Freie Stellen, "die wohl keiner will"

- Wirte suchen noch Lehrlinge

VON PHILIP STALLMEISTER Bad Tölz-Wolfratshausen - Ausbildungsplätze sind in der Regel Mangelware. Aber nicht immer: Im Hotel- und Gaststättengewerbe sind oft noch Stellen frei. "Wir haben bis jetzt noch keine Bewerbung", bestätigt Bärbel Richter vom Alten Wirt in Gelting. Sie mutmaßt: "Ins Hotel will wohl keiner, wenn er nicht vom Arbeitsamt geschickt wird." Es sei die Wochenendarbeit, die viele abschrecke. In der Tat: Ein Zuckerschlecken ist die Ausbildung nicht.

Ein Problem sind die unregelmäßigen Arbeitszeiten. "Viele wollen halt lieber einen Job, bei dem freitags um 12 Uhr der Bleistift fällt", urteilt Marlene Gärtner, die die Lehrlinge im Wolfratshauser Humplbräu ausbildet. Sie sieht eine deutliche Zurückhaltung bei den Bewerbern. Die gleiche Erfahrung macht nach eigenen Angaben die Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes, Monika Poschenrieder. Daher befürchte sie, dass das Hotel- und Gaststättengewerbe immer weniger mit anderen Branchen konkurrieren könne.

In Oberambach ist die Welt noch in Ordnung

Auf dem Schlossgut Oberambach ist diese Sorge unbegründet. "Ich bin sehr zufrieden", sagt Personalbuchhalter Werner Tiebes. "Wir haben keine Probleme und sehr gute Auszubildende." Zwei der fünf Lehrlinge absolvieren nach Tiebes Angaben ein Studium zum Hotelfachwirt an der Berufsakademie in Ravensburg.

Für kleine Häuser scheitert der Versuch, sich einen guten Lehrling zu ergattern, oft schon an der Unterbringung. "Viele Bewerber kommen aus anderen Bundesländern, und die können wir nicht annehmen, weil wir keine Personalzimmer haben", sagt etwa Gabriele Kusterer vom Geltinger Neu Wirt. Ihre Suche gestaltet sich umso schwieriger, weil die Auszubildenden wegen der späten Öffnungszeiten der Küche auch noch volljährig sein müssen.

Praktikum erleichtert jungen Leuten den Einstieg

Deshalb, so Kusterer, habe sich auf ihre Annonce bei der Agentur für Arbeit bislang noch niemand gemeldet.

In der Regel ist die staatliche Jobvermittlung aber erfolgreich. "2003 haben wir die meisten Stellen besetzt", sagt Theresa Aicher von der zuständigen Agentur für Arbeit in Rosenheim. Aber auch sie kennt die Probleme im Hotel- und Gaststättengewerbe. Junge Leute von außerhalb hätten oft Heimweh. Außerdem gefalle vielen die Wochenend- und Abendarbeit nicht. Deshalb rät Aicher: "Wir empfehlen allen, die mit einer Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe liebäugeln, vorher dort ein Praktikum zu machen, um sich an die Bedingungen zu gewöhnen."

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