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Ein Bild der Vergangenheit: Inzwischen sind die Lichter am Hofgut Breitenbach Gelting erloschen.

Im Gespräch mit Dr. Robert Straubinger  

Geothermie: Enex will das Hofgut Breitenbach nicht aufgeben 

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Wie lässt sich Wärme am besten nutzen? Diese Frage beschäftigt Enex nach dem Aus des Geothermieprojekts am Hofgut Breitenbach. Der Standort soll weiter genutzt werden.

Gelting – Nicht nur in Gelting ist die Suche nach Tiefengeothermie fehgeschlagen. Auch aus der Nachbarstadt Weilheim gibt es schlechte Nachrichten: Bei den Probebohrungen wurde – wie auf dem Hofgut Breitenbach – 

Dr. Robert Straubinger Geschäftsführer der Enex Power Germany.

zu wenig heißes Wasser gefunden. Welche Auswirkungen haben diese Fehlschläge auf die Geothermie in Oberbayern? Und wie geht es in Gelting weiter? Das wollte unsere Zeitung von Dr. Robert Straubinger, Geschäftsführer der Enex Power Germany, wissen.

Herr Dr. Straubinger, wie haben Sie die schlechte Nachricht aus Weilheim aufgenommen?

Dr. Robert Straubinger: Diese Nachricht hat uns überrascht. Allerdings fehlen uns jegliche Informationen darüber, wie es dazu kommen konnte und warum die italienische Enel Green Power plant, das Projekt abzubrechen. Wir wissen darüber auch nur aus der Presse. Deshalb können wir keine technisch fundierte Aussage treffen.

Bedeuten die Fehlschläge in Gelting und Weilheim das Aus für die Geothermie im Oberland?

Dr. Robert Straubinger: Das will ich nicht hoffen! Aber natürlich führt das zu einer Neubewertung der einzelnen Projekte. Das weitere Vorgehen hängt im Wesentlichen davon ab, ob es sich um einen lokal begrenzten Effekt oder einen allgemeinen regionalen Trend bei hohen Bohrtiefen geben. Das Erfolgsrisiko ist dadurch sicherlich nicht geringer geworden.

Da erscheint es jetzt erst recht sinnvoll, über das Forschungsprojekt in Gelting mehr über den Untergrund in unserer Gegend zu erfahren.

Dr. Robert Straubinger: Auf jedem Fall. Wir haben in Geretsried bereits bei der ersten, leider nicht-fündigen Bohrung im Jahr 2013 viele hilfreiche Hinweise auf die Beschaffenheit des Gesteins der wasserführenden Malmschicht im Oberland liefern können. Jetzt, mit dem Forschungsprojekt, das die Ablenkbohrung in die unterirdischen Kluftzonen begleitet hat, liegt eine breitere Datenbasis vor. Insbesondere die erstmals gewonnenen Bohrkerne bieten eine sehr gute Basis, um die unterirdische Geologie genauer bewerten zu können. An der TU München laufen mehrere noch nicht abgeschlossene Arbeiten.

Wann rechnen Sie mit Ergebnissen?

Dr. Robert Straubinger: Bis wir da Ergebnisse haben, wird es sicherlich noch einige Monate dauern. Aber sie sollen dann für alle zugänglich publiziert und präsentiert werden. Damit erhält man hoffentlich ein klareres Bild und auch eine verlässlichere Aussage, insbesondere dann, wenn auch andere Projekte ihre Daten zur Verfügung stellen.

Wie sehen Ihre Pläne für das Hofgut Breitenbach aus?

Dr. Robert Straubinger: Derzeit sind wir vornehmlich damit beschäftigt, den Projektabschluss zu bewerkstelligen. Die Demontage der Bohranlage und andere Dinge sind noch abzuarbeiten. Parallel dazu arbeiten wir eng mit unseren Förderpartnern zusammen, um zu schauen, wie wir die in der Tiefe vorhandene Wärmeenergie alternativ nutzen können.

Ein Geothermie-Kraftwerk wird es wohl nicht mehr werden.

Dr. Robert Straubinger: Nein, wohl kaum. Aber wir wollen dennoch prüfen, welche Wärmeenergie verlässlich und sicher genutzt werden kann. Wir haben innovative Ideen. Die sind allerdings nur mit einer weiteren Forschungsförderung und -begleitung umsetzbar. Ein entsprechender Förderantrag kann aber erst gestellt werden, wenn eine neue Bundesregierung im Amt und wieder handlungsfähig ist.

In Weilheim überlegt man, ob man das heiße Wasser – gemessen wurden 165 Grad – anders nutzen kann, für Gewächshäuser zum Beispiel. Wäre das auch eine Idee für das Hofgut Breitenbach?

Dr. Robert Straubinger: Auch das ist mit Sicherheit eine Überlegung. Anders als für die Stromerzeugung ist für eine wärmetechnische Nutzung die Temperatur nicht das entscheidende Kriterium: 90 Grad Celsius reichen für ein Fernwärmenetz, und 35 Grad reichen für ein Gewächshaus oder eine Fischzucht.

Wenn es nicht die Temperatur ist – worauf kommt es dann an?

Dr. Robert Straubinger: Wir müssen herausfinden, welche Wärmemenge uns zur Verfügung steht. Sie definiert sich über die Schüttung, also die förderbaren Liter pro Sekunde, und die genutzte Temperaturdifferenz. Wenn ich von dem zur Verfügung stehenden Wasser eine Temperaturspreizung von 150 Grad Celsius auf 100 Grad Celsius nutze, ist das die gleiche Wärmemenge wie bei einer Nutzung zwischen 90 und 40 Grad. Und je mehr Wasser zur Verfügung steht, desto größer ist auch die Wärmemenge. In Abhängigkeit von dieser Kombination aus Temperaturdifferenz und Schüttung ergibt sich dann die potenzielle langfristige Nutzung des Standorts.

Schlimmstenfalls werden die Bohrlöcher in der Weilheimer Lichtenau geschlossen und das Gelände renaturiert. Könnte dieses Schicksal auch Gelting ereilen?

Dr. Robert Straubinger: Das ist nicht auszuschließen. Aber davon gehen wir derzeit nicht aus. Sicherlich werden unsere Überlegungen zur Wärmeauskopplung noch einige Monate mit diversen Prüfungen, Abklärungen und einer möglichen Antragstellung dauern. Aber die potenzielle Nutzung von Erdwärme einfach aufzugeben, wenn das Bohrloch bereits existiert, wäre unseres Erachtens nicht vertretbar.

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