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Er war der dienstälteste Schützenmeister im Isar-Loisach-Gau: Nach 56 Jahren hat Herbert Mieseler den Vorsitz der Sportschützen Geretsried abgegeben. Das Foto zeigt ihn mit der Ge burtstagsscheibe zu seinem 70. 

Sportschützen: Nach 56 Jahren gibt Herbert Mieseler seinen Vorstandsposten ab

40 Mark und ein Kurbelstand

56 Jahre lang prägte Herbert Mieseler den Sportschützenverein Geretsried. Nun hat der 82-Jährige den Vorstandsposten abgegeben.

Geretsried–  Im Interview mit unserem Mitarbeiter Rudi Stallein blickt er zurück auf eine erfolgreiche Zeit, die ihm viel Spaß und zuletzt auch mal Verdruss gebracht hat und verspricht: „Ganz verschwinden werde ich nicht.“

Herr Mieseler, wie schwer fällt Ihnen der Abschied?

Nach 56 Jahren aktivem Dienst als Vorstand steckt natürlich sehr viel Herzblut in dem Verein. Da ist es schwer, das abzuschließen. So ganz werde ich ihn sicher nie loswerden.

Sicher erinnern Sie sich noch an die Anfänge?

Ich habe 1961 den Verein übernommen. Da waren 40 Mark in der Kasse. Ein Luftgewehr haben wir gehabt, mit Knicklauf. Und so einen Kurbelstand, da musste man die Scheibe noch mit der Hand vor- und wieder hinterkurbeln. Heute haben wir elf vollautomatische Stände, elektrisch, und wir haben ein eigenes Schützenheim. Wir hatten keinen Pokal, keine Schützenkette, nichts, gar nichts. Das kam alles erst langsam. Mitglieder hatten wir am Anfang zirka 15, heute sind es an die 80, aber nur etwa 25 Aktive.

Wie hat sich der Verein im Laufe der Jahre entwickelt?

Der Verein ist aus einer Schützensparte der Freiwilligen Feuerwehr Geretsried entstanden. Da haben sich ein paar Männer zusammengetan und in ihrer Freizeit geschossen. Erst in der Gaststätte Korb, dann in Stein in der Gaststätte Friedrich. Von der Gaststätte Böhm auf der Böhmwiese sind wir rüber ins Bürgerstübl. Dort sind wir ein bisschen gewachsen. Als der alte Schindler gestorben ist, sollten wir 2000 Mark Miete zahlen. Weil wir das nicht konnten, sind wir ausgezogen. Da habe ich dem damaligen Bürgermeister Heinz Schneider gesagt: Wir haben kein Domizil mehr, wir müssen den Verein auflösen. Daraufhin sagte er: Ich gebe Euch die alte Turnhalle, da macht ihr ein bisschen was draus. Das haben wir dann in Eigenleistung vor gut 40 Jahren zum Schützenheim ausgebaut.

Woran erinnern Sie sich rückblickend besonders gern?

Was ich sehr gern gehabt habe, war das Fünf-StädteTurnier. Vergangenes Jahr haben wir 40-Jähriges gefeiert. Dazu gehören die Vertriebenenstädte Geretsried, Neutraubling, Waldkraibung und Traunreut. Neugablonz ist leider ausgestiegen. Da bin ich immer noch scharf hinterher: Dieses Turnier möchte ich nicht sterben lassen.

In fast 60 Jahren gab es sicher auch einige Probleme.

Ja, natürlich. Immer schwierig war die Zeit, in der wir noch in Gaststätten geschossen haben. Da ist so viel kaputt gegangen, durch das ewige Auf- und Abbauen. Und wir sind in den Wirtschaften nicht gern gesehen gewesen. Wir waren ja ein Sportverein, kein Saufverein. Es wurde halt zu wenig Umsatz gemacht.

Schießen Sie eigentlich selbst noch?

Früher konnte man nicht mehr schießen, wenn man gebrechlich geworden war. Aber nach der neuesten Satzung des Bayerischen Sportschützenbunds darf man auch aufgelegt schießen. Und wer körperlich behindert ist, darf sich sogar hinsetzen und schießen. Das mache ich halt. Ich habe beide Kniegelenke und beide Hüftgelenke erneuert. Wenn man 40 Schuss machen muss, steht man eine Stunde. Das ist nicht mehr drin.

Warum sind Sie jetzt zurückgetreten?

Ich werde 82 Jahre alt, bin – wie gesagt – körperlich eingeschränkt. Und dann diese ganzen Neuerungen; heute geht doch nichts mehr ohne Laptop und Smartphone. Das habe ich alles nicht. Das würde ich mir auch gar nicht zutrauen. Es wird immer komplizierter. Und es ist so viel Bürokratie, alles wird reglementiert. Da habe ich schon öfter mal gesagt: Ihr könnt mir jetzt langsam den Buckel runterrutschen.

Was möchten Sie Ihrem Nachfolger Karl Werder mit auf den Weg geben?

Das wichtigste, das allerwichtigste ist die Jugendarbeit. Die Jugend ist unser Leben. Wer keinen Nachwuchs mehr hat, der lebt nicht mehr lang. Aber das hat er schon gefressen, das haben wir ihm schon eingetrichtert (lacht).

Sie haben sich nach 30 Jahren aus dem Stadtrat verabschiedet, nun den Schützen-Vorstand abgegeben. Ist Ihnen nicht schrecklich langweilig?

Nein, auf keinen Fall. Die Schützen bleiben mir ja. Dann gehe ich angeln. Ich bin noch alle 14 Tage beim Treffen der Feuerwehrsenioren. Und ich habe gute Beziehungen zu Südtirol, wo ich mir bei einem Bergbauern vor 50 Jahren ein Zimmer ausgebaut habe. Da bin ich wie daheim.

Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann gar nichts mehr zu machen?

Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Das geht nicht (lacht).

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