Legten am Jakob-Bleyer-Gedenkstein Blumen nieder: (v. li.) Vize-Bürgermeisterin Sonja Frank, der Vorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn in Bayern, Georg Hodolitsch, die stellvertretende Missionschefin des ungarischen Generalkonsulats, Emöke Barabás, die Bezirksvorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Paul Hansel, und die Heimatvertriebenenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Sylvia Stierstorfer.
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Legten am Jakob-Bleyer-Gedenkstein Blumen nieder: (v. li.) Vize-Bürgermeisterin Sonja Frank, der Vorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn in Bayern, Georg Hodolitsch, die stellvertretende Missionschefin des ungarischen Generalkonsulats, Emöke Barabás, die Bezirksvorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Paul Hansel, und die Heimatvertriebenenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Sylvia Stierstorfer.

70 Jahre Charta der Heimatvertriebenen

Gedenkfeier zeigt: Geretsried lebt Europa vor

Vor 70 Jahren wurde die Charta der Heimatvertriebenen unterzeichnet. Daran wurde in Geretsried in einer Feierstunde erinnert.

Geretsried – Am 5. August 1950 unterzeichneten Sprecher verschiedener Vertriebenenverbände eine besondere Erklärung, die sie einen Tag später während einer Massenkundgebung in Stuttgart verlasen. „Darin definierten wir das Recht auf die Heimat als ein von Gott der Menschheit geschenktes Recht und gaben dem internationalen Kampf gegen Flucht und Vertreibung eine menschenrechtliche Basis“, erklärte Paul Hansel. Der oberbayerische Bezirksvorsitzende des Bundes der Vertriebenen (BdV) war einer von fünf Rednern bei einer feierlichen Gedenkstunde vor dem Jakob-Bleyer-Gedenkstein im Geretsrieder Blumenviertel.

„Wir leben seit Langem schon ein Kleineuropa vor“

Georg Hodolitsch, Vorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn (LDU) in Bayern, hatte die Feierstunde organisiert. Sie fand unter strenger Einhaltung der coronabedingten Sicherheitsabstände und Hygienevorschriften statt. Der Einladung gefolgt war neben den örtlichen Landsmannschaften und Fahnenträgern die Heimatvertriebenenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Sylvia Stierstorfer, die stellvertretende Missionschefin des ungarischen Generalkonsulats, Emöke Barabás, sowie Vize-Bürgermeisterin Sonja Frank und zahlreiche Stadträte.

„Die Charta der Heimatvertriebenen war ein historischer Meilenstein“, erklärte Hodolitsch in seiner Begrüßungsrede. Als wesentliche Punkte nannte er den Verzicht auf Rache und Vergeltung, den Wunsch zur Schaffung eines geeinten Europas und die Verpflichtung, am Wiederaufbau von Deutschland und Europa mitzuwirken. Der LDU-Landesvorsitzende erinnerte daran, dass die Deutschen aus Ungarn nach der Vertreibung bereits 1945 im Geretsrieder Ortsteil Schwaigwall und ab 1948 in den selbst ausgebauten Bunkern im Blumenviertel eine neue Heimat fanden. „Geretsried ist für mich eine Hochburg der Vertriebenen, und wir leben seit Langem schon ein Kleineuropa vor: Darum ist dies der richtige Ort für diese Chartafeier“, betonte Hodolitsch.

Deutsche Minderheit in Ungarn erlebt „erfreuliche Renaissance“

Konsulatsvertreterin Emöke Barabás berichtete daraufhin, dass die Kultur der deutschen Minderheit in Ungarn mittlerweile eine „erfreuliche Renaissance“ erlebe. So wird beispielsweise der 19. Januar in dem osteuropäischen Land seit 2012 als Gedenktag für die vertriebenen Ungarndeutschen gefeiert.

Die besondere Integrationsleistung der Stadt Geretsried hob Staatssekretärin Sylvie Stierstorfer hervor. „Geretsried ist etwas Einmaliges in Bayern“, lobte sie. Die Unterzeichnung der Charta der Heimatvertriebenen habe dazu beigetragen, dass der einstige „Eiserne Vorhang“ nach Osteuropa durchlässig wurde. Dennoch mahnte sie, sich weiterhin für Frieden einzusetzen: „Wir haben noch viel zu tun, damit dieses friedliche Europa erhalten bleibt.“

Zweite Bürgermeisterin Sonja Frank stieß ins selbe Horn. „Ich hoffe, dass wir weiterhin offen und wertschätzend miteinander umgehen“, wünscht sie sich. BdV-Bezirksvorsitzender Paul Hansel würdigte vor allem die wirtschaftlichen Verdienste der Heimatvertriebenen. „Sie haben allein in Bayern rund 22 000 Handwerksbetriebe gegründet und damit wesentlich zur importierten Industrialisierung beigetragen“, lobte Hansel.

Mit der Niederlegung einer Blumenschale vor dem Jakob-Bleyer-Gedenkstein und einem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Geretsried endete für die prominenten Gäste die Feierstunde. Peter Hermann

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