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Vergeblich stemmte sich auch Geretsrieds Abwehrroutinier Heinrich Korph (re., mit dem damaligen Jugendkeeper Markus Janka) vor 23 Jahren gegen die Niederlage in der Play-down-Serie gegen Regensburg.

Klassiker des Lokalsports

Als 1000 Regensburger das Geretsrieder Eisstadion stürmten

  • Thomas Wenzel
    vonThomas Wenzel
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Aufstiegsduelle, Abstiegsschlachten, Derbys und Revierkämpfe: Es gibt Spiele im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, die bleiben unvergessen.  Vor 23 Jahren verlor das Geretsrieder Eishockeyteam ein dramatisches  Match gegen den EV Regensburg mit 3:4 nach Penaltyschießen und stieg damit aus der 2. Liga ab

Geretsried – Es waren erfolgreiche Zeiten, die das Geretsrieder Eishockey in den frühen 1990er-Jahren erlebte. 1992 hatte sich der TuS die Meisterschaft in der Oberliga Süd geholt, war zwei Jahre später sogar in die so genannte Hacker-Pschorr-Liga aufgestiegen. Hier tummelten sich neben Traditionsklubs wie dem EC Bad Tölz auch aufstrebende Newcomer wie der EC Bietigheim oder die späteren DEL-Vereine Ingolstadt, Straubing und Freiburg. Das Aus für den Außenseiter mit dem kleinen Budget, aber hervorragender Nachwuchsarbeit, kam am 18. März 1997: Am Ende eines hochdramatischen Best-of-five-Duells hatten die Geretsrieder gegen den EV Regensburg das Nachsehen, stiegen nach der 3:4-Niederlage im Penaltyschießen in die damalige 2. Liga (Oberliga) ab. „Es ist einfach bitter, wenn man die ganze Saison kämpft und dann im Penaltyschießen unterliegt“, sagte der damalige Trainer Mike Wanner.

Die Schlagzeile aus dem Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur: Mit der Niederlage gegen Regensburg am 18. März 1997 war der Abstieg des Geretsrieder Eishockeyteams besiegelt.

Diese Play-down-Serie war derart spannend, dass sie noch Jahre später für Gesprächsstoff unter den Fans sorgte. Der TuS ohne seinen verletzten Kapitän Dany Naud hatte beide Heimpartien für sich entschieden (3:2, 3:2), in Regensburg jedoch deutlich mit 2:7 und 1:5 den Kürzeren gezogen. An jenem Dienstagabend musste im Heinz-Schneider-Eisstadion also die Entscheidung fallen – und fast 2000 Zuschauer wollten dabei sein, davon mindestens die Hälfte aus Regensburg. „Ich erinnere mich daran, dass überall Fans waren – sogar rund um und auf dem Dach unserer Mannschaftsbank“, sagt der spätere Nationalspieler und heutige ESC-Vorsitzende Markus Janka, der als Jugendkeeper seinen ersten Einsatz als Ersatzmann hatte. Im TuS-Kasten stand nämlich nicht der erfahrene Roland Seckler (28), später ein erfolgreicher DEL-Schiedsrichter. „Der Roland war ausgerechnet an diesem Abend beruflich verhindert“, erinnert sich der heutige SPD-Stadtrat Wolfgang Werner, der als 20-Jähriger ins kalte Wasser geworfen wurde. Doch der junge Goalie machte seine Sache ausgezeichnet: Zwar musste er unverschuldet das 0:1 hinnehmen, doch der Finne Petri Tuomisto und der Ex-Tölzer Ken Filbey brachten die Hausherren mit 2:1 in Front, ehe dem EVR der Ausgleich gelang. Die Gäste erzielten auch das dritte Tor, ehe dem vormaligen finnischen Nationalspieler Reijo Mikkolainen das 3:3 gelang. „Beide Teams suchten den offenen Schlagabtausch, taktische Mätzchen blieben außen vor“, stand am nächsten Tag im Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur zu lesen.

Der heutige SPD-Stadtrat Wolfgang Werner war damals TuS-Torhüter.

Weil die Verlängerung torlos blieb, musste die Entscheidung im Penaltyschießen fallen. TuS-Keeper Werner parierte den ersten Schuss, Tuomisto traf. Doch während die Regensburger noch zweimal ins Schwarze trafen, scheiterten Mikkolainen, Juris Opulskis, Andi Morczinietz und am Ende auch noch der routinierte Filbey.

Der Rest des Abends war ein einziger Regensburger Freudentaumel. Die EVR-Anhängern stürmten die Eisfläche, während die TuS-Cracks und die heimischen Zuschauer mit gesenkten Häuptern nach Hause schlichen. „Aufgrund der guten Chancen in der Verlängerung hätten wir es verdient gehabt, das entscheidende Tor zu schießen“, stellte ein betrübter TuS-Manager Gerhard Herrmann in der Pressekonferenz fest. Auch die Fans waren traurig. „Das hat mich ganz schön mitgenommen“, sagte Dietmar Baumeister. Der damalige Freie-Wähler-Stadtrat und Konrektor des Gymnasiums war noch am Tag danach aufgewühlt: „Als Berufsoptimist hatte ich bis zum Schluss noch die Hoffnung, dass wir es schaffen können.“ Der 2018 gestorbene Hannes Kirchhofer, damals als Vertreter der Grünen im Stadtrat, haderte ein wenig mit dem verletzungsbedingten Ausfall von TuS-Kapitän Naud: „Wer weiß, wie die Spiele mit ihm ausgegangen wären?“

Dem Nachwuchs verbunden: Mike Wanner (re.) hatte die erste Mannschaft des TuS von Harry Mahood übernommen.

Keine konkreten Erinnerungen mehr an dieses legendäre Match hat Mike Wanner. „Das ist ja schon so lange her“, sagt der heute 67-Jährige. Damals hauptamtlicher Nachwuchstrainer, hatte der elffache Nationalspieler während der Saison Harry Mahood abgelöst. „Das war eine gute Mannschaft“, betont Wanner angesichts von Leistungsträgern wie Naud, Opulskis, den Finnen Tuomisto und Mikkolainen sowie Seckler, Filbey, Heinrich Korph und Christian Ott. Immerhin schaffte man es in dieser Saison, einmal den Landkreis-Rivalen Bad Tölz zu besiegen. Stolz ist der heutige ESC-Coach vor allem darauf, die späteren Nationalspieler Andreas Morczinietz und Markus Janka gefördert zu haben.

Für Wolfgang Werner kam der Abstieg 1997 nicht ganz unerwartet. „Wir standen die ganze Saison über mit dem Rücken zur Wand und haben nicht mehr wirklich an den Klassenerhalt geglaubt“, räumt der heute 44-Jährige ein. Tatsächlich hatte der Absturz schon ein Jahr zuvor begonnen. Der kanadische Coach der Geretsrieder, Harry Mahood, hatte es sich mit seinen etwas eigenwilligen Trainingsmethoden mit einer Reihe von Stammspielern verscherzt: Hubert Jellen, Peter Harrer, Michael Freißmann und Olaf Björner wechselten zum EHC Klostersee beziehungsweise TEV Miesbach und blieben dort auch in der folgenden Saison. Ein Aderlass, den die zuvor so erfolgreiche Geretsrieder Mannschaft nicht so einfach verkraftete.

Nach dem Abstieg folgte ein weiterer Schnitt: Zwar verließen Naud (HC Rouen/Frankreich), Morczinietz (EC Bad Nauheim/2. Bundesliga), Filbey (SC Bietigheim/2. Bundesliga) und Seckler (Karriereende) den Verein. Aber dafür kehrten Jellen und Harrer sowie Peter Holdschik (EC Bad Tölz) zurück. Außerdem konnte Mike Wanner als Trainer weiterhin auf Opulskis und Mikkolainen zählen sowie auf den kanadischen Torjäger Ron Chyzowski und den tschechischen Verteidiger Vlastimil Vajdak.

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