Interkommunales Hallenbad

Fragen und Antworten: Knackpunkt Betriebskosten

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Kreistag kommt am heutigen Donnerstag um 14 Uhr im Landratsamt zu einer der spannendsten Sitzungen des Jahres zusammen.

Es geht rein formal um die Frage, ob der Kreis bereit ist, im geplanten interkommunalen Hallenbad in Geretsried für die nächsten zehn Jahre verbindlich 650 Schwimmstunden zu buchen, um den Schülern an den weiterführenden Schulen Unterricht zu ermöglichen. Das ist alles andere als ein Randaspekt. Geretsried hat die Bereitschaft des Kreises für dieses dauerhafte finanzielle Engagement zum K.o.-Kriterium erklärt, um das Projekt interkommunales Hallenbad zu realisieren. Die Stadt will auf diese Weise verhindern, dass ihr Haushalt durch die Betriebskosten dauerhaft über Gebühr belastet wird. Unsere Zeitung hat aus diesem Anlass die wichtigsten Fragen zu diesem Thema zusammengefasst.

Wer ist der Bauherr?

Bauherr des interkommunalen Hallenbads ist die Stadt Geretsried. Dort hatte man sich angesichts der Reparaturanfälligkeit des alten Bades (siehe Meldung oben rechts) in der Zeit von Bürgermeisterin Cornelia Irmer entschlossen, neu zu bauen. Die Stadt unterbreitete den umliegenden Kommunen das Angebot zur Zusammenarbeit, wobei Investitions- und Betriebskosten je nach Belegungszeiten anteilig umzulegen sind. Das interkommunale Hallenbad wäre das erste seiner Art in Bayern – und das erste große interkommunale Projekt im Landkreis. Die Planungskosten übernimmt die Stadt Geretsried.

Wo wird das Bad entstehen?

Realisiert werden soll das Bad an der Adalbert-Stifter-Straße, direkt am Schulzentrum. Es liegt also zentral im Nordlandkreis, zwischen Wolfratshausen im Norden, Königsdorf im Süden, Dietramszell im Osten und Eurasburg im Westen. Das Areal stellt die Stadt Geretsried zur Verfügung. Das ist eine der „Vorleistungen“, von denen Bürgermeister Michael Müller redet.

Für wen wird das Bad gebaut?

Zielgruppe des neuen Bades sollen vor allem die Schüler sein, die dort schwimmen lernen. Schwimmunterricht ist verbindlicher Bestandteil des Lehrplans. Es dient aber auch Rettungsorganisationen wie dem Roten Kreuz, der DLRG dazu, für ihre Einsätze zu üben. Nutznießer sind darüber hinaus die normalen Bürger. Dass sie sich dort fit halten können, ist der von den Befürwortern gern zitierte „Mehrwert für die Bevölkerung“. Im Ganzen soll das Bad aus Kostengründen eher funktional, will sagen eher schlicht gehalten sein. Es soll seinen Zweck erfüllen – mehr nicht. Die Investitionskosten liegen bei 11,8 Millionen Euro (ohne die Sauna, die die Stadt Geretsried allein finanziert). Die Regierung fördert den Schulsportbereich mit 52 Prozent.

Wie ist das Bad ausgestattet?

Das interkommunale Hallenbad besteht aus einem Sportbecken (313 Quadratmeter), einem Lehrschwimmbecken (125 Quadratmeter) sowie einem Sprungbecken (132 Quadratmeter) und einem Kinderbecken. Dadurch, dass in das Sportbecken ein Hubboden integriert wird, kann dieses zweigeteilt werden, und zwar in einen vorderen, seichten Teil und einen hinteren, tiefen Teil. Auch ein Sprungturm ist vorgesehen.

Wer beteiligt sich?

Alle Gemeinden des Nordlandkreises, nämlich Wolfratshausen (dort war allerdings 2013 erst ein Bürgerbegehren nötig), Eurasburg, Icking, Münsing, Egling und Königsdorf (siehe Seite vier). In Dietramszell will man abwarten, wie sich der Kreis entscheidet. Die Gemeinden wollen sicherstellen, dass ihre Schüler weiterhin die Möglichkeit haben, schwimmen zu lernen.

Was wird aus dem Ascholdinger Hallenbad?

Das ist unklar. Fest steht: Die Gemeinde Dietramszell kann und will sich den kostspieligen Betrieb nicht mehr lange leisten. Für Bürgermeisterin Leni Gröbmaier wäre eine Beteiligung am interkommunalen Hallenbad in Geretsried der Weg aus einem Dilemma: Der Schwimmunterricht für die Kinder bliebe gewährleistet, das Defizit für das Bad wäre man los. Das bedeutet nicht, dass das Ascholdinger Bad zumachen muss. Es könnte weitergeführt werden – aber unter anderer Trägerschaft.

Wer hat Bedenken?

Bedenken sind mehrfach geäußert worden. Da waren einmal Geretsrieder Stadträte, namentlich aus der CSU, die fürchten, dass sich Geretsried mit dem Unterhalt in ein finanzielles Abenteuer stürzt. Der Verein zum Erhalt des Ascholdinger Hallenbads sieht im interkommunalen Hallenbad einen Rückschritt. Vorsitzender Hannes Helfer findet: Zwei Bäder seien immer noch besser als eines. Kolportiert wird außerdem, dass Bürgermeister aus dem Südlandkreis, die im Kreistag sitzen, mit der Zustimmung zögern. Schließlich betreiben auch sie defizitäre Hallenbäder – allerdings ohne dass sich der Kreis beteiligt. Der Unterschied: Sie dienen nicht dem Schulsport, sondern vor allem dem Tourismus.

Wie ist die Zusammenarbeit organisiert?

Denkbar sind eine Zweckvereinbarung und ein Zweckverband. Ersteres ist juristisch unkomplizierter, Landrat Josef Niedermaier tendiert zu dieser Variante. Die Stadt Geretsried würde die Trägerschaft in Form eines Kommunalunternehmens übernehmen.  Volker Ufertinger

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

Auch interessant

Kommentare