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Sehr gut besucht war das Integrationsforum zum Thema „Emotionale Integration“ in der Mensa der Karl-Lederer-Schule. Neben Vertretern der Stadt und des Trägervereins Jugend- und Sozialarbeit waren ehrenamtliche Asylhelfer, Lehrer, Mitarbeiter des Fachdienstes Migration und Integration der Arbeiterwohlfahrt sowie einige Asylbewerber gekommen. 

9. Geretsrieder Integrationsforum 

Eine Herzenssache

Wie kommen Flüchtlinge und Migranten „mit dem Herzen“ in der neuen Heimat an? Was hilft ihnen bei der „emotionalen Integration“? Mit diesen Fragen befasste sich das neunte Integrationsforum von Stadt und Trägerverein Jugend- und Sozialarbeit.

Geretsried 106 Nationalitäten leben aktuell in Geretsried. Viele ausländische Mitbürger sind in den Bereichen Arbeit, Bildung und Wohnen gut eingegliedert. Doch geht mit dieser strukturellen Einbindung von Zugewanderten auch automatisch eine emotionale Integration einher? Zu diesem Thema referierte die bayerische Integrationsbeauftragte Kerstin Schreyer.

Schreyer erinnerte zunächst daran, dass nur 15 Prozent der hier lebenden Ausländer Flüchtlinge seien. 85 Prozent seien Migranten aus Rumänien, Spanien, Griechenland und anderen EU-Staaten. Auch ihnen müsse man „Brücken bauen“, denn sie würden häufig unter sich bleiben. Die CSU-Politikerin empfahl, im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen viel zu erklären sowie die hiesigen Gepflogenheiten und Werte vorzuleben. Sie machte aber auch deutlich: „Wer die Scharia über das Grundgesetz stellt, bekommt von uns eine Antwort darauf.“ Wegen dieser Klarheit funktioniere Integration in Bayern im Vergleich zu anderen Bundesländern relativ gut.

Männern falle es leichter, sich einzuleben. Genauer hinschauen müsse man bei den Frauen. Sie würden oft viele Kinder bekommen und dann den Einstieg oder Wiedereinstieg ins Berufsleben nicht schaffen. Ihnen drohten nicht nur eine gewisse gesellschaftliche Isolation sondern, gerade im Fall einer Scheidung, auch Altersarmut. Schreyer berichtete von einem Projekt, das im September 2018 in München starten soll. Türkinnen ohne berufliche Vorkenntnisse würden als Altenpflegerinnen angelernt. In ihrer Heimat sei diese Tätigkeit hoch anerkannt.

Des Weiteren versucht die Integrationsbeauftragte, Nationalitäten, die als besonders gastfreundlich gelten wie Italiener oder Griechen, im Gastgewerbe unterzubringen. Die Deutschen sollten ihrer Meinung nach „wertschätzend“ mit den Zuwanderern umgehen, ihre Stärken erkennen und diese fördern.

Wie jeder Einzelne dazu beitragen kann, dass sich Asylbewerber und Migranten in Geretsried wohl fühlen, wurde im Anschluss in Gruppen erarbeitet. Einige Ergebnisse, die von den Teilnehmern in Stichpunkten notiert wurden: den Menschen Zeit lassen, ihre Erlebnisse zu verarbeiten und „anzukommen“; Interesse an ihnen zeigen und ohne Scheu auf sie zugehen; Gelegenheiten anbieten, dass sich die Menschen einbringen können – bei gemeinsamen Aktionen wie Festen, Kochabenden oder Ausflügen; die neuen Mitbürger in die Traditionspflege einbinden, aber gleichzeitig offen sein für ihre Bräuche.

Die hauptamtliche Asylkoordinatorin der Stadt, Suzan Jarrar, sagte: „Emotionale Integration gelingt, wenn man seine Identität nicht aufgeben muss.“ Eine Gruppe, in der Grund- und Mittelschulleiterinnen zusammensaßen, schrieb den Wunsch nach mehr Lehrern mit Deutsch als Zusatzsprache auf. Denn: Würden sich die Kinder wohl fühlen und gut entwickeln, beeinflusse das die Eltern positiv.

Bürgermeister Michael Müller wies bei alledem darauf hin, dass die Rahmenbedingungen stimmen müssten, wovon man noch weit entfernt sei. So würden in den Geretsrieder Gemeinschaftsunterkünften noch 30 Prozent als Fehlbeleger mit Anerkennung wohnen. Eine eigene Wohnung und Arbeit sind für Müller Grundvoraussetzungen, dass man „auch mit dem Herzen“ in der neuen Heimat ankommen kann.

Tanja Lühr

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