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Einst die erste Adresse in Gelting: Seit Mai 2015 ist der Alte Wirth geschlossen, das dazugehörige Hotel (re.) soll jetzt verkauft worden sein.

Ausverkauf in Raten?

Alter Wirth: Hotel soll neuen Besitzer haben

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Geretsried – Was wird aus dem Alten Wirth in Gelting? Diese Frage treibt viele Menschen im Dorf um.

Seit eineinhalb Jahren ist die Gastronomie geschlossen. Nur der Hotelbetrieb läuft bis heute weiter. Jetzt soll das Anwesen mit Ausnahme der Gaststätte verkauft worden sein. Der Geltinger Stadtrat Franz Wirtensohn hofft inständig, dass die Dorfwirtschaft erhalten bleibt.

Nach Informationen unserer Zeitung wurde den knapp zehn Mitarbeitern des Hotels zum 1. Dezember gekündigt. Ein Geschäftsmann aus München soll das Gebäude mit 21 Zimmern und zwei Appartements gekauft haben. Er will das Hotel offenbar weiterführen. Mehr ist nicht zu erfahren. Weder der neue noch der alte Eigentümer waren für eine Stellungnahme zu erreichen.

Franz Wirtensohn kann den Verkauf weder bestätigen noch dementieren. „Es gibt viele Gerüchte im Dorf“, sagt der Landwirt, der gerne als Geltings heimlicher Bürgermeister bezeichnet wird. Er hofft, dass die Gastronomie des Alten Wirth wieder zum Leben erweckt wird. „Das ist der schönste Dorfkern überhaupt“, schwärmt Wirtensohn über das Ensemble aus Maibaum, Kirche und Wirtschaft. Dazu der neue Dorfplatz mit dem Dorfladen. „Es wäre doch jammerschade, wenn es dort keine Dorfwirtschaft mehr geben würde“, sagt Wirtensohn. Zugleich ist er froh, dass er sich im Stadtrat mit seiner Forderung durchgesetzt hat, für die Ortsmitte von Gelting einen Bebauungsplan aufzustellen. Das schränkt zumindest im historisch geprägten Dorfkern die baulichen Möglichkeiten ein.

Dass der Alte Wirth erhalten bleibt, ist auch der Wunsch von Elisabeth Neumeier. Sie war 15 Jahre alt, als sie nach dem Tod der Mutter ihrem Vater in der Wirtschaft zur Hand ging. 1957 übernahm sie den Familienbetrieb und baute ihn zusammen mit ihrem Mann Ferdinand zu einer der ersten Adressen im Oberland aus. 1977 wurde die alte Wirtschaft abgebrochen und ein neuer Landgasthof errichtet. Zusätzlich entstand das Hotel.

„Es war immer mein größter Wunsch, dass mein Lebenswerk von meinem Sohn Klaus weitergeführt wird“, hat Elisabeth Neumeier einmal gesagt. Klaus Fagner war gut 30 Jahre im elterlichen Betrieb tätig. Aus gesundheitlichen Gründen sah sich der gelernte Koch aber nicht in der Lage, das Geschäft zu übernehmen. 2014 entschloss sich die Familie, den Alten Wirth zu verpachten. Das Ehepaar Würtz aus München sollte die Gaststätte samt Hotel weiterführen. Doch nach nur einem halben Jahr kam es zum Bruch. Mit den Pächtern verließ auch der angesehene Küchenchef Martin Minsch nach mehr als 30 Jahren das Haus. Notgedrungen übernahm Klaus Fagner wieder den Betrieb, hielt aber nur ein knappes halbes Jahr durch. Am 11. Mai 2015 hat er das Restaurant aus gesundheitlichen Gründen geschlossen. Rund 20 Mitarbeiter mussten gehen. Nur der Hotelbetrieb lief weiter. Das Ende einer 200-jährigen Wirtshaustradition.

Das gesamte Anwesen wurde für rund vier Millionen Euro zum Verkauf angeboten. Mit dem Hotel soll nun ein Großteil davon veräußert sein. Nur die Gaststätte gehört angeblich noch der Familie. Elisabeth Neumeier hatte immer die Hoffnung, einen neuen Pächter zu finden, der den Alten Wirth weiterführen will. Dass sie mit dem Geld aus dem Verkauf ihren Lebensabend sorgenfrei genießen könnte, ist für sie kein Trost. „Was soll das für ein Leben sein?“, fragte die 80-Jähre vor einem Jahr in einem Interview. „Der Alte Wirth ist mein Leben.“

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