Das Interesse war groß: Im Gasthof zur Mühle stellten Christiane Regauer und Andreas Scharli von der EWO einen Energienutzungsplan für die Gemeinde Eurasburg vor.
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Das Interesse war groß: Im Gasthof zur Mühle stellten Christiane Regauer und Andreas Scharli von der EWO einen Energienutzungsplan für die Gemeinde Eurasburg vor. Redet miteinander und redet mit eurem  Heizungsbauer. Bürgermeister Moritz Sappl

Öffentliche Gemeinderatssitzung

107 Beuerberger erwärmen sich für die Idee einer Dorfheizung

Die Energiewende Oberland hat für die Gemeinde Eurasburg einen Energienutzungsplan vorgelegt. Ihr Fazit: Es gibt noch viel Potenzial.

Eurasburg – Die Gemeinde Eurasburg hat sich zum Ziel gesetzt, in den kommenden Jahren unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden. Das Kompetenzzentrum der Energiewende Oberland (EWO) in Penzberg hat deshalb für sie einen Energienutzungsplan entworfen. Christiane Regauer und Andreas Scharli stellten ihn im Rahmen einer öffentlichen Gemeinderatssitzung im Gasthaus zur Mühle in Beuerberg vor.

„Die aktuelle geopolitische Krise sowie der mittlerweile spürbare Klimawandel erfordern eine zügige Umsetzung der Energiewende vor Ort, damit unsere Region zukunftsfähig bleibt“, schreibt Bürgermeister Moritz Sappl im Vorwort zu dem Untersuchungsergebnis, das demnächst auch auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht wird.

Gesamtenergieverbrauch der Eurasburger zu 42 Prozent bei Wärme

Den Erhebungen der EWO zufolge liegt der Gesamtenergieverbrauch der Eurasburger zu 42 Prozent bei der Wärme, zu 38 Prozent beim Verkehr und zu 19 Prozent beim Strom. Der Stromverbrauch beträgt 20.000 Megawattstunden pro Jahr. 50 Prozent davon können derzeit durch die erneuerbaren Energien Photovoltaik (PV), Biomasse und Wasserkraft gedeckt werden.

Christiane Regauer meinte, die 200 PV-Anlagen in der Gemeinde seien zwar viel, aber von den geeigneten Dachflächen würden gerade einmal 13 Prozent genutzt. Sie empfiehlt den Bürgern, ins Solarkataster des Landkreises zu schauen. Dort kann jeder sehen, ob sein Dach für eine Anlage in Frage kommt.

Großes Potenzial steckt in PV-Freiflächenanlagen

Großes Potenzial stecke in PV-Freiflächenanlagen, sagte Regauer. Die Windkraft hat die EWO vorerst ausgeklammert, weil sie überregional und nicht von den Gemeinden geregelt wird. Die Grünen-Gemeinderäte Hans Urban und Jakob Koch regten dennoch an, eventuell zusammen mit der Nachbargemeinde Münsing auf eigene Faust nach einem Standort zu suchen. Koch: „Wir sollten uns so schnell wie möglich über Windkraft Gedanken machen.“

Schlechter sieht es bei der Wärme mit der Eigenversorgung aus. Andreas Scharli zufolge werden nur etwa 15 Prozent mit Hackschnitzeln, Pellets, Solarthermie und Wärmepumpen erzeugt. In Zukunft seien sicher mehr Wärmepumpen möglich. Auch hier könne der Bürger über den Energieatlas Bayern die Eignung seines Grundstücks checken.

Redet miteinander und redet mit eurem Heizungsbauer.

Bürgermeister Moritz Sappl

In Beuerberg würde sich zudem der Bau eines Nahwärmenetzes anbieten. 107 Bürger signalisierten bei einer Umfrage Interesse, sich anzuschließen. Größter Abnehmer wäre das Kloster Beuerberg, das ohnehin dringend eine neue Heizung braucht. Mit einem Blockheizkraftwerk könnte man von den derzeit 400.000 Litern Heizöl – 1100 Tonnen Kohlendioxid – pro Jahr, die in Beuerberg verbraucht werden, wegkommen. In Österreich, so Scharli, würden ganze Dörfer von zentralen Hackschnitzel-Anlagen versorgt. Man müsse jedoch darauf achten, dass nicht zu viel Wärme durch zu lange Leitungen im Erdreich verloren gehe.

Für Eurasburg und Achmühle empfahl der Experte dagegen eher kleinere Insellösungen. Es wäre schon viel erreicht, wenn sich zwei oder drei Nachbarn zusammentun würden, sagte er. Sappl appellierte an die Bürger: „Redet miteinander und redet mit eurem Heizungsbauer.“

Gemeinde sucht Standort für Blockheizkraftwerk

Jakob Koch wollte wissen, wie lange es dauern würde, bis eine „Dorfheizung Beuerberg“ in Betrieb gehen könnte. Viele Bewohner würden ihre alten Ölheizungen dringend austauschen wollen und warteten auf ein Nahwärmenetz. Scharli nannte einen Zeitraum von fünf Jahren realistisch. Sappl sagte, die Gemeinde sei bereits auf der Suche nach einem Standort für ein Blockheizkraftwerk. Zwei Hackschnitzel-Kessel sollten sich dort gegenseitig vertreten können, sodass man keinen Gas-Ersatzkessel bräuchte. Jeder Haushalt sollte darüber hinaus über einen Pufferspeicher von 1000 Litern Fassungsvermögen verfügen. Ziel wäre es, die Nahwärme im Sommer nicht zu benötigen. Eventuell könnte eine Großwärmepumpe am Wasserkraftwerk an der Loisach während der Sommermonate aushelfen.

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Koch erinnerte daran, den Verkehr mit immerhin 38 Prozent Gesamt-CO2-Verbrauch nicht zu vergessen. Der Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) müsse landkreisweit vorangetrieben werden. Weitere Informationsveranstaltungen zur Nahwärme in den Eurasburger Ortsteilen sollen folgen.

tal

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