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Sorgenkind und zugleich große Unbekannte: Das alte Hallenbad an der Jahnsraße, das durch einen Neubau ersetzt werden soll.

Eine Rechnung mit drei Unbekannten

Alles Wichtige: Der Geretsrieder Haushalt von A bis Z

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Geretsried - Der Stadtrat hat den Haushaltsplan für 2016 verabschiedet. Wir haben alles Wichtige von A bis Z für Sie zusammengefasst.

A wie Asyl: Sechs Millionen Euro hat die Stadt Geretsried ab diesem Jahr für den Bau von drei Unterkünften mit 300 Plätzen auf der Böhmwiese eingeplant. Der Grund: Anerkannte Flüchtlinge, die keine Wohnung finden, müssen von den Kommunen im Rahmen der Obdachlosenhilfe untergebracht werden. Darüber hinaus sind für die Integrationsarbeit in den Jahren 2016 bis 2019 insgesamt 640 000 Euro vorgesehen.

B wie Balbiani: Helge Balbiani-Antony ist seit dem 1. Februar 2005 Kämmerer der Stadt Geretsried. Im August 2011 wurde er mit der Leitung der Verwaltungsabteilung betraut. Damit kamen zum Finanzwesen die Bereiche Personal, Beschaffung, Organisation und EDV dazu. Balbiani stammt aus Hannover. Der 44-Jährige wohnt mit seiner Frau und seinem Sohn in Geretsried.

Sorgenkind und zugleich große Unbekannte: Das Eisstadion an der Jahnstraße.

C wie CSU: CSU-Bürgermeister Michael Müller hat den Haushalt 2016 eingebracht und damit auch die umstrittene Gewerbesteuererhöhung von 320 auf 380 Prozentpunkte. Für die Anhebung stimmten CSU, SPD und Grüne, dagegen die Freien Wähler und die FDP. Bei der Verabschiedung des Gesamthaushalts gab es nur vier Gegenstimmen aus der Fraktion der Freien Wähler.
 
D wie Dienstleistungen:
Auf sieben Millionen Euro belaufen sich die Dienstleistungen, die die Stadt in diesem Jahr erbringt. Dazu gehören die Aufwendungen für die beiden Grundschulen und die Mittelschule mit 2,5 Millionen Euro. Das Straßennetz kostet die Kommune jährlich rund zwei Millionen Euro, plus 676 500 Euro für den Winterdienst. Ein Zuschussbetrieb ist auch der Stadtbus: Ausgaben von fast 310 000 Euro stehen Einnahmen von rund 30 000 Euro gegenüber.
 
E wie Einnahmen:
Die Stadt Geretsried finanziert sich vor allem aus Steuereinnahmen. Für dieses Jahr rechnet sie mit 14,4 Millionen Euro Gewerbesteuer und 13,5 Millionen Einkommensteuer. Dazu kommt die Grundsteuer mit 2,6 Millionen Euro. Als Schlüsselzuweisung vom Staat gibt es 2,5 Millionen Euro. Er fördert zudem den Betrieb der Kindertagesstätten in Geretsried mit 3,4 Millionen Euro.

F wie freiwillige Leistungen: Die Stadt erfüllt nicht nur ihre Pflichtaufgaben. Sie zahlt auch so genannte freiwillige Leistungen. Dazu gehören zum Beispiel der Betrieb des Hallenbads und der Zuschuss für das Eisstadion. Alles in allem summiert sich die Sportförderung in diesem Jahr auf mehr als zwei Millionen Euro. Zum Vergleich: Die freiwilligen Leistungen im Bereich Asyl liegen bei 157 300 Euro.

G wie Gewerbesteuer: Erstmals nach 23 Jahren erhöht die Stadt die Gewerbesteuer. Der Hebesatz wird von 320 auf 380 Prozentpunkte und damit auf das Niveau von Wolfratshausen und Bad Tölz angehoben. Proteste aus der Wirtschaft blieben ohne Erfolg. „Die Stadt muss sich ihre Leistungsfähigkeit erhalten“, sagt Bürgermeister Müller. Zum einen steigen die Aufwendungen der Kommune. Zum anderen stehe Geretsried mit Projekten wie der S-Bahn-Verlängerung vor großen Herausforderungen.

Sorgenkind und zugleich große Unbekannte: Die Adalbert-Stifter-Mittelschule. Sie soll saniert werden.

H wie Heinz-Schneider-Eisstadion: Der Stadtrat hat beschlossen, das Eisstadion am jetzigen Standort zu erhalten. Dazu braucht es nicht nur ein neues Dach. Aus Lärmschutzgründen muss die Arena komplett eingehaust werden. Sieben Millionen Euro dürfte die neue Halle schätzungsweise kosten. Bislang steht das Vorhaben erst ab 2019 in der Finanzplanung. „Da ist aber noch Bewegung drin“, sagt Bürgermeister Müller. In diesem Jahr soll auf jeden Fall die Betonpiste inklusive Bande erneuert werden. Alles in allem sind im Haushalt 2016 gut 700 000 Euro für das Eisstadion eingeplant.
 
I wie interkommunales Hallenbad:
Die Stadt Geretsried hält an dem Großprojekt fest. Die Investitionskosten in Höhe von 13,6 Millionen Euro inklusive Sauna wurden „voll umfänglich“ (Müller) in die Finanzplanung aufgenommen. Die erste Rate von zwei Millionen Euro könnte heuer fließen. Ob es tatsächlich ein großes Bad für den Nordlandkreis wird oder doch nur ein kleines für Geretsried, hängt davon ab, inwieweit sich die anderen Kommunen an den Betriebskosten beteiligen. Derzeit müsste Geretsried jährlich über eine Million Euro zuschießen. Das wäre doppelt so viel beim alten Hallenbad.
 
J wie Jugendarbeit:
Fünf Millionen Euro netto gibt die Stadt 2016 für die Kinder- und Jugendarbeit aus. Ausgaben in Höhe von 8,6 Millionen Euro stehen Einnahmen von 3,5 Millionen Euro gegenüber. Enthalten ist in dem Betrag unter anderem der Zuschuss an den Trägerverein Jugend- und Sozialarbeit in Höhe von 400 000 Euro im Jahr. Dazu kommen alle Aufwendungen für die Schulen und Kindergärten.

K wie Kultur: 610 400 Euro sind heuer für die Kulturarbeit im Haushalt eingeplant. Dazu zählen die Ausfallbürgschaft für den Kulturherbst (80 000 Euro), die Ausgaben für das Museum (195 000 Euro) und der Zuschuss an die Musikschule (275 000 Euro). Zusätzlich sind 100 000 Euro für den Ankauf von Kunstwerken vorgesehen. Angedacht ist ein Weg der Skulpturen in der Innenstadt. „oder etwas anderes, was identitätsstiftend wirkt und den öffentlichen Raum hübscher macht“, erklärt der Bürgermeister.

L wie Liquiditätsreserve: 14 Millionen Euro hatte die Stadt Geretsried Ende 2015 auf der hohen Kante. Durch die anstehenden Investitionen in Höhe von 42 Millionen Euro in den nächsten vier Jahren wird dieses Finanzpolster bis Ende 2019 auf 7,2 Millionen Euro zusammenschrumpfen. Das sei aber immer noch eine „Wohlfühlreserve“, sagt Kämmerer Helge Balbiani.

M wie Mittelschule: Die Mittelschule an der Adalbert-Stifter-Straße ist zwar zu 76 Prozent sanierungsbedürftig. Dennoch macht es nach Einschätzung von Experten Sinn, das Gebäude zu erhalten. 8,5 Millionen Euro kostet eine Generalsanierung, plus 3,8 Millionen Euro für einen Erweiterungsbau, der zur Auslagerung der Klassen notwendig ist. Das Geld wurde in den Haushalt aufgenommen. Alternativ wird aber auch ein kompletter Neubau geprüft. 1,85 Millionen Euro sind für die Karl-Lederer-Grundschule eingeplant, die dringend erweitert werden muss.

Auf 36,4 Millionen Euro summieren sich die Haupteinnahmen in diesem Jahr (Klick für große Grafik).

N wie Nettoneuverschuldung: Die Stadt Geretsried hat für dieses Jahr keine Kreditaufnahme eingeplant. Es gibt aber noch aus dem Vorjahr eine Ermächtigung, sich zwei Millionen Euro von der Bank zu holen. Trotz Investitionen von 42 Millionen Euro will die Stadt in den nächsten Jahren Schulden abbauen. Durch den Kauf der Grundstücke aus dem Besitz des Gutes Buchberg und die Übernahme der Schulden der Stadtwerke hat Geretsried derzeit den höchsten Schuldenstand in seiner Geschichte: 23,7 Millionen Euro. Dieser Betrag soll bis Ende 2019 auf 18,2 Millionen Euro sinken.
 
O wie ordentliches Ergebnis:
Als einzige Kommune im Landkreis hat die Stadt Geretsried vor Jahren von der Kameralistik auf die kaufmännische Buchführung (Doppik) umgestellt. Ob die Verwaltung ihre laufenden Geschäfte erfolgreich erledigt, zeigt sich am ordentlichen Ergebnis. Für dieses Jahr rechnet der Kämmerer mit einem Überschuss von 5,5 Millionen Euro. Dieser resultiert zwar zu einem Großteil aus dem Verkauf des neuen Gewerbegebiets Gelting-Ost. Aber auch ohne diese Erlöse würde die Kommune ein ordentliches Ergebnis von 2,2 Millionen Euro erzielen. Auch in den Folgejahren erwartet Balbiani ein Plus zwischen 1,8 und 3,8 Millionen Euro. „Dies bedeutet, dass sich der Ergebnisplan der Stadt Geretsried wieder selbst tragen kann. Wir können uns selbst finanzieren.“
 
P wie Personalkosten:
135 Mitarbeiter beschäftigt die Stadt Geretsried. Die jährlichen Kosten belaufen sich auf 7,7 Millionen Euro. „Wir haben sicher nicht zu viel Personal“, sagt der Bürgermeister. Die Mehrausgaben spiegelten die gestiegenen Aufgaben der Kommunen wider.

R wie Rathausausbau: Die Stadtverwaltung braucht dringend mehr Platz. Deshalb soll das Dachgeschoss des Rathauses ausgebaut werden. Inklusive Brandschutz belief sich die letzte Kostenschätzung auf 1,9 Millionen Euro. Eingeplant sind nun für die nächsten Jahre 1,5 Millionen Euro. Ob und wie das Geld verwendet wird, ist laut Bürgermeister noch nicht entschieden.

S wie Sport: Auf zwei Millionen Euro belaufen sich wie erwähnt die freiwilligen Leistungen im Bereich Sport. Dazu kommen in diesem Jahr fast 2,8 Millionen Euro an Investitionen, darunter die erste Rate für das neue Hallenbad (zwei Millionen Euro). 650 000 Euro sind für den Kunstrasenplatz auf dem Gelände der Fußball-Freunde Geretsried am Robert-Schumann-Weg vorgesehen.

T wie Trinkwasser: Die Trinkwasser-Versorgung ist Sache der Stadtwerke Geretsried. Als eigenständiges Kommunalunternehmen stellen sie ihren eigenen Wirtschaftsplan auf. Deshalb tauchen auch die Kosten für die Ultrafiltrationsanlage (3,6 Millionen Euro netto) für die Brunnen in Königsdorf-Wiesen nicht im Haushalt der Stadt auf. Die Kommune hat allerdings die Altschulden des früheren Eigenbetriebs übernommen und bekommt dafür Zins- und Tilgungszahlungen von den Stadtwerken erstattet.

U wie Umlagen: 32,5 Millionen Euro Steuern nimmt die Stadt Geretsried in diesem Jahr voraussichtlich ein. Davon muss sie aber fast die Hälfte wieder abgeben: Knapp 12,3 Millionen Euro gehen als Kreisumlage an den Landkreis. 2,6 Millionen Euro fließen als Gewerbesteuerumlage an Bund und Land.

V wie Verkauf: 9,5 Millionen Euro will die Stadt Geretsried bis 2019 aus dem Verkauf von Grundstücken erzielen, allen voran das neue Gewerbegebiet Gelting-Ost. Bislang wurde ein Drittel der rund 90 000 Quadratmeter großen Fläche an den Mann gebracht.

Helge Balbiani-Antony, seit 2005 Kämmerer in Geretsried

W wie Wegebau: 1,6 Millionen Euro werden heuer in den Straßenbau investiert. Dazu kommen 680 000 für den laufenden Unterhalt. Eine große Maßnahme ist die Sanierung der Adalbert-Stifter-Straße.
 
X wie X-Betrag:
Was ist die größte Unbekannte in der Finanzplanung bis 2019? Antwort des Bürgermeisters: „Das Hallenbad, die Mittelschule und das Eisstadion.“
 
Y wie Yoga:
Wie entspannt sieht der Kämmerer den Haushalt 2016? Antwort von Helge Balbiani: „Ein Kämmerer ist in Bezug auf seinen Haushalt niemals entspannt.“
 
Z wie Zentrum:
Das Stadtzentrum rund um den Karl-Lederer-Platz soll attraktiver werden. Dies ist aber vor allem Sache der privaten Hauseigentümer. Die Stadt kann nur die Rahmenbedingungen schaffen. 330 000 Euro sind heuer für Planungskosten vorgesehen. Dazu zählt nicht nur der Bebauungsplan Karl-Lederer-Platz, sondern auch der neue Flächennutzungsplan.

von Sabine Schörner

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