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Vor dem Amtsgericht musste sich ein 21-jähriger Geretsrieder gleich wegen mehrerer Vergehen verantworten.

Amtsgericht

21-jähriger Geretsrieder muss in die Psychiatrie

  • vonRudi Stallein
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Der Amtsrichter sprach einen jungen Geretsrieder zwar frei, ordnete allerdings die Unterbringung des jungen Mannes in einer psychiatrischen  Einheit an.

Geretsried/Wolfratshausen – Er drohte einem Zimmernachbarn Schläge an und setzte sich gegen Polizisten zur Wehr, die ihn in eine Arrestzelle sperren wollten. Er nahm einem Mitbewohner unter Gewaltandrohung Zigaretten ab, schlug einem Krankenpfleger mit der Faust ins Gesicht und drohte einer Ärztin, sie abzustechen: Für diese und weitere ähnliche Straftaten, die er innerhalb nur eines Jahres begangen hatte, musste sich ein Geretsrieder (21) kürzlich vor dem Jugend-Schöffengericht am Amtsgericht Wolfratshausen verantworten (wir berichteten). Der Angeklagte wurde freigesprochen. In Freiheit kam er jedoch nicht.

Das Gericht ordnete die Unterbringung des Mannes in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Dort befindet sich der 21-Jährige bereits seit seiner Festnahme am 22. April dieses Jahres. Der junge Mann ist an paranoider Schizophrenie erkrankt. Ein Gutachter erklärte vor Gericht, er sehe bei dem Angeklagten „keine grundsätzliche kriminelle Energie“. Sein Handeln sei „seiner Psychose geschuldet“. Aus diesem Grund könne er auch nicht für die begangenen Straftaten verurteilt werden.

„Die Einsichtsfähigkeit hat gefehlt“, begründete Richter Urs Wäckerlin später den Freispruch. Nur, wenn er regelmäßig Medikamente nimmt, könne der 21-Jährige weitere Straftaten vermeiden. Doch das mochte der Beschuldigte lange Zeit nicht einsehen. Er setzte Medikamente eigenmächtig ab, behandelte sich stattdessen selbst mit Cannabis.

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Wenn er allein auf sich gestellt ist, so argumentierte die Staatsanwältin, seien „erhebliche Straftaten zu erwarten und weiter eine Gefahr für die Allgemeinheit zu befürchten“. Sie plädierte deshalb für eine stationäre Unterbringung des Angeklagten. Verteidiger Alexander Eckstein erklärte, sein Mandant sei durch den Klinikaufenthalt inzwischen „in der Lage, zu erkennen, dass so ein Verhalten nicht toleriert wird. Er will, dass sich solche Taten nicht wiederholen.“

Der Angeklagte selbst sagte: „Ich habe eingesehen, dass ich psychisch krank bin und Medikamente brauche.“ Er beteuerte auch, künftig seine Medikamente zu nehmen. „Ich bin der Meinung, dass ich auf Bewährung rauskommen sollte. Aber das müssen Sie entscheiden.“ Das Gericht sah jedoch nach den Erfahrungen der Vergangenheit in einer ambulanten Therapie derzeit „kein tragbares Behandlungskonzept“, wie Wäckerlin erläuterte.

„Die Mediziner haben die begründete Erwartung, dass eine erfolgreiche Behandlung möglich ist. Der Start ist gelegt“, ergänzte der Richter. „Aber eine Bewährung ist nur möglich, wenn wir der Meinung sind, dass ein ambulanter Rahmen der richtige wäre – das ist heute jedoch noch nicht zu verantworten.“

rst

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