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Gedenkstunde am Rathaus: Unter anderem sprach Walter Pilz, Kreisvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft.

Gedenkstunde

Geretsried erinnert an Flucht und Vertreibung vor 70 Jahren

Geretsried - An 70 Jahre Flucht und Vertreibung erinnerten am Samstag die Sudetendeutsche und andere Landsmannschaften sowie die Stadt Geretsried mit einer Gedenkstunde vor dem Rathaus.

„Not und Tod brachten uns her, Arbeit und Fleiß schufen uns Ehr“ haben Heimatvertriebene in den Gedenkstein gemeißelt, um den sich am Nachmittag rund 80 Menschen versammelten. Unter den Ehrengästen waren der CSU-Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber und der Dritte Landrat Klaus Koch von den Grünen. Mit getragener Musik stimmte die Gartenberger Bunkerblasmusik auf die Veranstaltung ein.

Einige Passanten blieben stehen und hörten sich an, was die Festredner sagten. Dritter Bürgermeister Gerhard Meinl bezeichnete den Gedenkstein in seiner Ansprache als „Identitätsmerkmal“ der Geretsrieder Heimatvertriebenen. Er erinnerte daran, dass ab 1944 rund 14 Millionen Deutsche mit Genehmigung der Siegermächte aus den deutschen Ostgebieten, dem Sudetenland und aus Südost-Europa vertrieben wurden. Zwei Millionen Menschen haben die Flucht nicht überlebt.

In Geretsried trafen im April 1946 die ersten Heimatvertriebenen ein. Ohne sie wäre die Stadt nicht das, was sie heute ist, sagte Meinl. Er gehöre zwar nicht zur „Erlebnisgeneration, aber zur Bekenntnisgeneration“, sagte der Musikinstrumentenbauer mit Wurzeln in Graslitz. Als äußeres Zeichen dafür trug er die dunkelbraune Egerländer Tracht und ließ an einer Stelle seiner Rede den Egerländer Dialekt einfließen.

Zur aktuellen Flüchtlingssituation meinte der 58-Jährige, sie sei mit den damaligen Geschehnissen vergleichbar, aber nicht gleichzusetzen: „Auch nach dem Krieg kamen die Menschen in eine große Fremde. Aber sie kamen als deutschsprachige Mitteleuropäer christlichen Glaubens.“ Die Vertriebenen hätten ein armes, zerstörtes Land vorgefunden und wiederaufgebaut, die heutigen Asylbewerber würden Wohlstand vorfinden, so Meinl zu den entscheidenden Unterschieden.

Der Kreisvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Walter Pilz, nannte Geretsried „ein leuchtendes Beispiel“ dafür, wie die Fremden nach 1945 von der Bevölkerung aufgenommen wurden („auch wenn es natürlich Konflikte gab“) und wie sie selbst sich nicht unterkriegen ließen. „Sie bildeten keine Ghettos, sie legten Hand an und bauten sich eine neue Heimat auf.“

Hans Knapek von der Sudetendeutschen Landsmannschaft erinnerte als dritter Redner daran, dass heute wie vor 70 Jahren Menschen ihr Leben verlieren würden wegen ihres Glaubens, ihrer Überzeugung und ihrer Zugehörigkeit zu einem Volk. „Gedenken wir auch dieser Menschen.“ Nach einem Lied des Chors der Siebenbürger Sachsen legten Walter Pilz und Franz Pikal einen prächtigen Herbstblumenkranz vor dem Gedenkstein nieder.

Tanja Lühr

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