„Frechheit siegt“ - zwei-, dreimal

Geretsried/Penzberg - Mal gegen die Stars des FC Bayern München kicken zu dürfen - in diesen Genuss kommt kaum ein normalsterblicher Amateurfußballer. Dominik Irmer kam. Der Stand-by-Ruheständler des TuS Geretsried stand wie die (Ex-)Kollegen Christian Fuchs, Benjamin Fister, Martin Wagner und Karl Murböck am Sonntag in Penzberg auf dem Platz, als eine verstärkte Elf des TSV Pähl den deutschen Rekordmeister herausforderte. 1:22 verloren die Amateure vor 6000 Zuschauern.

-Herr Irmer, unser Foto zeigt Sie im Zweikampf mit Bayerns neuem Japaner Takashi Usami. Lösen Sie das Rätsel: Wer hatte danach den Ball?

Usami, weil ich zurückgezogen habe - brav, wie ich bin.

-Hand aufs Herz: Gehen Sie in solch ein Match mit wackeligen Knien? Oder kratzt das einen 32-jährigen Routinier nicht mehr?

Wackelige Knie nicht, vielleicht hat’s ein bisschen gekribbelt. Aber vor einem normalen Pflichtspiel bin ich nervöser. Gegen die Bayern war das ja ein Schaulaufen, das genießt man eher.

-Traut man sich da auch mal ein Dribbling zu, oder versucht man, den Ball möglichst schnell und solide weiterzuspielen?

Frechheit siegt. Der Fuchsi und ich haben schon zwei-, dreimal ein Dribbling probiert, und es hat auch geklappt. Oft geht das natürlich nicht. Tempomäßig können wir mit den Profis einfach nicht mithalten.

-Wer hat Ihnen auf Bayern-Seite denn am besten gefallen?

Also der Ribéry ist mit Ball schon extrem schnell unterwegs. Auch den Usami find’ ich gut, der Junge kann was. Es würde mir gefallen, wenn sie dem mehr Einsätze gäben. Menschlich kam der Rafinha gut rüber ...

-Wie? Der galt doch in seiner Schalker Zeit als charakterlich eher schwierig.

Kann ich nicht bestätigen. Das ist ein lockerer Kerl. Mit dem haben wir auch während des Spiels geplaudert - auf Englisch.

-Über was denn? Etwa Philipp Lahms Skandal-Buch?

(lacht). Nein, auch wenn ich schon gerne wüsste, warum der Lahm mit seinen 27 Jahren schon eine Biographie schreiben musste. Ich bin ja der Meinung, das nicht alles in die Öffentlichkeit muss, was so im Training oder in der Kabine gesprochen wird. Andererseits wird um das Buch jetzt im Sommerloch wohl mehr Wirbel gemacht, als es tatsächlich Brisantes enthält. Mal sehen, vielleicht lese ich es doch noch.

-Der FC Bayern polarisiert sehr stark: Man liebt ihn, oder man kann ihn nicht leiden. Dazwischen gibt’s fast nichts. Wie sieht das bei Ihnen aus?

In bin dann wohl einer der wenigen dazwischen. Mein Herz schlägt jetzt nicht zu 100 Prozent für die Bayern. Eher für Eintracht Frankfurt, das ist mir vom Vater mitgegeben worden. Aber wenn die Bayern international spielen, halte ich schon zu ihnen.

-Selbst Fußballfans, die den FC Bayern nicht sonderlich mögen, erkennen dessen soziale Kompetenz an, hinter der vor allem der Präsident steckt. Ob nun in Not geratene ehemalige FCB-Kicker, krebskranke Kinder oder eben finanziell klamme Dorfvereine - Uli Hoeneß hat für jeden ein offenes Ohr. Ein Vorbild?

Absolut. So korrekt wie der FC Bayern im Gegensatz zu anderen Top-Vereinen wirtschaftet und wie er sich sozial engagiert, nimmt er in meinen Augen sogar weltweit eine Vorreiterrolle ein.

Das Interview führte Peter Borchers

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