Oberlandesgericht entscheidet

Geltinger siegt im Streit um Ebay-Bewertung

Geretsried/München – „Unbrauchbar“, „Frechheit“, „Einfach nur Schrott!“: Im Internet sind Kunden oft nicht zimperlich, wenn sie ihre Meinung über Produkte und Verkäufer äußern.

Negative Bewertungen können für Onlinehändler schnell zum Problem werden. Die Bewertungen sind in der digitalen Warenwelt mittlerweile so wichtig, dass einige Onlinehändler sogar vor Gericht ziehen. Ein Mann aus Gelting hat am gestrigen Dienstag vor dem Oberlandesgericht einen Sieg errungen. Der Händler für Bootszubehör verlangte, dass ein Kunde eine negative Ebay-Bewertung löscht. Das Gericht entschied, dass der Käufer sein Negativ-Urteil zurücknehmen muss. Eine Begründung gab es zunächst nicht.

Eigentlich sollten Bewertungen nicht zu Streit führen, im Gegenteil. Ihr Sinn war es, Vertrauen zu schaffen. Durch Ebay ist das System der Bewertungen im Internet populär geworden. Schon beim Start des Auktionshauses in den 90er Jahren konnten sich Käufer und Verkäufer gegenseitig bewerten. Das sollte helfen, die Anonymität zu überbrücken: Je mehr Bewertungen vorhanden sind, desto mehr Vertrauen können Handelspartner von Beginn an aufbringen.

Inzwischen ist jedoch Streit um Bewertungen an der Tagesordnung. Der Grat zwischen freier Meinungsäußerung und Verleumdung und Beleidigung ist oft schmal. „Bei der Meinungsäußerung bin ich relativ frei, solange ich nicht die Grenze zur Schmähkritik überschreite“, erklärt Rechtsanwalt Alexander Busch. „Meinung wäre etwa die Bewertung: ,Ich fand den Verkäufer unfreundlich.‘ Ich stelle dabei die Sache in den Vordergrund. Wenn ich aber sage: ,Der Verkäufer ist ein Idiot‘, dann ist das Schmähkritik.“ Sieht das Gericht eine Verleumdung, drohen bis zu fünf Jahren Haft. Wenn eine unberechtigte Negativbewertung das Ansehen des Verkäufers schädigt, kann das für den Rezensenten teuer werden. Das kann schon mal Bereiche von 10 000 Euro oder mehr erreichen.“  (dpa)

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