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Aufräumen: Martin Graf verstaut Wahlkabinen und Urnen im Keller des Geretsrieder Bauhofs.

14,3 Prozent

Die AfD hat eine Hochburg im Landkreis

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Die AfD ist zweitstärkste Partei in Geretsried. Mehr noch: Mit 14,3 Prozent der Stimmen erzielte sie dort das beste Ergebnis im Landkreis. Eine Ursachenforschung.

Geretsried – Der blaue Balken der AfD schmiegt sich im Wahldiagramm des Landratsamts direkt an den der CSU. Vor vier Jahren leuchtete an dieser zweiten Position noch das Rot der SPD. Die Genossen erhielten damals 18,2 Prozent. Heuer liegen sie mit 14,1 Prozent knapp hinter der AfD mit 14,3 Prozent. Die Partei schaffte es in vielen Kommunen im Landkreis auf Platz zwei – in Geretsried ist ihr Ergebnis am besten.

Dr. Sabine Gus-Mayer, die für die CSU im Stadtrat sitzt, war in Gelting als Wahlhelferin im Einsatz. Dort erzielte die FDP nach der CSU die meisten Stimmen. „Ich war eigentlich beruhigt, als der Stapel immer höher wurde“, sagt sie. Als sie später nachsah, wie der Rest von Geretsried gewählt hatte, ergab sich ein anderes Bild. „Da war ich schockiert und enttäuscht.“

Hängt das Ergebnis mit der Flüchtlingspolitik zusammen?

Eine endgültige Erklärung für das AfD-Ergebnis in Geretsried hat Sabine Gus-Mayer nicht, es könne aber mit der Flüchtlingspolitik zusammenhängen. Das sieht auch Vize-Bürgermeister Hans Hopfner (SPD) als eine mögliche Erklärung. „Die AfD hat überall im Landkreis viel geholt“, sagt er. „Dass die Partei in Geretsried besonders viele Stimmen bekommen hat, mag daran liegen, dass bei uns relativ große Flüchtlingsunterkünfte sind.“

Ob das nicht der Entstehungsgeschichte der Stadt widerspricht? „Geretsried ist traditionell hinsichtlich der Kulturen vielschichtig“, bestätigt Hopfner. Allerdings könne und dürfe man „die Situation der Heimatvertriebenen, die Geretsried mit aufgebaut haben, nicht mit den Flüchtlingen von heute vergleichen“, sagt Gus-Mayer und betont zugleich: Geretsried sei tolerant und die Bereitschaft, Flüchtlingen ehrenamtlich zu helfen, sei groß.

In Stein kam die AfD auf über 20 Prozent

In drei Geretsrieder Wahlbezirken kam die AfD auf über 20 Prozent. Spitzenreiter: der Wahlbezirk 14, der sein Wahllokal im Caritas- Kindergarten in Stein hat, mit 25,4 Prozent. „Besonders in Stein müssen wir genau analysieren, welche Wählergruppen wir dort haben“, sagt Gus-Mayer. „Es zeigt, dass die Bürger dort unzufrieden waren.“

Rudi Mühlhans, der als Geschäftsführer des Trägervereins Jugend- und Sozialarbeit einen guten Einblick in die Stadtteile hat, wurde vom Wahlergebnis nicht überrascht. „Die AfD hat sich mit ihren Aussagen im Wahlkampf gezielt an diejenigen in Deutschland gerichtet, die das Gefühl haben, abgehängt zu werden.“ Es sei eine Angstentscheidung gewesen. Mit Blick auf die Bevölkerungszusammensetzung sei Geretsried aber noch gut weggekommen, findet Mühlhans. „Ich bin froh, dass wir keine Abstimmungsverhältnisse wie in Deggendorf oder ostdeutschen Kommunen haben.“

Sorgen der Bürger ernst nehmen

Allerdings seien die Sorgen der Bürger ernstzunehmen. Im Stadtteil Stein seien überdurchschnittlich viele Bürger auf Transferleistungen angewiesen. Mühlhans: „Wer am Rande der Gesellschaft steht, hat am allermeisten Angst, wenn jemand von außen kommt.“ Auch wirke sich der Stellenwert politischer Bildung auf das Wahlverhalten aus.

Eine Bevölkerungsgruppe, die die AfD im Wahlkampf bewusst angesprochen hat, ist auch in Geretsried von großer Bedeutung. „Viele Russlanddeutsche denken, dass sie damals in ihre Heimat zurückgekommen sind und nicht das bekommen haben, was die Flüchtlinge heute bekommen“, sagt Waleri Weinert, der aus Russland stammt und seit 2003 in Deutschland lebt. Das habe er gelesen. Aber auch nach dem, was er selbst in Geretsried gehört habe, hat der ehemalige Chef des Sportvereins Edelweiß das Ergebnis erwartet. „Viele sind nicht überzeugt vom Programm der AfD, sondern sind gegen die etablierten Parteien.“ Weinert betont, dass er die AfD nicht gewählt hat: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie sie im Bundestag Politik machen will.“

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