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Reger Zuspruch: Zahlreiche Schwangere, aber auch Stadt- und Kreisräte besuchten am Sonntag die Geburtshilfeabteilung in der Wolfratshauser Kreisklinik. 

Geburtshilfeabteilung der Kreisklinik

Tag der offenen Tür: „Wir wollen ein Zeichen setzen“

Mit einem Tag der Offenen Tür machte die Geburtshilfeabteilung in der Wolfratshauser Kreisklinik am Sonntag auf ihre gute Arbeit – aber vor allem auf ihre akuten Sorgen aufmerksam. Am 17. März beraten die Kreisräte in einer Sondersitzung über das Thema. 

Wolfratshausen – Wie berichtet befürchten Belegarzt Dr. Manfred Stumpfe und das Hebammenteam, dass der Landkreis die Mittel für Wolfratshausen kürzen könnte, falls er hohe Summen in die Geburtshilfe an der privaten Tölzer Asklepios-Klinik stecken sollte. 

Mit Anwesenheit ein Zeichen setzen

Nicht nur Mütter, die in der Loisachstadt entbunden haben, und Schwangere, die das planen, sondern auch zahlreiche Stadt- und Kreisräte sowie interessierte Bürger kamen zu der Info-Veranstaltung am Sonntag. „Wir wollen mit unserer Anwesenheit ein Zeichen setzen“, sagen zum Beispiel Maria und Hubert Bolzmacher aus Holzhausen bei Münsing. Die jungen Eltern hatten ihren einjährigen Sohn Michael mitgebracht. Die Mutter nannte die Betreuung und die familiäre Atmosphäre auf der Geburts- und Wöchnerinnenstation „einzigartig“. Die Abteilung, in der im vergangenen Jahr 261 Mädchen und Buben zur Welt kamen, müsse auf jeden Fall erhalten bleiben, forderte sie.

Krankenschwester Wagner: „Die Geburtshilfe gehört einfach zu Wolfratshausen“

Den werdenden Eltern, den Politikern und Freunden der Kreisklinik zeigte Beleghebamme Nicole Lipowsky die Räume im Erdgeschoss: das in warmen Rottönen eingerichtete Entbindungszimmer, das wirklich nicht mehr als Kreißsaal bezeichnet werden kann, die Wöchnerinnenzimmer, die es auch für Familien gibt, den gemütlichen Still- und den Wickelraum. Lipowsky sprach mit reichlich Pathos über „das Wunder der Geburt“. Dennoch vermittelte die Hebamme den Besuchern das Gefühl, dass die Gebärenden in Wolfratshausen keine „Nummern“ sind wie in den großen Kliniken, sondern individuell und liebevoll begleitet werden. Azemina Wagner konnte das in doppelter Hinsicht bestätigen. Seit 2011 arbeitet sie als Schwester auf der Station. Die von ihr betreuten Patientinnen, die am Sonntag kamen, kannte sie alle mit Namen. Vor zehn Monaten hat die junge Frau zudem selbst einen Sohn in der Klinik zur Welt gebracht. „Die Geburtshilfe gehört einfach zu Wolfratshausen“, betonte Wagner, die ihre Tätigkeit schon bald wieder in Teilzeit aufnehmen möchte.

Dr. Stumpfe versuchte Sorgen künftiger Eltern im Dialog zu zerstreuen

Häufig geäußerte Sorgen künftiger Eltern versuchte Belegarzt Dr. Manfred Stumpfe im Dialog mit ihnen zu zerstreuen. Wolfratshausen verfüge zwar über keine Pädiatrie-Abteilung, man arbeite jedoch eng mit dem Starnberger Krankenhaus zusammen. Risikofälle wie Zwillingsgeburten oder Frühgeburten vor der 36. Schwangerschaftswoche würden von vorneherein nach Starnberg verwiesen. In den vergangenen fünf Jahren sei es kein einziges Mal vorgekommen, dass ein Hubschrauber eine Patientin wegen Komplikationen während oder direkt nach der Geburt nach Starnberg habe fliegen müssen, sagte der Gynäkologe, der seit 25 Jahren am Wolfratshauser Klinikum arbeitet. Tauchten an den Tagen nach der Geburt Probleme beim Kind auf, zögere er nicht, es zusammen mit seiner Mutter in die Kooperationsklinik zu überweisen.

Warnung: Landkreis soll Asklepios nicht finanziell unterstützen

Stumpfe wie auch Gerhard Hasreiter, der Vorsitzende des Vereins „Freunde der Kreisklinik“ und Kreisrat, sowie seine Kreistagskollegin Mechthild Felsch warnten im Gespräch mit unserer Zeitung davor, dass der Landkreis Asklepios finanziell unterstützt. Hasreiter trat zwar Gerüchten entgegen, dass die Geburtshilfe in der Flößerstadt gefährdet sei, doch er gab am Sonntag zu bedenken, dass ein Generationswechsel bei den Belegärzten in den nächsten Jahren anstehe.

Abteilung soll zukunftssicher werden

Um die Abteilung zukunftssicher zu machen, haben Stumpfe und die Hebammen wie berichtet die Aktion „Born in WOR“ gestartet. Sie sammeln Unterschriften für den Erhalt des Standorts. Mitte März will Stumpfe die Listen an Landrat Josef Niedermaier übergeben. Am kommendenDienstag, 22. Februar, sind die Bürger ab 18 Uhr aufgerufen, mit einer Lichterkette vor der Klinik am Moosbauerweg stumm für das Fortbestehen der Abteilung zu demonstrieren.

Von Tanja Lühr

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