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Schulalltag im Iran: Spenden aus der Aktion sollen der Schule in Torbate-Jam zugute kommen. Sie liegt in einer der ärmsten Regionen des Landes.

Besonders Frauen bleibt Bildung und Arbeit verwehrt

Eine Brücke in den Iran: Lehrer-Ehepaar will Hilfsprojekt aufbauen und sucht Unterstützer

Leila Zouri und ihr Mann Hamid haben sich im Iran für ihre Mitmenschen eingesetzt, denen es schlecht geht. Nun wollen sie von Deutschland aus eine „Brücke in den Iran“ bauen.

Geretsried – Leila Zouri besuchte kürzlich die Filmvorführung „Joy in Iran“ in der Geltinger Kulturbühne Hinterhalt. „Die Arbeit der ,Clowns ohne Grenzen‘ berührt mich sehr“, sagte die gebürtige Iranerin aus Maschhad im Anschluss. Filmemacher Walter Steffen hatte die Truppe mit der Kamera in den Iran begleitet. Jährlich reisen die Clowns mit den roten Nasen weltweit in Krisenregionen, um Kindern ein Lächeln zu schenken – eine beispiellose Hilfsaktion, die sich nicht in die Politik einmischt, dafür aber von Herzen kommt. Auch Leila Zouri und ihr Mann Hamid, beide Pädagogen, haben sich in ihrer Heimat für ihre Mitmenschen eingesetzt, denen es finanziell und sozial sehr schlecht geht. Nun wollen sie auch von Deutschland aus eine „Brücke in den Iran“ bauen und suchen Mitstreiter.

Suchen Mitstreiter für ein Hilfsprojekt: Die Wahl-Geretsrieder Leila und Hamid Zouri, beide Lehrer an der Montessori-Schule Biberkor in Höhenrain.

Seit sechs Jahren leben die Zouris im Oberland, zuerst in Eurasburg, seit zwei Jahren in Geretsried. Sie verließen ihr Heimatland, damit ihre beiden Kinder in einem freien, demokratischen Land aufwachsen können. Es sei kein einfacher Schritt gewesen zu gehen, erinnert sich Leila Zouri. 15 Jahre lang arbeiteten sie und ihr Mann als Lehrer in der Kleinstadt Torbate-Jam. Sie liegt in einer der ärmsten Regionen des Landes an der Grenze zu Afghanistan. Dort herrscht hohe Arbeitslosigkeit. Junge Menschen haben keine Perspektive. Sie leben fundamental und traditionell, schildert die 45-Jährige das Leben in ihrer alten Heimat.

Besonders den Frauen bleibt Bildung und Arbeit verwehrt. Sie leben in Abhängigkeit ihrer Ehemänner. Leila Zouri weiß, was passiert, wenn diese Frauen mit ihren Kindern vom Mann verlassen werden. „Sie stehen mittellos da, ohne Lebensunterhalt und ohne medizinische Versorgung.“ Als Lehrerin an der örtlichen Schule bekam sie viele solcher Schicksale mit. Sie gründete eine Lehrer-Initiative, die Spenden sammelten, um das Nötigste für die Lebensgrundlage und Arztbesuche zu finanzieren. Insbesondere lagen ihr und ihrem Mann Kinder mit Behinderung nahe. „Sie werden vor der Öffentlichkeit versteckt und leben in absoluter Isolation.“

Leila Zouri hat Kommunikationswissenschaften und Sozialarbeit in Maschhad studiert, ihr Mann Hamid Lehramt Mathematik. Seitdem die iranische Familie in Bayern lebt, arbeiten sie als Pädagogen, zuerst an der Berufsschule in Bad Tölz und inzwischen an der Montessori-Schule Biberkor in Höhenrain. Ein vergleichbares Schulkonzept, das für Inklusion und besondere Lernförderung steht, gebe es im Iran nicht, weiß die 45-jährige Pädagogin, die auch als Journalistin in ihrer Heimat tätig war. In der Montessori-Schule werden Kinder und Jugendliche von der Grundschule bis zum Abitur individuell gefördert. Förderbedürftige und hochbegabte, nicht behinderte und behinderte Schüler lernen und arbeiten gemeinsam.

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Die Zouris haben immer noch eine enge Verbindung zu der Schule in Torbate-Jam und möchten ein Hilfsprojekt aufbauen. Sie suchen Mitstreiter für eine gemeinsame Idee. Sie möchten vorerst Spenden sammeln, die direkt der Schule zugute kommt, dafür bürgen die Zouris. „Das ist ein erster Schritt für eine Brücke in den Iran.“

Kontakt

Wer sich gerne mit der Familie Zouri in Verbindung setzen möchte, kann sich per E-Mail an den Kulturverein Isar-Loisach wenden. Die Adresse: kontakt@kulturverein-isar-loisach.de.

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