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Vor dem Amtsgericht musste sich eine 43-Jährige Wolfratshauserin verantworten. Sie hatte am Bibisee zwei Kinder geohrfeigt. 

Verhandlung vor dem Amtsgericht

Frau ohrfeigt zwei Kinder: 900 Euro Strafe

Ohrfeigen statt Badespaß: Eine 43-Jährige soll am Bibisee zwei Kindern ins Gesicht geschlagen haben. Davor hatte sie die beiden angeblich wüst beschimpft. Dafür musste sich die Wolfratshauserin vor Gericht verantworten.

Königsdorf/Wolfratshausen– Zusammen mit ihrem damals dreijährigen Sohn verbrachte die Mutter einen heißen Tag im Sommer 2017 am Bibisee. Obwohl die Rutsche erst für Kinder ab sechs Jahren zugelassen ist, ließ sie ihren Sohn darauf spielen. „Er hatte richtig Spaß“, berichtete der Onkel des Kleinen als Zeuge. Dann stand der Dreijährige in der Rutsche auf. Ein zweites Kind kam von oben herunter, rutschte in ihn hinein, und der Kleine stürzte mit der Stirn voraus auf die Betonrutsche. Vom lauten Weinen ihres Sohnes alarmiert stürmte die Mutter herbei.

„Im Vorbeilaufen hat sie mir ins Gesicht geschlagen“, berichtete ein damals neunjähriger Bub gegenüber der Polizei. Die Mutter sei weiter in Richtung Rutsche gelaufen, wo ihr Sohn gestürzt war. Dort stellte sie den elfjährigen Jungen, der nach dem Kleinen gerutscht war, zur Rede. „Arschloch“ soll sie zu ihm gesagt haben, und: „Bist du blöd?“ Eine Zeugin beobachtete den Vorfall: „Sie war völlig außer sich und hat die Jungs geschimpft.“ Dann habe die Wolfratshauserin ausgeholt und dem zweiten Kind eine schallende Ohrfeige verpasst. „Ich konnte das Klatschen auf einige Meter Abstand hören.“

Der Schwager der Angeklagten schilderte den Vorfall anders. „Die älteren Jungs haben die ganze Zeit Blödsinn gemacht“, berichtete er. Mehrfach seien sie deshalb von anderen Badegästen ermahnt worden. Eine Gruppe gleichaltriger Mädchen sei wegen der Jungs gleich ganz abgezogen. Auch er und seine Schwägerin hatten die Buben aufgefordert, besser aufzupassen, weil auch kleinere Kinder im Rutschbereich spielten.

Als sich dann sein Neffe vor dem Heimweg noch einmal an der Rutsche angestellt habe, standen vor und hinter ihm Buben aus besagter Gruppe. „Die Jungen, die vor ihm gerutscht sind, sind kurz vor dem Sprung in den See aufgestanden“, schilderte es der Onkel. Das habe dem Dreijährigen imponiert, er habe es nachgemacht. Als der Kleine auf der Betonrutsche gestanden sei, „kam hinter ihm ein anderer Junge, der ihm mit Absicht in den Bauch getreten hat, weil er sich Platz verschaffen wollte“, schilderte es der Onkel. Das war die einzige Gewalttat, die er beobachtet haben will. Schläge der Schwägerin gegen die Kinder? „Nein, sie hat die Kinder nur am Kinn genommen, damit sie zuhören.“

Erst nach mehr als zwei Stunden meldete sich die Angeklagte selbst zu Wort. Sie räumte unter Tränen ein, die Buben leicht geschlagen zu haben. „Ich war extrem sauer auf die Kinder, weil ich Angst um meinen Sohn hatte“, erklärte sie. Die Beleidigungen stritt sie entschieden ab: „Solche Wörter sage ich nicht.“ Ihr Sohn habe mit Bauch- und Kopfverletzungen zwei Tage im Krankenhaus verbracht. Noch heute ist sie davon überzeugt, dass der Elfjährige das Kleinkind mit Absicht getreten hatte.

Richter Dr. Urs Wäckerlin verurteilte die Wolfratshauserin zu 60 Tagessätzen zu je 15 Euro. „Ich kann nicht beurteilen, ob Ihr Sohn mit Absicht getreten wurde“, sagte er. Fest stehe aber, dass die Angeklagte „in äußerster emotionalen Erregtheit in einer besorgniserregenden Situation“ die Kinder geohrfeigt habe.

dst

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