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Hinterhalt: Künstler und Poetry-Slamerin erinnern an Attentat auf Satire-Zeitschrift

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Von: Peter Herrmann

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Poetry-Slammerin Meike Harms
Poetry-Slammerin Meike Harms setzte sich im Hinterhalt kritisch mit der Definition von Freiheit auseinander. © Hans Lippert

Der Angriff auf die Redaktion des Satire-Magazins „Charlie Hebdo“ ist und bleibt im Geltinger Hinterhalt unvergessen. Auch heuer wurde daran mit einem Abend erinnert.

Gelting – Radikale Islamisten stürmten am 7. Januar 2015 die Pariser Redaktionsräume der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und ermordeten im Anschluss zwölf Menschen. Ein Ereignis, dem die Kulturbühne Hinterhalt seither mit politisch-künstlerischen Abenden an den jeweiligen Jahrestagen gedenkt. „Für uns ist es nach wie vor ein wichtiger Tag, auch wenn die Welle der Solidarität in den vergangenen sieben Jahren merklich abgenommen hat“, betonte Assunta Tammelleo am Freitagabend.

Die Vorsitzende des Kulturvereins Isar-Loisach (KIL) hatte mit der Unterstützung des Bunds für Geistesfreiheit, der Giordano-Bruno-Stiftung sowie dem Verein „Das andere Bayern“ erneut ein Programm mit verschiedenen Künstlern zusammengestellt.

Den Anfang machte die Poetry-Slammerin Meike Harms, die mit temporeich vorgetragener Lyrik die volle Aufmerksamkeit der wenigen zugelassenen Besucher erforderte. Viele Applaus erhielt sie für Wortspiele um den fiktiven Zoo-Spaßvogel „Fink positiv“ sowie humorvollen Parodien auf den verstorbenen Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki und den Deutschrocker Marius Müller-Westernhagen. Letzterer sang einst das Lied „Freiheit“, das mittlerweile spaziergehende Corona-Maßnahmen-Kritiker als Hymne vereinnahmt haben. Harms schaffte hier den Brückenschlag zum Motto des Abends. „Meinungsfreiheit bedeutet nicht, alle zu diskriminieren und zu hassen, die anders sind als du und so nicht in dein Weltbild passen“, mahnte die Künstlerin.

Ihr folgte der Kabarettist HG Butzko, der für seinen halbstündigen Auftritt sogar die lange Anreise aus Berlin in Kauf nahm. Seine Ausführungen zur „veritablen Schieflage“ eines profitorientierten und rationalisierten Gesundheitssystems garnierte der in Gelsenkirchen aufgewachsene Satiriker wahlweise mit Berliner und Ruhrpott-Dialekt sowie irrwitzigen Gesten.

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Musikalischer Höhepunkt und krönender Abschluss des kurzweiligen Abends war der Auftritt des kabarettistischen Boogie-Woogie-Pianisten Martin Schmitt. Im Hinterhalt fand er einen perfekt gestimmten Stutz-Flügel vor, den die Geretsrieder Musikerfamilie Vollmer der Kulturbühne vor einigen Monaten überlassen hatte. Besonders zur Geltung kam das Instrument bei der abschließend in sächsischer Mundart vorgetragenen Version des Tom-Jones-Klassikers „Sexbomb“. Hier bewies der am Pilsensee lebende Schmitt, dass er das Zeug zur Rampensau hat und in Vor-Pandemie-Zeiten weitaus größere Veranstaltungsorte zum Beben gebracht hatte.

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Mit Livestream-Engagements hält sich der 53-Jährige derzeit ebenso über Wasser wie die Kulturbühne Hinterhalt, die nunmehr seit fast zwei Jahren auf diese Variante setzt und den Künstlern über PayPal-Spenden so auch in den kommenden Monaten eine kleine Aufwandsentschädigung gewährt.

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