Pfarrer Franz Burgey distanziert sich von Prinz Issa Bin Zayed. Foto: xb

„Folter geht uns alle an“

Dietramszell - Mit Applaus ist am Sonntag die Predigt von Pfarrer Franz Burgey quittiert worden. Er hatte die Machenschaften des Scheichs kritisiert.

Die Kirchgänger beklatschten die Stellungnahme des Ortsgeistlichen von Lochen und Linden, der sich ausdrücklich von den Machenschaften von Prinz Issa Bin Zayed al-Nahyan distanziert hatte.

Pfarrer Burgey, emeritierter Professor und Hobby-Historiker, ist bekannt für seine tiefschürfenden Predigten. Gestern nutzte er die Gunst die Stunde, um manchen Stammtischparolen eine klare Absage zu erteilen. Immer wieder wird in Dietramszell argumentiert, der Scheich sei nun Mal aus einem anderen Kulturkreis. Das Sprichwort „andere Länder, andere Sitten“ ist nach Burgeys Worten aber „völlig unzutreffend“. Unter Berufung auf islamische Gelehrte sagte der Ortsgeistliche: „Mord, Blutvergießen und das Stiften von Unheil, Unordnung und Zerstörung gelten als schwere Verbrechen. Niemand hat das Recht, Leben und Eigentum anderer Menschen zu schädigen oder wegzunehmen.“

Selbst wenn Mordversuch und Folter in anderen Ländern erlaubt wären, sagte Burgey, „erwarten wir von einem Mitbürger, der hier in Deutschland unter dem Schutz der deutschen Gesetze lebt, dass er sich auch anderswo entsprechend benimmt, sonst ist er als Nachbar nicht tragbar“. Landesweit sei mit Empörung aufgenommen worden, dass Dietramszeller die Folterungen mit dem Verweis auf die Landessitten in Abu Dhabi gleichmütig hingenommen hätten. „Es geht mir nicht darum, Leute wegen unglücklicher Äußerungen zu schimpfen“, predigte Burgey. Wenn man plötzlich vor der Kamera oder einem Mikrofon stehe „kann leicht etwas Falsches herauskommen“. Er müsse aber richtig stellen: „Es geht uns sehr wohl etwas an, wenn der Scheich in Abu Dhabi foltert.“ Demokratie bestehe wesentlich im Hinsehen, nicht im Wegsehen.

Mesner Johann Mayer begrüßte die Erklärungen von Pfarrer Burgey. „Es ist schwierig für den einfachen Bürger die Sachverhalten zu erfassen und zu verstehen.“ Aus diesem Grund sei die „aufklärende, sachliche Predigt“ des Pfarrers sehr hilfreich gewesen. Die Rede habe „den Horizont erweitert“ – schließlich solle und könne man sich nicht auf das Gerede anderer verlassen. (xb/ee)

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