt und zu traditioneller Musik um denselben getanzt. Am kommenden Donnerstag starten auch die Flößer in die neue Saison.

Fast 700 Flöße und mehrere tausend begeisterte Ausflügler haben im vergangenen Jahr an dem feucht-fröhlichen Freizeitvergnügen auf Loisach und Isar teilgenommen. Anders als noch vor einigen Jahren ziehen heute viele Menschen das traditionell bayerische Floßfahren einem Trip „mit dem Billigflieger nach Mallorca“ vor, glaubt Michael Angermeier. Der 63-jährige Flößer aus Arzbach bietet in der vierten Generation Floßfahrten nach München-Thalkirchen an. Am 1. Mai startet er in die neue Saison.

Buchungen würde es reichlich geben, berichtet Angermeier. Schon jetzt seien so gut wie alle Termine an den Wochenenden vergriffen. „Unter der Woche ist noch was frei“, sagt er. Auch mit den äußeren Bedingungen zum Saisonstart am Donnerstag ist Angermeier zufrieden. „Auch wenn die Isar durch die kaum vorhandene Schneeschmelze einen niedrigen Wasserstand hat“, erklärt er. Im Frühsommer 2013 habe der Fluss durch die starken Regenfälle dagegen zu viel Wasser geführt. „Aber im Moment ist es genug“, beruhigt Angermeier. Sechs Flöße kommen bei ihm dieses Jahr zum Einsatz, die von 24 Flößern gelenkt werden. Der Jüngste ist 16, der Älteste 66 Jahre alt.

Bei Floßmeister Josef Seitner geht die Saison heuer ein paar Tage später los. Am Samstag, 4. Mai, legen seine ersten drei Flöße in Weidach ab. Am Tag davor werden Seitner und sein Team sie zusammenbauen. Bis alle Holzstämme nach Dicke sortiert und mit blauen, roten und gelben Farbtupfern markiert sind, können schon mehrere Stunden vergehen. Zwei weitere Floße starten eine Woche später, am Freitag.

Auch Seitner stimmt der Blick in seinen Buchungskalender zuversichtlich. „Zu 70 Prozent sind wir schon voll für diese Saison“, sagt der Wolfratshauser. Er stellt einen Unterschied zu früher fest, wenn es um die Buchung geht: „Früher haben Gruppen und Vereine ihre Floßfahrten langfristiger gebucht, teilweise ein halbes Jahr im voraus.“ Heutzutage, berichtet Seitner, sei es nur noch ein Monat. Ähnlich voll ist das Terminbuch seines Cousins Franz Seitner, der ebenfalls Tagesausflüge zur Floßlände in Thalkirchen anbietet. Der 70-Jährige erklärt die Saison dieses Jahr erst am 10. Mai für eröffnet. „Am 4. Mai ist Patronatstag der Gebirgsschützen“, erklärt Seitner. Er wolle seine Flößer, neun an der Zahl, die auch in Kompanien engagiert sind, nicht in einen Gewissenskonflikt bringen. Ans Aufhören denkt Seitner trotz seines hohen Alters übrigens nicht. „Solang Gott will“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung, wolle er seinen Betrieb selbst führen.

Dazu, dass die Floßfahrten auch in diesem Jahr unter sicheren Bedingungen stattfinden können, hat Eon seinen Teil beigetragen. 90 000 Euro investierte der Energieversorger in Wartungs- und Sicherheitsmaßnahmen für diese Saison. Eon obliegt nicht nur der Unterhalt des Kanals und seiner Dämme sondern auch der Unterhalt der drei Floßrutschen an den Kraftwerken Mühltal, Höllriegelskreuth und Pullach. Dazu gesellen sich die zwei Floßgassen an den Wehranlagen in Icking und Baierbrunn. Unter diesen Voraussetzungen sind sich die Flößer einig: „Auf eine unfallfreie Saison!“

von Alessandro Capasso

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