Die Stimulators auf der Bühne
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Grandios: Die Stimulators waren einer der Höhepunkte der Livestream-Reihe aus dem Hinterhalt

Hinterhalt in Gelting

Schon über 80.000 Zuschauer: Livestream-Programm ist eine Erfolgsgeschichte

  • vonPeter Herrmann
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Kulturveranstaltungen sind nicht möglich in Zeiten der Pandemie, oder? Der Kulturverein Isar-Loisach (KIL) beweist das Gegenteil: Mit Livestreams begeistern die Kulturschaffenden aus dem Hinterhalt in Gelting seit einem Jahr ein großes Publikum.

Aller Anfang war schwer. Weil die Kulturbühne Hinterhalt im Frühjahr 2020 coronabedingt für die Öffentlichkeit geschlossen werden musste, wagte der Kulturverein Isar-Loisach (KIL) ein Experiment: Mithilfe von Kameramann Thorsten Thane und dem Tontechniker Hendrik Noeller sowie der Unterstützung vieler engagierter Vereinsmitglieder gelang es, die Lesung des Psychotherapeuten und Autors Dr. Pablo Hagemeyer per Livestream auf einem eigenen YouTube-Kanal ins Internet zu übertragen. Bei der Premiere stellte sich heraus, dass die Kulturbühne überhaupt nicht die technischen Voraussetzungen für die Realisierung derartiger Projekte erfüllt. Nur weil das im selben Gebäude ansässige IT-Unternehmen Infoteq damals ein leistungsstarkes Kabel in die Kellerbühne verlegen ließ, konnten die ersten Livestream-Aufzeichnungen gerettet werden.

Die Ausstattung wuchs mit den Herausforderungen - inzwischen ist sie „besser als in einem Fernsehstudio“

Mittlerweile sind diese Startschwierigkeiten fast in Vergessenheit geraten. Es gibt neue Anschlüsse, eine erweiterte Bühne und hochwertigeres Equipment. „Es ist hier noch besser als in einem Fernsehstudio“, stellte Peter Schneider fest. Der Münchner Musiker trat mit seiner Band The Stimulators gleich mehrmals unter diesen besonderen Voraussetzungen auf. Am Gründonnerstag war er zusammen mit dem Gitarristen Titus Vollmer sowie Sponsoren, Helfern und dem Dritten Geretsrieder Bürgermeister Gerhard Meinl zu Gast in der Kulturbühne. KIL-Mitglied Daniela Satzinger hatte zuvor bei jedem Besucher einen Corona-Schnelltest durchgeführt.

Unterzogen sich einem Corona-Schnelltest, um danach die neuen Jubiläums-T-Shirts in Empfang zu nehmen: (vorne v. li.) Ines Lobenstein von der Corona-Teststation in Wolfratshausen, KIL-Vorsitzende Assunta Tammelleo, die KIL-Mitglieder Bernd und Daniela Satzinger sowie Nikolaus Sanktjohanser. Hinten v. li.: Tontechniker Hendrik Noeller, Hinterhalt-Eigentümer Wolf Steinberger, Geretsrieds Dritter Bürgermeister Gerhard Meinl, Kameramann Thorsten Thane und Bühnenlicht-Ausstatter Günter Klügl.

Hoffnung ist Gewissheit, dass etwas Sinn hat, ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht“

Gerhard Meinl zitierte den Philosophen Ernst Bloch

Nachdem Schneider und Vollmer die ungewöhnliche Pressekonferenz mit Gitarrenmusik eröffnet hatten, lobte Meinl den Kulturverein für sein Durchhaltevermögen und zitierte den deutschen Philosophen Ernst Bloch (1885 - 1977): „Hoffnung ist Gewissheit, dass etwas Sinn hat, ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.“

Livestreams in Zahlen

Anlässlich des einjährigen Livestream-Jubiläums ließ der Kulturverein Isar-Loisach (KIL) ein schwarzes T-Shirt mit dem Logo der Kulturbühne Hinterhalt und mehreren Zahlen bedrucken.

Deren Bedeutung erklärte KIL-Kameramann Thorsten Thane beim Pressegespräch am Gründonnerstag. So wurden die bislang 62 Konzerte, Lesungen, Diskussionsrunden und Kabarettveranstaltungen insgesamt 81 843 Mal im Internet angeklickt. 678 Nutzer abonnierten den YouTube-Kanal des Kulturvereins. Viele von ihnen hinterließen laut Thane per PayPal auch Spenden in Höhe von jeweils 5 bis 1500 Euro.

Stadt fördert Engagement finanziell

Dass sich mit Kultur ohnehin kaum Geld verdienen lasse, betonte Hinterhalt-Eigentümer Wolf Steinberger. „Der Kauf der Kulturbühne war aus ökonomischer Sicht sicherlich die schlechteste Entscheidung meines Lebens. Aber: „Ich habe hier schon viele kulturelle Sternstunden erlebt. KIL-Vorsitzende Assunta Tammelleo bedankte sich in diesem Zusammenhang für die finanzielle Unterstützung der Stadt Geretsried, die den Kulturverein im vergangenen Jahr mit 16 000 Euro gefördert hatte.

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Dass diese stattliche Summe gut angelegt ist, unterstrichen die beiden Tontechniker Hendrik Noeller und Marius Hammerschmied. Beide kennen den Hinterhalt schon seit ihrer Teenagerzeit. „Für die nächsten Livestream-Veranstaltungen haben wir noch ein paar Überraschungen auf Lager“, versprach Hammerschmied. ph

Der Kulturverein engagiert sich während der Corona-Pandemie nicht nur im Hinterhalt: Am Schwankl-Eck in Wolfratshausen hat der Verein zusammen mit anderen Ehrenamtlichen eine Teststube eröffnet - schon über 2000 Abstriche wurden dort genommen.

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