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Seit November 2015 ist der Trägerverein Jugend- und Sozialarbeit mit dem Programm „Geretsried ist bunt“ unterwegs. Bei Interesse der Schulen wird das unterrichtsbegleitende Projekt zum Thema Flucht und Migration sowohl in den Grund- als auch in den weiterführenden Schulen durchgeführt.

Aktion des Trägervereins

„Geretsried ist bunt“: Aufklärung  zu Flucht und Migration

Geretsried – Der Trägerverein leistet an den Schulen Aufklärungsarbeit zum Thema Flucht und Migration. Das Motto: "Geretsried ist bunt".

Der 18-jährige Assad ist aus Afghanistan geflüchtet, weil sein Vater, der einer politischen Partei angehörte, von den Taliban ermordet wurde. Über den Iran und die Türkei kam er nach Deutschland, wo er Asyl beantragte. Assads Geschichte ist eine von vielen, die die Studentin der Sozialen Arbeit, Vera Mühlhans, für das Aufklärungsprojekt „Geretsried ist bunt“ gesammelt hat.

Die 21-Jährige gestaltete im Auftrag des Trägervereins Jugend- und Sozialarbeit zwei Schulstunden am Geretsrieder Gymnasium zum Thema Migration. Auch an Grundschulen, Real- und Mittelschule machte das Projekt „Geretsried ist bunt“ bereits Station. In den Archiven von ZDF und WDR fand Mühlhans von jungen Flüchtlingen gedrehte Videos, die eindrucksvoll zeigen, unter welch katastrophalen Bedingungen sie aus ihrer Heimat flohen – zusammengepfercht in Lastwagen, auf unsicheren Schlauchbooten auf dem Meer.

Die Neuntklässler erarbeiteten gemeinsam mit der Projektleiterin eine Liste mit Fluchtursachen. Dabei zeigte sich, dass die Jugendlichen recht gut Bescheid wissen über den Krieg in Syrien, über die Armut in Teilen Afrikas, über politische, rassistische und religiöse Verfolgung. In einem Quiz tippten die meisten richtig, dass aktuell weltweit rund 65 000 Menschen auf der Flucht sind, dass in der Türkei wesentlich mehr Flüchtlinge leben als in Deutschland oder Griechenland und dass 46 Prozent der Asylbewerber in Deutschland im ersten Halbjahr 2016 eine Anerkennung für drei Jahre erhielten. Nicht gedacht hätten sie, dass seit 2014 rund 10 000 Menschen auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken sind. Nachdem den Schülern die globalen Zusammenhänge mit Fluchtrouten, Grenzschließungen und den gesetzlichen Voraussetzungen für Asyl klar waren, warfen sie einen Blick in den Landkreis. Sie brauchten nur aus dem Fenster ihres Unterrichtszimmers im Oberstufentrakt zu schauen. Direkt gegenüber stehen seit Frühjahr die beiden vom Landkreis gebauten Gemeinschaftsunterkünfte leer. Am Gymnasium gibt es den Schülern zufolge Spekulationen, dass dort Mitte Oktober Asylbewerber einziehen sollen.

Vera Mühlhans, selbst ehrenamtlich tätig im Asyl-Helferkreis ihrer Heimatgemeinde Benediktbeuern, wagte eine vorsichtige Kritik an der aktuellen Politik. Diese sehe vor, die jetzt in Wohnungen lebenden und gut integrierten Flüchtlinge umzusiedeln in Sammelunterkünfte. Auch einige Jugendliche meinten, in den dezentralen Unterkünften mit deutschen Nachbarn würden sich die Fremden besser eingliedern.

Im Moment leben in Geretsried 70 Asylbewerber in der Asylbewerberunterkunft (ABU) I am Robert-Schumann-Weg und 84 im ABU II an der Blumenstraße. Weitere 111 Menschen sind auf 18 Wohnungen verteilt. „Auf 95 Bürger kommt ein Flüchtling“, hat Mühlhans ausgerechnet.

Einige der Neuntklässler erzählten, sie würden sich im gemeinsamen Schulprojekt „Together“ von Gymnasium und Realschule engagieren. Zusammen mit der Lehrerin Anita Bittner überlegen sich die Mädchen und Buben schon jetzt, wie sie jugendliche Neuankömmlinge in der Sammelunterkunft auf dem Schulgelände am besten integrieren können. Das Motto „Geretsried ist bunt“ wird also bereits von Teilen der Jugend gelebt.

von Tanja Lühr

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