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Die Nikolaus-Bäckerin: Anna Eckenreiter, eine gebürtige Siebenbürgerin, hat sichtlich Spaß an ihrer Arbeit.

82-Jährige backt jedes Jahr Hunderte von Nikoläusen

Akkordarbeit im Advent

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Geretsried – Durch die Wohnung zieht der Duft von Lebkuchen. Wo man hinschaut, liegen Nikoläuse. Auf dem Küchentisch, auf Tabletts im Wohnzimmer, in Kisten verpackt unter dem Sofa.

„Die hab’ ich alle am Vormittag gebacken“, sagt Anna Eckenreiter lächelnd, während sie einem der Heiligen Männer mit dem Pinsel einen feuerroten Mantel verpasst. Seit Jahrzehnten ist die 82-Jährige eine leidenschaftliche Lebkuchen-Bäckerin. Hochkonjunktur herrscht in der Vorweihnachtszeit. „Auf die 500 werd’ ich heuer schon kommen“, schätzt die quirlige Seniorin.

Anna Eckenreiter stammt aus Siebenbürgen in Rumänien. Dort hat sie das Lebkuchenbacken gelernt. „Eine Apothekersfrau hat einmal einen Kurs angeboten“, erzählt die Geretsriederin. Von dort hat sie auch den Ausstecher mitgebracht, den sie wie ihren Augapfel hütet. Alle 500 Lebkuchen sticht sie mit dieser einen Form aus. „Ich habe noch niemanden gefunden, der mir eine zweite macht“, sagt die mehrfache Großmutter.

Hat sie einmal angefangen, zieht die Seniorin den Back-Marathon an einem Stück durch. Da kann es schon mal 22 Uhr werden, bis alles fertig ist. Den Teig bereitet Eckenreiter einen Tag vorher zu, damit er 24 Stunden bei Zimmertemperatur ruhen kann. Honig, karamellisierter Zucker, lauwarmes Wasser, Mehl, Zucker, Öl, Eier, Zimt Nelken, Vanillezucker, Backpulver und Hirschhornsalz: Mit einem Holzlöffel verrührt die 82-Jährige alle Zutaten in einer Schüssel und verknetet sie zu einem glatten Teig.

Nach dem Ausrollen und Ausstechen wandern die Nikoläuse in den Backofen, für zwei Stunden bei 190 Grad. „Ich gebe sie immer auf ein heißes Blech“, verrät Eckenreiter. Nach dem Backen gibt es eine Verschnaufpause für die Weihnachtsmänner. Erst wenn sie ausgekühlt sind, werden sie verziert – und das mit System: Erst erhalten alle einen roten Anstrich. Der besteht aus erdbeerroter Lebensmittelfarbe, Eigelb und Wasser. Anschließend kommt der weiße Rauschebart aus geschlagenem Eiweiß und Zucker. Dann folgen Hände und Augen, das Zickzack-Muster an Mantel und Mütze und das Grünzeug in der Tasche. Tagelang beschäftigt sich Eckenreiter mit den Nikoläusen. „Es macht mir Spaß“, sagt die Seniorin. Am liebsten ist sie dabei allein: „Es ist so eine stille Beschäftigung.“

Die Nikolaus-Parade: Die Lebkuchen sehen nicht nur gut aus, sie schmecken auch.

Ihren großen Auftritt haben die Heiligen Männer bei der Weihnachtsfeier der Siebenbürger Sachsen. Dort bekommt jedes Kind vom Nikolaus ein Päckchen. „Da hängt dann ein Lebkuchen-Nikolaus dran“, sagt Eckenreiter. „Die Mädchen und Buben freuen sich, das sieht man.“ Manchmal winke ihr eines der Kinder zu. „Sie wissen ja, dass ich sie gemacht habe.“

Auch den Bürgern der Marktgemeinde Reutte in Tirol versüßt Eckenreiter die Adventszeit. Dort hängen die kleinen Kunstwerke an Christbäumen in der Kirche. Früher hat die Geretsriederin auch für ein Seniorenheim Lebkuchen gebacken. Die Bewohner merkten schnell, dass man die Deko, die an den Christbäumen hing, essen kann. „Der Baum musste angebunden werden, sonst wär’ er umgefallen“, erinnert sich Eckenreiter und lacht. „Die Senioren haben so lange gegessen, bis kein Nikolaus mehr da war.“

Für sich selbst hebt die 82-Jährige nur einen oder zwei Lebkuchen auf – zur Qualitätskontrolle. Den Rest verschenkt sie. „Ich freue mich, wenn andere sie essen.“

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