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Verdrängende Wirkung? Die Gegner der Neubaupläne am Karl-Lederer-Platz fürchten, dass es durch die Tiefgarage unter dem Krämmel-Bau Probleme mit dem Grundwasser geben wird.

Zentrumsplanung

„Wir stellen uns dieser Herausforderung“

Die Sorge der Anwohner, dass durch die bevorstehenden Baumaßnahmen am Karl-Lederer-Platz das Grundwasser nach oben steigt und für feuchte Keller sorgt, gilt als eines der Hauptargumente der Projektgegner. Kein Wunder also, dass die Besucherplätze am Dienstagabend bei der öffentlichen Präsentation eines Grundwassermodells im Bauausschuss voll besetzt waren.

Geretsried – „Wir werden dieses Thema aktiv angehen und stellen uns dieser Herausforderung“, versprach Bürgermeister Michael Müller (CSU) vorab. Gleichzeitig wehrte er sich gegen das Ausmaß der zum Teil „unfairen“ Anwohnerproteste. „Panikmache und Desinformation nutzen nichts“, gab der Rathauschef zu bedenken.

Aus diesem Grund lud er Dr. Patrick Keilholz ein. Der Ingenieur des international agierenden Unternehmens DHI-Wasy nahm die Grundwassersituation in Geretsried genau unter die Lupe und bezog sich dabei auch auf Gutachten der Lahmeyer Hydroprojekt GmbH und der Interessengemeinschaft grundwassergeschädigter und gefährdeter Geretsrieder (IGGG).

Ausmaß von Niederschlägen hat zugenommen

Anschauungsunterricht: Anhand eines Modells demonstrierte Dr. Patrick Keilholz vom Büro DHI-Wasy die Funktionsweise von Dükern.

„Der Klimawandel ist auch in Geretsried angekommen“, holte Keilholz weit aus. Soll heißen: Das Ausmaß von sommerlichen Niederschlägen hat in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen, während im Winter ein Rückgang zu verzeichnen ist. Da die Stadt Geretsried auf hochdurchlässigen Schotterböden liegt, kommt es so zu einem beschleunigten Wasserdurchfluss. „Verstärkte urbane Begrünung auf Dächern oder das Einpflanzen von Stadtbäumen können schon 15 Prozent der Starkniederschläge zurückhalten“, rechnete Keilholz vor. Dass diese Maßnahme allein nicht ausreicht, ist ihm natürlich bewusst. Deshalb zeigte er mithilfe eines vereinfachten Boxmodells die möglichen Auswirkungen der geplanten unterirdischen Bauten auf den Grundwasserstand auf. „Die Voruntersuchung lassen erwarten, dass es mit Dükern möglich ist, den Grundwasseraufstau in den Griff zu bekommen“, zeigte sich Keilholz vorsichtig optimistisch.

Anhand eines Modells demonstrierte er im Bauausschuss anschaulich, wie diese kommunizierenden Röhren funktionieren. Demnach sind Düker Druckleitungen, die zur Unterquerung von Hindernissen angelegt werden. Dabei pendeln sich Flüssigkeiten in miteinander verbundenen Röhren stets auf das gleiche Niveau ein. Fließt nun auf einer Seite immer neues Wasser hinzu, kann es auf der anderen Seite abgeleitet werden.

Grundwassermessstellen mit Datenloggern eingerichtet

Um gesicherte Erkenntnisse über die Gegebenheiten am Karl-Lederer-Platz zu bekommen, richtete DHI-Wasy dort bereits Anfang Dezember und nun im März Grundwassermessstellen mit Datenloggern ein. „So kann ein detailliertes 3D-Strömungsmodell entstehen, das die Auswirkungen während der Bauphase und im finalen Zustand räumlich hoch aufgelöst quantifiziert“, erklärte Keilholz.

In der anschließenden Debatte wollte Vize-Bürgermeister Hans Hopfner (SPD) wissen, wie viele dieser Düker am Karl-Lederer-Platz benötigt werden und ob diese „Rohre“ auch durch mitgeführte Erde verschlammen könnten. Keilholz rechnet je nach Untersuchungsergebnis mit zwei bis fünf Dükern, in denen nur „klares Wasser“ transportiert wird. Dr. Sabine Gus-Mayer (CSU) erkundigte sich danach, ob die Düker für weitere noch folgende Tiefbaumaßnahmen in der Umgebung des Karl-Lederer-Platzes verlängert werden könnten. Auch dies sei möglich, bescheinigte der Grundwasser-Experte.

Lorenz Weidinger (Freie Wähler), der als Ingenieur selbst schon mit Dükern gearbeitet hat, fragte, ob nicht auch die Errichtung eines einfachen Regenwasserkanals „ein gangbarer Weg“ wäre. Keilholz verwies in diesem Zusammenhang auf die unterirdischen Bauarbeiten von DHI-Wasy am Münchner Flughafen. „Dort haben wir sehr gute Erfahrungen mit Dükern gemacht“, berichtete er. Die Ausschussmitglieder nahmen die Ausführungen zur Kenntnis, ein Beschluss wurde nicht gefasst.

Krämmel-Bau geht auf die Zielgerade

Das Bebauungsplanverfahren für den bis zu siebengeschossigen Neubau am Karl-Lederer-Platz geht auf die Zielgerade. Am kommenden Montag, 27. März, befasst sich der Entwicklungs- und Planungsausschuss (EPA) mit den Einwendungen, die während der erneuten öffentlichen Auslegung eingegangen sind. Wie berichtet musste dieser Verfahrensschritt wiederholt werden, weil sich die Gestaltung der Tiefgarage wesentlich verändert hat. Sie soll sich nun auf einer Ebene vom Karl-Lederer-Platz bis zur Egerlandstraße ziehen, darunter befindet sich noch ein kleineres Technikgeschoss. Sollte der EPA am Montag den empfehlenden Satzungsbeschluss fassen, folgt am Dienstag, 28. März, im Stadtrat die finale Abstimmung. Mit dem Satzungsbeschluss hätte das Grundstück Baureife. Wie berichtet will die Krämmel Familien GbR nach Ostern mit dem Abbruch des Altbestands beginnen. Beide Sitzungen beginnen um 17 Uhr im Rathaus und sind öffentlich. Mit dem Satzungsbeschluss sind auch Klagen gegen das Vorhaben möglich. Wie berichtet haben sich Anwohner einen Anwalt genommen und behalten sich rechtliche Schritte vor.

Peter Herrmann

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