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Reiste in die Vergangenheit: Mathias Kellner. 

Zurück in die Zeit der Schieber und Zungenküsse

“Tanzcafé Memory“ mit Mathias Kellner im Geltinger Hinterhalt

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Singer-Songwriter Mathias Kellner war in der Kulturbühne Hinterhalt zu Gast. Dort präsentierte er sein neues Album „Tanzcafé Memory“.

Gelting – Im „Tanzcafé Memory zu Gelting“ war am Donnerstagabend kein Sitzplatz mehr frei. Als Mathias Kellner vor Jahren erstmals zu Gast in der Kulturbühne Hinterhalt war, begleitete er noch Claudia Koreck als Vormusiker. Inzwischen ist er selbst als Musiker des Heimatsounds bekannt. So füllte der Niederbayer den Raum diesmal alleine. „Tanzcafé Memory“ heißt sein neues Album.

Es sind musikalische Erinnerungen an die Jugendzeit. Lieder, die eine Spur launiger Vergangenheits-Melancholie mit tiefgründigen Texten tragen. Dazwischen erzählte Kellner von seinen Jugenderfahrungen und – taten. Diverse Erlebnisse – bildhaft, bodenständig und ehrlich – mit einem hohen Mei-des-kenn-i-a-Faktor.

Lesen Sie auch: Neue bayerische Welle - Musiker Mathias Kellner im Interview

Die Atmosphäre im Hinterhalt passte zu dem musikalischen Schwergewicht mit schwarzem Bart und großen Augen. Er machte es sich auf dem Hocker bequem, griff zur Gitarre und ließ über mehr als zwei Stunden seine Jugendzeit Revue passieren. Jene Zeit, als man noch in einschlägigen Clubs Schieber respektive Stehblues tanzte, Zungenkuss übte und auf dem „Promilleweg durchs Feld“ mit den Mopeds fuhr, zuhause dann die Lieder aus dem Radio mit zwei Fingern am Start- und Rec-Knopf des Kassettenrekorders aufnahm und beim Jugendtreff im Bushäusl „Roth-Händle“, Kaugummis und Bier konsumierte.

Kellner ist Sammler „dorfspezifischer Wörter“. „Mumackerln“ sind „kleine Frösche“, erklärte er einen Begriff seiner Oma. Bei ihr habe er viel Zeit als kleiner Junge verbracht. Die Großeltern „drahten Dama“ – drehten Däumchen –, während der Sekundenzeiger in der Stube in schier endlos wirkenden Abständen durch die Stille klickte. Von diesem Gefühl tiefer kindlicher Langeweile erzählt Kellner im Lied „De fadn Dog“.

Er singt über die typischen Alltagsprobleme der Jugend, der Schulzeit („I hob’s sie ned meng, sie hat mi ned meng“), der Lehre und der ersten Liebe. „Zuckerbaby“ heißt ein Song und „Löwenzahn“ ein anderer. Kellners Lieder haben einen morbiden Charme. Er selbst ist als Erzähler auf der Bühne höchst spaßig und niederbayrisch flapsig. Diese unterhaltende Mischung machen den Musiker sympathisch und bei den Fans beliebt. Mathias Kellner verbiegt sich nicht. Er spricht, wie ihm der Mund gewachsen ist. Und weiß ganz genau: Am schönsten lacht es sich, wer über sich selbst lachen kann. 

Andrea Weber

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