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Welcome to the Hinterhalt: Assunta Tammelleo engagiert sich seit acht Jahren für die große Kleinkunst in Gelting.

Hier hat die Kleinkunst ein Zuhause

Glückwunsch! Geltinger Hinterhalt feiert 25. Geburtstag

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Gelting - Der Geltinger Hinterhalt feiert 2016 seinen 25. Geburtstag. Höchste Zeit, in einer Serie über die Kleinkunstbühne zu berichten. Teil 1: Aus der Sicht der Wirtin Assunta Tammelleo.

Vor kurzem bekam Assunta Tammelleo in der Staatskanzlei den Bayerischen Verdienstorden verliehen. Jedoch nicht für ihr Engagement als Wirtin des Geltinger Hinterhalts, sondern für ihr Ehrenamt als Handelsrichterin. Dennoch nimmt die Kleinkunstbühne an der Leitenstraße 40 im Leben der 54-jährigen Unternehmerin einen wichtigen Platz ein. Und im neuen Jahr sowieso: Dann nämlich feiert das legendäre Kellerlokal sein 25-jähriges Bestehen. „Die genauen Planungen für das Jubiläum sind noch nicht abgeschlossen“, sagt sie. Nur so viel: Gerhard Polt, „der größte lebende Satiriker, den wir derzeit haben“, so Tammelleo, hat natürlich sein Kommen angekündigt.

Tammelleos Idealvorstellung ist und war seit jeher, bezahlbare Kultur für jedermann anzubieten. Dabei ist sie oft streitbar, mitunter provokativ, aber immer mit einem großen Herzen und einem spitzbübischen Augenzwinkern. Kultur und Politik sind für die Waldramerin untrennbar miteinander verbunden. Das war schon immer so.

Gerhard Polt, wie immer in Hochform (2010).

In Stuttgart als Tochter eines süditalienischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren, machte Tammelleo 1981 ihr Abitur. Als sie 1982 ihr Studium der Politischen Wissenschaft, Philosophie und Deutsch als Fremdsprache in München aufnahm, drehte sich die politische Debatte gerade stark um den NATO-Doppelbeschluss. „Wir haben mit Sitzblockaden und Blumen in der Hand mit protestiert. „Damals habe ich nicht nur Politik studiert, sondern auch Politik gemacht“, sagt die zierliche Frau, die über geballte Frauen-Power verfügt.
 
1986 baute Tammelleo zusammen mit ihrem damaligen Lebensgefährten Wolf Steinberger das Unternehmen Pana Schaumstoff GmbH in Geretsried mit auf. „Wichtig war uns damals, dass Männer und Frauen die gleichen Löhne bekamen, oder dass den Frauen durch ihr Mutterdasein keine Nachteile entstanden. Wir haben auch Frauen eingestellt, die über 50 Jahre alt waren. Damit sind wir sehr gut gefahren“, sagt die dreifache Mutter. Als es Anfang der 1990er Jahre bei Brandanschlägen mit fremdenfeindlichen Hintergrund zu Todesopfern kam, setzte Tammelleo öffentlich auf ein Miteinander der Kulturen und lud einmal im Jahr zum multitkulturellen Sommerfest aufs Firmengelände nach Geretsried. „Das hat uns auch zerstochene Reifen und anonyme Morddrohungen eingebracht“, sagt sie. Den letzten anonymen Drohbrief mit Hinweis auf ihre italienische Abstammung bekam sie vor vier Jahren. „Kultur befriedet“, lautet ihre Antwort auf diese verabscheuungswürdigen Umtriebe.

Die Narrenschaukel gibt ihren Abschied (2010).

Im Herbst 2008 übernahm die 54-Jährige zusammen mit Wolf Steinberger den Hinterhalt an der Leitenstraße. Damit sollte eine Institution vor dem Aus gerettet werden. Denn nachdem Hias Röttig nach zwölf Jahren Wirte-Dasein das Handtuch schmiss, gaben sich die nachfolgenden Pächter die Klinke in die Hand. Schuld daran waren nicht zuletzt die vielen Baumängel und Wasserschäden, mit denen sich die jeweiligen Pächter herumschlagen mussten. „Das ganze Gebäude ist eine einzige Fehlkonstruktion“, sagt Tammelleo und verweist damit auf den damals ausführenden Architekten Peter Schlehmilch. Mit den Pächterwechseln verschlechterte sich das Image der Kulturbühne zusehends. Zum Schluss fanden nur noch Karaoke-ähnliche Abende statt und man konnte von den Glanzzeiten des anspruchsvollen Kabaretts nur noch träumen. „Mainstream ist leider das allgegenwärtige Thema“, sagt Tammelleo. Doch damit wäre die einst legendäre Kleinkunstbühne dem Untergang geweiht gewesen. Steinberger und sie nahmen die Dinge in die Hand und knüpften an die Hochzeiten des Hinterhalts an.

Die Wellbrüder und -schwestern bei einem Auftritt im Jahr 2013.

Die waren in den 1990er Jahren als Kabarett im Fernsehen oder Radio nur bedingt vorkam. Einzig der „Scheibenwischer“ mit Dieter Hildebrandt oder die „Notizen aus der Provinz“ (das kabarettistische Gewissen der Nation) wurden gesendet. Als es sich die Biermösl Blosn schließlich mit dem Bayerischen Rundfunk verscherzte – die drei hatten harsche Kritik am Freistaat geübt („Gott mit Dir, Du Land der BayWa“) – ,wurden sie gut zehn Jahre vom Sender ignoriert. Damit begann die Blütezeit der Kleinkunstvereine auf dem Land.

Auch Assunta Tammelleo war von Beginn an im damaligen Hinterhalt-Kulturverein Mitglied. Eröffnet wurde die Kulturbühne im August 1991 mit dem „Kabarett Fernrohr“ (Christian „Fonsi“ Springer und Helmut Schleich). In den kommenden Jahren gaben sich die Stars des Kabaretts und der Subkultur die Klinke in die Hand: Monika Gruber, Helmut Schleich, Andreas Rebers, Hagen Rether, Gerhard Polt, Josef Hader, Sigi Zimmerschied, Luise Kinseher, Georg Ringsgwandl, Bülent Ceylan und die Biermösl Blosn –um nur die bekanntesten zu nennen. Nicht zu vergessen die hauseigene Kabarettgruppe „Narrenschaukel“ um Hias Röttig, Claus Steigenberger, Peter Haustein, Thomas Gania und Christoph Abeck, die große Erfolge feierten.

Josef Hader, der Überflieger aus Wien (2010).

Gemeinsam mit fünf Mitstreiterinnen aus dem Landkreis veranstaltete Tammelleo im November zum vierten Mal das Festival PiPaPo. Diesmal widmete man sich intensiv dem Thema Frauenrechte. „Hier ist der gesellschaftliche Zug falsch gefahren“, kritisiert Tammelleo. Anlass für sie, die Weichen neu zu stellen. (Fortsetzung folgt)

von Roswitha Diemer

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