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Wochenration: (v. li.) Finn (13), Marin (9), Katja (48) und Seraphine (7) Toppe leihen seit Jahren die meisten Medien in der Geretsrieder Stadtb ücherei aus. Die Familie holt sich jeden Donnerstag frischen Lesestoff. 

Familie Toppe ist Top-Ausleiher

1320 Medien in einem Jahr: Wolfratshauser sind Stammgast in Geretsrieder Stadtbücherei

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Ein Leben ohne Bücher ist für sie unvorstellbar: Familie Toppe aus Wolfratshausen leiht sich regelmäßig Medien aus der Geretsrieder Stadtbücherei aus. 2018 waren es 1320.

Geretsried/Wolfratshausen – Wenn Katja Toppe am Donnerstagnachmittag an den Schalter in der Stadtbücherei Geretsried tritt, erntet sie nicht selten verdutzte Blicke der anderen Besucher. Stapelweise schiebt sie Bücher, Hörbücher und manchmal auch DVDs über den Tresen, um sie zurückzugeben. Mit nach Hause nimmt sie wieder genau so viel – so viel, dass sie sich zu Weihnachten einen Tragekorb mit Rollen gewünscht hat. Damit lassen sich die schweren Bücher einfach leichter nach Hause bringen, als mit den Taschen, in die sie früher alles gepackt hat.

Seit Jahren führt Familie Toppe die Liste der Büchereimitglieder an. Sie leiht jedes Jahr die meisten Medien von allen aus. 2018 waren es 1320. Da pro Mitgliedsausweis immer nur 30 Ausleihen möglich sind, versteht es sich von selbst, dass die Familie mehr als nur einen Ausweis hat. „Meist leihen wir in der Woche um die 40 Medien aus, vor den Ferien können es schon mal 60 sein“, sagt Katja Toppe. Die 48-Jährige und ihr Mann haben sechs Kinder: Seraphine (7), Marin (9), Florentine (11), Finn (13), Laurin (15) und Valentin (17). Die Jüngeren waren schon im Maxi-Cosi in der Bücherei – Toppe ist seit 2006 Mitglied.

„Ein Leben ohne Bücher wäre für mich unvorstellbar“, sagt Katja Toppe, als sie die Regale in der Kinder- und Jugendabteilung durchsieht. Es ist wieder Donnerstagnachmittag. Marin ist gerade vom Akkordeon-Unterricht aus der Musikschule auf der anderen Straßenseite gekommen, Finn und Seraphine suchen bereits nach Nachschub. Fündig werden sie schnell. „Ich mag Bilderbücher mit wenig Schrift“, sagt die Siebenjährige. Sie hat „Auf die Plätze, fertig, schnarch!“ in den Rollkorb gesteckt, eine Geschichte über Faultierkinder. „Das ist witzig“, findet Seraphine. Sie weiß das, weil sie das Buch schon kennt. „Vieles leihen wir immer wieder aus“, erklärt Katja Toppe. Früher habe es dann zur Warnung am Tresen gepiepst. „Ich weiß nicht, ob sie es wegen uns abgestellt haben“, sagt die 48-Jährige und lacht.

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Marin ist im Harry-Potter-Fieber und hört ein Hörbuch nach dem anderen. „Ich bin voll im Rausch“, sagt der Neunjährige. Mit den CDs beeilt er sich aber auch aus einem anderen Grund. „Papa hört sie nach mir auf dem Weg zur Arbeit im Auto.“ Marins älterer Bruder Finn mag am liebsten Comics und die Fantasy-Buchreihe Percy Jackson. Auch für die älteren Geschwister daheim finden noch Bücher, Hörbücher und DVDs den Weg in den Rollkorb. Danach schaut Mama Katja noch in der Erwachsenenabteilung nach neuen Romanen.

Ein bis zwei liest die Verwaltungsangestellte pro Woche – abends wird es oft spät, wenn sie das Buch nicht weglegen kann. „Wenn man in eine Geschichte eintaucht, ist das wie eine magische Welt.“ Die Liebe zum Lesen hat Katja Toppe von ihren Eltern. Und sie gibt sie an ihre Kinder weiter.

Während manche Gleichaltrige ihre Freizeit heutzutage mit Streamingdiensten oder Videospielen verbringen, wachsen die Toppes mit Büchern auf. Der Rollkorb mit den Medien aus der Bücherei steht immer im Wohnzimmer. „Wenn ich ein Buch aufschlage, ist mir gleich nicht mehr langweilig“, sagt Marin. Er liest bereits morgens, während er sein Müsli löffelt.

Finn legt sich abends mit einem Buch auf die Couch, während Mama Katja den jüngeren Geschwistern vorliest. Ein bewährtes Ritual. Aktuell sind die Geschichten von Till Eulenspiegel dran. „Das ist zum Kaputtlachen“, urteilt Marin. Seine Schwester erinnert sich gleich an das letzte Erlebnis: „Der Till hat einfach Geld verdient, obwohl er getrickst hat.“

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Die Top-Ausleiher der Geretsrieder Stadtbücherei lesen nicht in der größten Stadt des Landkreises selbst, sondern in Farchet. Dass die Toppes nicht in die Wolfratshauser Bücherei gehen, hat einen einfachen Grund – die Musikschule am Schulzentrum. „Den Unterricht verbinden wir immer mit einem Besuch in der Bücherei“, sagt die 48-Jährige. Ein bis zwei Stunden verbringt die Mutter jedes Mal mit ihren Kindern zwischen den Regalen. „Das ist eine Oase.“ Es sei schön leise, alle Mitarbeiter wären freundlich, und die Sitzsäcke in der umgestalteten Kinder- und Jugendabteilung seien sehr bequem. Die Räume wurden wie berichtet im November renoviert. Einen Monat lang war die Bücherei für den Umbau geschlossen. Ein harter Monat für die Toppes. „Ich habe jeden Tag gefragt, ob sie wieder auf hat“, berichtet Marin. Und Seraphine gesteht: „Mir war immer langweilig, weil wir keine neuen Bücher gehabt haben.“

Lesestoff haben die Farcheter aber natürlich trotzdem reichlich – und zwar nicht nur den wöchentlichen Stapel aus der Stadtbücherei Geretsried. „Wir haben eine komplette Regalwand, und im Keller stehen noch Umzugskartons mit Büchern“, sagt Katja Toppe. Lesen gehört eben zu ihrem Leben und dem ihrer Familie.

sw

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