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Den Insekten auf der Spur: Sabine Tappertzhofen vom Landesbund für Vogelschutz zählt die Sechsbeiner auf einer Wiese in Gelting.

Artenvielfalt

Aktion Insektensommer:  Eine Stunde Sechsbeiner zählen in Gelting

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Ob Bienen, Grashüpfer oder Käfer: Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) möchte wissen, welche Insekten sich im Freistaat tummeln. Deshalb ruft er alle Naturfreunde zum Insektenzählen auf: Die Aktion geht noch bis Sonntag. Wir haben Sabine Tappertzhofen vom LBV dabei begleitet.

Gelting – Bienen summen in der Luft, eine Hummel sammelt Nektar, irgendwo zirpt eine Grille. Was auf den ersten Blick nur nach einer ungemähten Wiese aussieht, entpuppt sich auf den zweiten Blick als Insektenparadies. Mittendrin, bis zu den Hüften im Gras, steht Sabine Tappertzhofen, Geschäftsstellenleiterin vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Wolfratshausen. Konzentriert schaut sie auf die Grünfläche. Plötzlich schnellt ihr Zeigefinger nach vorne: „Da haben wir etwas Schönes: ein grünes Heupferd.“ Mitten im Gestrüpp sitzt eine große Heuschrecke. Die Biologin nickt zufrieden.

Gut getarnt: ein grünes Heupferd.

Noch bis Sonntag, 11. August, ruft der LBV alle Naturliebhaber zum Insektenzählen auf. Während der Aktion „Insektensommer“ sollen eine Stunde lang die allesamt sechsbeinigen Tiere draußen beobachtet und dokumentiert werden. Auch Tappertzhofen hat sich heute Zeit genommen. Vor einer großen Distelpflanze bleibt sie stehen: „Hier brauchen wir nur abzuwarten, bis irgendetwas kommt.“ Wenige Sekunden später haben es sich zwei Fliegen auf den Blüten der stacheligen Pflanze gemütlich gemacht.

Um die Sechsbeiner besser beobachten zu können, jedoch ohne sie zu verschrecken, zückt die Wolfratshauserin ihr Fernglas. Insekten sind klein, flink – und unglaublich artenreich. Allein in Deutschland sind etwa 33 000 verschiedene Spezies zu Hause. „Deshalb ist das Zählen nicht immer ganz einfach“, weiß die 55-Jährige aus Erfahrung. Plötzlich weicht sie überrascht zurück: „Wow. So eine Schlupfwespe habe ich noch nie gesehen. Das sieht ja heiß aus“, murmelt sie beeindruckt. Blitzschnell hat Tappertzhofen ihr Handy zur Hand und fotografiert das Tier mit dem bizarr dünnen Hinterleib. Solche Bilder helfen oft bei der Auswertung, erklärt die Expertin.

Bizarr: eine Schlupfwespe mit sehr dünnem Hinterleib. 

Die Vielfalt der Wespen fasziniert sie besonders. „Wir haben oft bloß die Wespen im Kopf, die stechen und auf unserem Datschi sitzen“, sagt sie. Dabei sind das nur zirka drei Arten von mehreren hundert in Deutschland. „Viele von ihnen sind bildhübsch und können nicht mal stechen“, schwärmt die Biologin. Jetzt bleibt sie ruhig stehen und beobachtet. Ihre Augen wandern langsam hin und her. Vögel zwitschern. Im Hintergrund rauscht der Kanal. Zwei weiße Schmetterlinge flattern vorbei. Gefolgt von einem orange-braunen Distelfalter.

Zwischendurch macht sich Tappertzhofen immer wieder Notizen. Um nichts doppelt aufzuschreiben, zählt die größte Anzahl von gemeinsamen Tieren, die von jeder Art gesehen wird. Auf der Internetseite www.lbv.de gibt es ein spezielles Formular. Dort können die Naturfreunde ihre Funde eintippen.

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Ob Wald, Wiese, am Wasser oder auf der Terrasse: Das untersuchte Gebiet soll nicht weiter als zehn Meter in jede Richtung vom Standpunkt aus führen. Wer möglichst viele unterschiedliche Sechsbeiner erleben möchte, der zieht am besten bei sonnigem, trockenem und warmem Wetter ohne Wind los. Für alle „Erstzähler“ hat Tappertzhofen einen Tipp parat: Beim ersten Mal sei es wichtig, sich Zeit zu nehmen, aufzuschreiben und die Tiere zu fotografieren. „Dann kann ich daheim in Ruhe die Art bestimmen.“

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Wie im Flug ist die Stunde vorbei. Heuschrecken, Wespen, Schmetterlinge, Bienen, Hummeln und Fliegen hat die Wolfratshauserin entdeckt. Mit der Ausbeute ist sie sehr zufrieden. „Es war nicht ganz windstill, vorhin hat es geregnet. Dafür hab’ ich viel gesehen“, sagt die Biologin, während sie zu ihrem Geländewagen zurückgeht. Daheim wird vermutlich erst mal ausgewertet.

kof


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