Chlorsulfonsäure ausgetreten

Großalarm bei Pharmaunternehmen

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Geretsried - Bei einem Arzneimittelhersteller in Geretsried ist am Donnerstagnachmittag Chlorsulfonsäure ausgetreten. Der Großeinsatz dauerte bis in die Abendstunden.

Die Brandmeldeanlage des Arzneimittelproduzenten Bene-Pharma-Chem an der Bayerwaldstraße in Geretsried schlug kurz vor 15 Uhr Alarm. Den ersten Meldungen zufolge, die die Mitarbeiter der Rettungsleitstelle in Weilheim erreichten, war in dem Unternehmen eine Chemikalie ausgetreten. Die Mitarbeiter hätten das Gebäude bereits verlassen.

Nur Minuten später war ein Großaufgebot von Feuerwehr, Bayerischem Roten Kreuz und Polizei vor Ort, die Bayerwaldstraße wurde abgeriegelt. „Nach den bisherigen Feststellungen ist bei einem Produktionsprozess in einem abgeschlossenen Raum Chlorsulfonsäure ausgetreten und hat den Brandmelder ausgelöst“, berichtete rund eine Stunde später Walter Siegmund, Leiter der Polizeiinspektion Geretsried, auf Nachfrage unserer Zeitung. Der Produktionsprozess bei Bene-Pharma-Chem sei nach dem Austritt des Stoffes sofort gestoppt worden. Siegmund: „Aus dem abgeschlossenen Raum konnte die Säure nicht nach außen entweichen.“ Weder für die Mitarbeiter der Firma noch für die Menschen in der Umgebung oder die Umwelt habe eine Gefahr bestanden, betonte Siegmund. Die farblose, stechend riechende Flüssigkeit sei nicht brand- oder explosionsgefährlich.

Bilder: Großer Gefahrgut-Einsatz in Geretsried

Der Stoff war in dem zirka vier mal vier Meter großen Raum aus noch ungeklärter Ursache beim Nachfüllen eines Edelstahltanks freigeworden, erläuterte Kreisbrandinspektor Christian Sydoriak. Zunächst habe man mit der Werksleitung vereinbart, abzuwarten, bis sich der Druck in den Pumpleitungen reduziert. Sollte dies nicht zu einer völligen Entschärfung der Lage führen, müsse die Feuerwehr erneut auf den Plan gerufen werden. Dies war gegen 17 Uhr der Fall, per Sirene wurden die Einsatzkräfte zurück an die Bayerwaldstraße gerufen. Im Anschluss an eine Lagebesprechung, an der ein Fachberater der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried sowie ein Vertreter des Landratsamtes teilnahmen, erklärte Einsatzleiter Sydoriak gegen 19 Uhr: „ Wir führen umfangreiche Messungen durch und lassen den Bereich durch die Polizei weiträumig absperren.“ Es sei geplant, ein Fenster des Produktionsraumes aufzubrechen „und das eventuell austretende Medium mit einem Wasservorhang niederzuschlagen“. Vereinfacht gesagt, würde das Wasser die Chlorsulfonsäure auflösen. „Wir haben dann vor, einen Trupp unter Vollschutz in das Gebäude zu schicken“, ergänzte Sydoriak.

Carl-Christian Eick

Chlorsulfonsäure

ist zwar nicht giftig, aber stark ätzend. Wird die Chemikalie eingeatmet, drohen schwerwiegende Verletzungen, die zum Tod führen können. Bei Kontakt können außerdem schwere Augen- und Hautschäden auftreten. Laut einem Sicherheits-Datenblatt, das die Einsatzkräfte in einer gestern kurzfristig einberufenen Pressekonferenz verteilten, wird die Säure unter anderem zur Produktion von Pharamazeutika und Farbstoffen verwendet. Die Geretsrieder Firma Bene-Pharm-Chem stellt damit laut Werksleiter Reiner Laible einen Arzneimittelwirkstoff her. Er wird für ein Medikament benötigt, das bei Durchblutungsstörungen verschrieben wird. Chlorsulfonsäure ist nicht brennbar, bildet allerdings bei der Reaktion mit Metall Wasserstoff. Dieser ist an der Luft ist hochexplosiv. Zudem reagiert die Säure heftig mit Wasser.

Chlorsulfonsäure hat einen pH-Wert von unter 1, ist bei Raumtemperatur flüssig und riecht beißend. Sie siedet bei gut 150 Grad. Ihr Dampf ist schwerer als Luft und sinkt zu Boden.

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