Geothermie: Keiner will das Risiko tragen

Geretsried - Die erste Geothermie-Bohrung bei Gelting ist fehlgeschlagen. Wie es jetzt weitergeht, darüber sprach unsere Zeitung mit den Enex-Geschäftsführern Dr. Robert Straubinger und Andreas Gahr.

- Herr Straubinger, Herr Gahr, über Monate hat uns nachts der hell erleuchtete Bohrturm begleitet. Jetzt sind die Lichter erloschen. Wurden die Arbeiten endgültig eingestellt?

Straubinger: Das von uns beauftragte Bohrunternehmen Daldrup hat lange Zeit gewartet, ob die Geothermiebohrung weitergeführt wird. Leider hat das bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht geklappt. Deshalb hat Daldrup den Bohrturm abgebaut und die Baustelle geräumt. Die Firma wird einen Auftrag in Polen annehmen, der bis etwa Mai dauert.

- Kehrt der Bohrturm im Anschluss auf das Hofgut Breitenbach zurück?

Straubinger: Wir würden gerne wieder mit Daldrup zusammenarbeiten. Während der ersten Bohrung hat alles reibungslos geklappt. Ob der Bohrturm in Gelting wieder aufgebaut wird, hängt ganz davon ab, wie es mit dem Projekt weitergeht.

Gahr: Bis dahin bleibt der Bohrplatz vorbereitet für eine Wiederaufnahme.

- Nicht nur in Geretsried hat die missglückte erste Bohrung für Aufregung gesorgt. Auch das Umland ist alarmiert. In Königsdorf, Holzkirchen, Weilheim und Bernried sind ebenfalls Geothermieprojekte geplant. Haben Sie viele Anrufe bekommen?

Straubinger: Natürlich haben unsere Nachbarn nachgefragt. Und wir haben ihnen angeboten, Einsicht in unsere Bohrdaten zu nehmen. Einige haben das auch getan. Zum Teil haben sie sich mit ihren Geologen ein eigenes Bild von unserer Bohrung gemacht. Die Auswertung dieser eigenen Untersuchungen ist aber noch nicht erfolgt.

- Sie setzen große Hoffnungen in eine zehn Millionen Euro teure Ablenkbohrung. Gibt es dazu schon eine Entscheidung?

Straubinger: Unser Investor hat sich noch nicht endgültig entschieden, ob er das Projekt mit einem Side Track fortführen möchte. Er will erst alle Unterlagen auf dem Tisch haben.

Gahr: Herr Daniel Hopp will grundsätzlich als Gesellschafter in der Projektgesellschaft bleiben. Über sein weiteres Engagement wird er jedoch erst dann entscheiden, wenn alle dazu erforderlichen Informationen zusammengetragen werden konnten.

- Also wäre es möglich, dass Sie sich einen neuen Investor suchen müssen.

Straubinger: Das ist nicht auszuschließen. Das Risiko für einen Side Track oder eine zweite Bohrung kann derzeit nicht über eine Versicherung oder anderweitige Bürgschaft abgedeckt werden. Deshalb drängeln sich die Investoren nicht vor unserer Tür. Die Renditen in der Geothermie sind nicht so exorbitant hoch, dass man das Risiko einer millionenteuren Bohrung unversichert auf sich nehmen kann.

Gahr: Der Vorteil in unserem Fall ist, dass bei einer Fortführung der Bohrung bereits zwei Bohrplätze und 3000 Meter gebohrte Strecke genutzt werden können. Man muss nicht mehr von vorne anfangen. Diese Vorleistung stellt einen nicht unerheblichen Wert dar.

-Bleibt die Frage, wie sich so ein Side Track finanzieren und absichern lässt.

Straubinger: Kein Versicherer ist momentan bereit, dieses Risiko zu tragen. Wir verstehen auch nicht ganz, warum die Versicherer hier so zurückhaltend sind, schon allein angesichts der Vielzahl der bereits sehr erfolgreich durchgeführten Geothermiebohrungen im Münchner Umland.

-Gibt es noch eine andere Absicherungsmöglichkeit als eine Fündigkeitsversicherung?

Straubinger: Der Freistaat Bayern will die Energiewende vorantreiben, und er vergibt die Claims. Also sollte er auch ein Interesse daran haben, dass die Erdwärme gehoben wird. Wir würden uns erhoffen, dass der Freistaat solche Risiken wie die einer Geothermiebohrung irgendwie absichert, insbesondere in der aktuellen Situation, in der viele Projekte in Bayern aufgrund fehlender Versicherungsmöglichkeiten zurückgestellt werden müssen. (nej)

Das ganze Interview lesen Sie in der Freitagsausgabe des Geretsrieder Merkur/Isar-Loisachboten.

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