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Läuft: Die Erweiterung der Karl-Lederer-Grundschule ist in vollem Gange. „Wir schauen, dass wir die Hülle zubekommen, damit wir bald mit dem Innenausbau starten können“, sagt Stadtbaurat Rainer Goldstein. Die neuen Räume sollen im August an die Schule übergeben werden. Dann laufen im besten Fall schon die Arbeiten für das interkommunale Hallenbad, das an der Adalbert-Stifter-Straße entstehen wird. „Das wird das größte Bauvorhaben, das wir bis dato jemals durchführt haben.“ 

„Wir wollen eine lebendige Ortsmitte“ 

100 Tage im Amt: Diese Pläne hat der Stadtbaurat für Geretsried 

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Seit 100 Tagen ist Geretsrieds erster berufsmäßiger Stadtrat, Rainer Goldstein, im Amt. Im Gespräch berichtet der Stadtbaurat, wie er sich eingelebt hat.

Geretsried – Rainer Goldstein ist der Nachfolger von Jochen Sternkopf, der das Bauamt 25 Jahre leitete. In seiner vorerst sechsjährigen Dienstzeit in Geretsried sind einige Großprojekte am Laufen. 

-Herr Goldstein, wo im Rathaus gibt’s den besten Kaffee?

(schmunzelt) Der Rathauskeller ist eine gute Anlaufstelle. Dort steht eine abteilungsübergreifende Kaffeemaschine, die auch von den Kollegen sehr nett gepflegt und mit Milch versorgt wird. Und beim Herrn Bürgermeister, da gibt’s sehr guten Kaffee. Das trifft sich gut, weil wir momentan viele Themen zu besprechen haben. Da bin ich öfter mal.

-Sie sind jetzt seit 100 Tagen im Amt. Wie haben Sie sich eingelebt?

Sehr gut. Ich nehme es so wahr, dass die Kollegen total aufgeschlossen und freundlich sind. Ich bin mit offenen Armen aufgenommen worden. Auch mein Team im Bauhof und hier im Bauamt ist toll. Es macht Spaß, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Ich fühle mich hier rundum wohl.

-Konnten Sie sich schon mit allen Themen vertraut machen?

Ich war in allen Dienststellen und kenne die Arbeitsbereiche meiner 46 Mitarbeiter, die sich Tag für Tag für unsere Bürger in Geretsried einsetzen. Aber ich muss gestehen, dass ich noch nicht in allen Details drinnen bin. Das Feld, das wir im Bauamt beackern, ist wahnsinnig weit. Das geht vom Winterdienst über die Straßenreinigung, von der Pflege des Stadtwalds bis zur Begutachtung von Spielplätzen. Wir sanieren Straßen, bauen kommunale Gebäude und kümmern uns um deren Unterhalt. Nicht zu vergessen unsere großen Projekte wie das interkommunale Hallenbad, die „Neue Mitte“, die B11-Verlegung, die Verlängerung der S-Bahn und das Thema bezahlbarer Wohnraum. Das erfordert viel Zeit. Über mangelnde Arbeit können wir uns nicht beklagen.

-Mussten Sie sich schon Klagen von Bürgern anhören?

Auch das. Zurzeit geht es viel um das Thema Bäume. Wenn wie beispielsweise am Isardamm oder am Traubenweg welche gefällt werden, melden sich die Bürger bei uns, weil wir ja eine Baumschutzverordnung haben. Aber wenn es sich um einen Schädlingsbefall handelt, muss reagiert werden. Hier versuchen wir aufzuklären.

-Vor Ihrem Amtsantritt waren Sie Referent im bayerischen Innenministerium. Wie lassen sich diese Kontakte für Geretsried nutzen?

Einen direkten Vorteil hat die Stadt davon natürlich nicht. Aber ich war zehn Jahre in der Staatsbauverwaltung tätig. Ich weiß, wer fachlich für was zuständig ist, und ich kenne Strukturen und Arbeitsabläufe. Allein die Arbeit des anderen zu kennen und das in seiner eigenen Arbeit berücksichtigen zu können, ist sehr hilfreich.

-Bürgermeister Michael Müller will mit Ihrer Hilfe die S-Bahn-Verlängerung vorantreiben. Haben Sie schon Ideen, wie Sie das bewerkstelligen können?

Zuerst: Die Stadt Geretsried ist nicht die Vorhabensträgerin. Die geplante Verlängerung ist ein Projekt des Bundes und damit der Bahn. Wir hoffen, dass die Planungen jetzt fertig werden und das Eisenbahnbundesamt in diesem Jahr mit der Prüfung beginnt und dann die Freigabe erteilt. Wünschenswert wäre, wenn die Regierung von Oberbayern möglichst noch in diesem Jahr mit dem Anhörungsverfahren beginnen kann. Wir unterstützen und schauen, wie wir unsere Arbeit eintakten können, damit die Verfahren besser und bestenfalls schneller vorangehen.

-Können Sie uns ein Beispiel nennen?

Eingriffe in die Natur und Landschaft müssen immer ausgeglichen werden. Das betrifft auch die Verlängerung der S-Bahn. Wir helfen, indem wir Informationen zu möglichen Ausgleichsflächen bereitstellen. 2028 könnte die S-Bahn nach Geretsried fahren. Die drei vorgesehenen Bahnhöfe sollen ja nicht irgendwo isoliert liegen. Wir stellen gerade Überlegungen an, wie wir beispielsweise Park & Ride-Plätze andocken können.

-Eng mit der S-Bahn-Verlängerung verknüpft ist die Verlegung der B11.

Die Verlängerung der Gleise, die Entwicklung der Haltepunkte und die Verlegung der B11 an den Schwaigwaller Hang, das alles muss zusammen funktionieren. Unser Ziel ist es, dass wir eine integrierte Planung hinbekommen. Das heißt, wir schauen, wie wir die Verfahren so strukturieren können, dass keiner auf den anderen warten muss. Das wird die große Kunst sein. Denn es kann nicht sein, dass irgendwann die S-Bahn kommt und die Stadt nicht die Möglichkeit hat, gleichzeitig eine Infrastruktur herzustellen. Das wäre ein Wahnsinn, wenn wir dort eine Bahn hätten, aber keinen Bus, der dort hält, keine Autostellplätze und keine Radlständer.

-Diese Überlegungen stellen Sie aber nur intern an.

Es geht darum, dass das Planfeststellungsverfahren anlaufen kann. Wenn das langsam Fahrt aufnimmt, entsteht Planungssicherheit. Das wird der Moment sein, in dem es Zeit wird, auch mit dem Bürger zu diskutieren, wie sich Geretsried zur S-Bahn hin entwickelt. Es wäre erstaunlich, wenn wir da jetzt schon etwas anstoßen und es dann doch wieder zu Verzögerungen kommt.

-Die Planungen für die B11-Verlegung hat das Staatliche Bauamt in Weilheim übernommen. Was können Sie tun, um das Verfahren zu beschleunigen?

Es geht jetzt darum, dass dort alle benötigten Unterlagen möglichst rasch zusammengetragen werden, das unterstützen wir natürlich. Sobald der Bund die Maßnahme genehmigt hat, kann das Planfeststellungsverfahren beginnen.

-Das bestimmende Thema Ihrer – vorerst – sechsjährigen Amtszeit ist mit Sicherheit die „Neue Mitte“. Welche Rolle kommt Ihnen dabei zu?

Die „Neue Mitte“ ist nicht das, aber sicher ein bestimmendes Thema. Aktuell schaffen wir Baurecht für das Wohn- und Geschäftshaus der Baugenossenschaft an der Egerlandstraße. Die ursprünglich lange Fassade soll aufgebrochen werden. Das tut dem Stadtbild gut und wertet es noch einmal auf. Aber: Bei der „Neuen Mitte“ geht’s nicht nur um einen Investor, die Baugenossenschaft oder die Stadt. Es gibt da auch noch die Interessen der Händlerschaft und die der Bürger. Der neue Marktplatz soll mit Leben gefüllt werden. Leute sollen in Cafés sitzen, bummeln und sich draußen aufhalten. Ob alt oder jung, jeder hat Bedürfnisse. Da wird ein Aushandeln nötig sein. Das wollen wir mit Hilfe der Bürgerbeteiligung schaffen. Wir wollen eine attraktive und lebendige Ortsmitte schaffen. Das liegt mir am Herzen. Auf diesen Prozess freue ich mich.

-Sie haben Erfahrung in der Stadtentwicklung und Städtebauförderung. Gibt es neben dem Bund-Länder-Förderprogramm „Soziale Stadt“ weitere Programme, die Geretsried nutzen könnte?

Wir prüfen gerade, ob es auch für die Entwicklung der „Neuen Mitte“ staatliche Zuschüsse gibt. Was die Stadterneuerung angeht, haben wir ja schon einiges abgearbeitet, und wir wollen noch ein paar Dinge anstoßen. Am Johannisplatz läuft gerade eine Verkehrsuntersuchung. Im Quartier rund um den Neuen Platz ist ja auch schon einiges passiert. Aber wir wollen das Gespräch mit den Wohnungseigentümern am Chamalièresplatz suchen. Vielleicht bekommen wir da eine Aufwertung des Platzes hin.

-Außerdem soll in Stein ein Bürgerhaus entstehen.

Der Stadtrat hat beschlossen, dort ein Bürgerhaus zu errichten. Aktuell beginnen wir mit den Vorbereitungen und dann möglichst rasch mit der Auslobung für den Architektenwettbewerb.

-Welche Zukunftsvision haben Sie für die größte Stadt im Landkreis?

Es wird darum gehen, Geretsried mit der S-Bahn noch näher an den Münchner Raum heranzubringen und unsere gute Infrastruktur weiter zu verbessern. Und dass es gelingt, die B11 parallel zur S-Bahn zu führen, um neue Entwicklungsmöglichkeiten für Geretsried zu bekommen. Wir haben sehr viele Anfragen nach bezahlbarem Wohnraum. Das wird die Zukunft der Stadt bestimmen.

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